Martins Poptagebuch: 27.03.2018

mit Sonny Smith, Brian Lopez und Jacob Bellens

Der Umstand, dass man so manchen Morgen die Straßen vor dem Wohnzimmerfenster noch mit Schnee bestäubt findet, soll uns nicht täuschen. Der Frühling kommt und damit ist die Saison für die Slacker eröffnet. Erster ausichtsreicher Kanditat in diesem Jahr ist Sonny Smith. Und der lässt gleich mal nix anbrennen: mutwillige Gitarrenakkorde lassen den Hörer eine frohgestimmte Pfadfindertruppe über sattgrüne Wiesen imaginieren. Dabei sind große Gefühlsausbrüche zu vermeiden, wer ein echter Tagedieb sein will, kennt den Unterschied zwischen Zuversicht und Euphorie. Und so lässt Smith die Gitarren genügsam perlen und plingern, nicht zu fest zu packen, Raum lassen für den weiten Blick. Dass das dann auf bescheidene Art herrlich losgelöst vor sich hin schlenkert, ist eine Wohltat jenseits großer Masterpläne. Und überhaupt sind Anknüpfungspunkte an konkrete Handlungen eher nicht so gerne gesehen. Dieser Sonny Smith prominiert zwischen den Zeiten, „love in the future is just a fantasy/ love in the past is just a memory“ und wird damit zeitlos. Denn unangestrengter Gitarrenpop geht zu jeder Zeit, erst recht, wenn er wie hier mit zutraulichen Orgelklängen und Flötentönen gestillt wird. Ein herrlicher Appell an die eigene Faulheit.

Und weil es gerade so gemütlich ist, hat sich der gute Brian Lopez fest vorgenommen, uns zu umsorgen und zu hegen. Dankbarerweise gibt er uns mit der ersten Zeile seines Albums „Prelude“ gleich eine Gebrauchsanweisung zur Hand: „don´t you try to use your mind“. Diesen sanften Befehl beherzigend, lassen wir uns von Bootsführer Lopez den Strom unseres Unterbewusstseins entlangschippern. Dazu zupft und streichelt der Amerikaner sanft seine Akustikgitarre an allen Klippen und Sandbänken vorbei. Traumwandlerisch wechselt er zwischen Englisch und Spanisch hin und her und achtet darauf, dass wir uns auch nicht wegen eines roh behauenen Gitarrensolos in „Nomenclature“ ängstigen. Das Erfüllende an dieser Platte ist dabei, dass Lopez durchaus Nuancierungen in der Stimmung einstreut, „Tale Of Us“ kleidet sich in dunkle Gewänder, schaut selbstvergessen in den Abgrund („there´s a mad man/ who wants you to burn“), verliert aber niemals seine hypnotische Bannkraft. „Fade Out“ hingegen walzert sich unbeschwert in den Schlaf, der Sommerhimmel als Baldachin. Und so bleibt man zwar immer in einem dösigen Halbschlaf, von ferne branden jedoch die unterschiedlichen Gefühle, aber wie gesagt, wir sind geschützt.

Kein Schutz ist bei Jacob Bellens nötig. Der dänische Songwriter ist auch so ein Sanfter. Böse Zungen würden vielleicht so weit gehen, ihn als seicht zu bezeichnen. Mit nasal knorriger Stimme hat er sich inmitten seiner Elektro-Pop-Schönheiten platziert um immer irgendwie ans Herz zu appelieren. Bellens ist selten glücklich, tut das aber leider mit so mancher Platitüde kund, „I need you more than anything/ like the flower needs the water to grow“, oh je. Statt beseelter Intimitätsoffensive verkommen die Stücke durch Formulierungen vom Grabbeltisch der Schmachtfetzen zu einer allzu routinierten Auftragsarbeit. Das ist schade um den mannigfaltigen Einsatz diverser Tasteninstrumente, ob Keyboard oder E-Piano, das sitzt eigentlich immer. Musikalisch steht also recht wenig zu beanstanden, Bellens spielt geschickt mit Stimmungen und Aggregatszuständen, mal Tearjerker mal Tanzbombe, doch bei den hüftsteifen Texten vergeht einem manchmal die Lust am schwelgen und schmachten.