Martins Poptagebuch: 30.03.2018

Mit Baloji, The Voidz und Trace Mountains

Selbstbewusste Künstler, die eine ganz eigene Vision haben, sind ja immer gern gesehen. Baloji Tshianis, gebürtig in der DR Kongo, jetzt in Belgien wohnend, verknüpft auf unheimlich intuitive Art die reiche rhythmische Tradition seiner afrikanischen Ursprünge mit Hip Hop und Funk. Auch die diversen Spielarten der elektronischen Musik aus der westlichen Welt treten in Kontakt mit Afrobeat und eher klassischen Bestandteilen der afrikanischen Musik. Dabei kommt ein gehörig treibender, lebensbejahender Tanzmix raus, der auf gekonnt vielfältige Weise unseren Bewegungsdrang befriedigt. Dass man sich endlich mal auf weniger ausgetretenen Pfaden tänzerisch betätigen kann, ist eine echte Belohnung. Dabei achtet man auf die etlichen, liebevoll arrangierten Details, ein vollmundiger Strudel aus Klängen und Rhythmen. Dazu kommen die markant maskulinen aber nicht einschüchternden Raps von Baloji, die ein Bindeglied zwischen Afrika und Europa darstellen. Schön dann, das Baloji gegen Ende des Albums ein wenig Ruhe einkehren lässt und so den Blick auf die afrikanischen Musiktraditionen schärft, die hier mit organischer Instrumentierung unverstellt eine angenehme Duftmarke hinterlassen

Dass die Grenze zwischen großem Abwechslungsreichtum und chaotischer Beliebigkeit schnell überschritten ist, müssen jetzt vielleicht Julian Casablancas und seine Voidz feststellen. Denn ihr Album „Virtue“ leidet an der selben Krankheit, die wir gestern erst bei Jack White diagnostiziert haben und in deren Verlauf das ordnende Händchen abfault. Casblancas hat merklich versucht, eine Weltausstellung seiner vielseitigen Talente aufuzuziehen, doch stehen jetzt am Ende zahllose musikalische Elemente unverbunden und ohne miteinander zu kommunizieren in der Gegend rum. Auf Hardcore-Knüppelleien folgt Indie R´n`B, auf Folk folgt Industrialgewummer, jeder Song fängt quasi bei null an, keine Verbindung zu Vorherigem oder Folgenden. Ein gewisser Eklektizismus kann ja durchaus beglückend oder berauschend sein, wenn jedoch die einzelnen Teile gleichgültig aneinander gepappt werden, wird’s anstrengend ohne anschließende Belohnung. Und ebenso wie bei Jack White wird nach mehrmaligen Hören klar, dass die Songs nicht auf tragfähigen Ideen aufbauen, sondern sich in einem Exzess der Produktionskniffe über ihre eigene Gehaltlosigkeit hinwegtrösten. Bezeichnenderweise sind jene Songs am stärksten, die an Casablancas Stammband The Strokes erinnern. Bei dem ganzen betriebenen Aufwand ist das jedoch sicherlich das Letzte, was sich der gute Julian gewünscht hat.

Von verkrampfter Überambition völlig frei ist die Musik von Dave Bentons Trace Mountains. Der Albumtitel „A Partner To Lean On“ verspricht nichts, was er nicht halten könnte. Diese Platte ist ein verlässlicher Freund, frei von extravaganter Selbsinszenierung. Folkiger Indie, dessen Grundsatzprogramm aus wohl vertrauten Bestandteilen besteht. Die Betonung liegt auf der Gitarre, akustisch oder stromgespeißt, kleinere Auflockerungen gönnt uns Benton aber ebenso gerne. Da darf ein Stück von einem zurückhaltenden Drum Computer gesponsert werden, an anderer Stelle nascht Benton am Helium und nimmt dem Song „Turn Twice“ etwas von seiner schluffigen Verzagtheit. Der Titelsong hoppelt dann auch recht frohgemut, trotz der schlafmützigen Singstimme, den Feldweg entlang und „Soil“ suhlt sich sogar in bratzigem Grunge. Obwohl man bei diesem Freund alle Geschichten zu kennen scheint, kommen also immer wieder kleine überraschende Einschübe, die dafür sorgen, dass „A Partner To Lean On“ nicht in Langeweile abdriftet.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies