Martins Poptagebuch: 08.04.2018

mit Hinds, Eels und Unknown Mortal Orchestra

Heute starten wir mit den iberischen Spezialistinnen für Slackertum, Hinds. Deren neues Album „I Don´t Run“ bietet wieder eine schmackhafte Portion Gitarrenpop, die sich mal anschmiegt aber auch mal faucht und kratzt. Dass die Gitarre bei dem madrilenischen Quartett im Mittelpunkt steht, ist nicht neu aber nach wie vor efreulich. Die Melodien sind einfach gehalten, versprühen aber eine intensive Leidenschaft, schön, wie es jault, maunzt und gniedelt. Ein weiterer schon bekannter Pluspunkt: das good cop/bad cop Schema im Gesang. Ana Perrote ist die elegante Dame mit dem distinguiertem Stil, Carlotta Cosials der aufbrausende Rotzlöffel. Solcherart aufgestellt lässt sich mal schnell und ruppig, mal tiefenentspannt über die Liebe sinnieren, prima, dass dabei rosarot nicht wirklich im Farbsortiment vorhanden ist. Was bei mehrmaligem Hören als Eindruck Gestalt annimmt, ist, dass diesmal die gemächlicheren Nummern wie „Linda“ besonders hängen bleiben, die plingernden Sonnenuntergangsgitarren, der laszive Gesang, so macht Nichtstun Spaß.

Die ruhigeren Momente sind seit jeher auch ein Spezialgebiet von Mark Oliver Everett. Für seine kauzigen Melancholia hat man ihn immer geliebt, zumal er dann doch auch mal mit einem Krachbatzen überrascht hat. Sein neues Album „The Deconstruction“ hat eigentlich alles, was ein typisches Eels-Album so auszeichnet: die Gitarrenläufe, die selbstvergessen auf einer geschwungenen Linie durch den Raum mäandrieren, festlich rausgeputzte Streicher, die kurz vor der Aufnahme jedoch ein Schicksalsschlag ereilt hat und natürlich dieser Gesang des geborenen Außenseiters, ein wenig trotzig aber vor allem verletzlich und bereits verletzt. Das Problem ist jedoch, dass es fast alles auf diesem Album schon mal in besser gegeben hat. „Today Is The Day“ ist zum Beispiel nur eine recht uninispirierte Fortführung von „(Hey Man) Now You´re Really Living“ und gerade die ruhigeren Nummern wirken wie durch einen typical Eels song-Generator erzeugt. Dabei bleibt jedoch der textliche Witz deutlich auf der Strecke, wo früher die geistreiche Feststellung „life is funny, but not ha ha funny“ stand, gibt es auf „The Deconstruction“ nur Dutzendware der Marke „I break apart“. Und so fühlt man sich zwar auch dieses Mal direkt heimisch aber es bleibt der Eindruck, dass hier nur alte Gefühle halbherzig aufgewärmt werden.

Alles andere als die sichere Nummer wird vom Unknown Mortal Orchestra geschoben. Grundsätzlich geht hier so ziemlich alles zusammen, was im Entfernstesten mit der Rockmusik der letzten Dekaden zu tun hat. Orgiastische Garagengroovemonster von der Led Zeppelin-Auslage finden sich ebenso ein, wie vodoohafter 60s Rock, der gegen jedes Betäubungsmittelgesetz verstößt. An anderer Stelle verleibt sich nahöstliches Instrumentarium ein Saxophon ein und wieder will es keiner gewesen sein. Aber die transpazifische Chaotentruppe gibt sich damit noch längst nicht zufrieden. Psychedelischer Folk, ebenso gut abgehangener Blues und als besondere Trumpfkarte sommerliche Dancepartyaktivitäten geben sich die Klinke in die Hand, haben untereinander nicht so viel miteinander zu tun aber Homogenität ist hier auch eine ungefragte Qualität. So ist auch nicht das unübersichtliche Stilgewusel ein Manko dieser Platte, sondern eher der Umstand, dass die einzelnen Songs zu selten kompositorisch auf die Spitze getrieben, zu einer wirklich zwingenden Konklusion geführt werden. Denn bei aller Probierfreude eiern die Stücke dann doch des öfteren etwas zu beliebig vor sich hin.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies