Martins Poptagebuch: 10.04.2018

mit Heads., Wye Oak und Cosmo Sheldrake

Eine wahre Lehrübung in Nihilismus ist das Werk „Collider“ von Heads.. Niemand verbreitet hier Hoffnung oder Zuversicht, am allerwenigsten Frontmann Ed Fraser. Dessen desinteressierter, abgewandter Vortrag am Mikrophon macht frösteln, Emphatie sollte man woanders suchen. Dazu sägen und schaben die Gitarren, die Saiten vom Bass vibrieren sich den Rost runter und das Schlagzeug geht stoisch seinen fatalistischen Weg. Die Stücke lassen aber auch wirklich kein Gran Helligkeit zu, niemals darf sich ein Mitgefühl äußern. Es findet sich ja noch nicht mal Wut in diesen Stücken, deren gleichgültiger Habitus gerade aufgrund seiner emotionalen Leerstellen tief in den Magen trifft. So trostlos war lange kein Rockalbum mehr, das Gegenkonzept zu Leben und gerade deswegen eindringlich.

Die Musik des Duos Wye Oak immer noch als Dream Pop zu bezeichnen, ist eine nicht zulässige Vereinfachung. Klar, auch auf dem neuen Album „The Louder I Call, The Faster It Runs“ gibt es einige Stellen, in die man eintauchen kann und die zum wegdriften einladen. Doch für eine jenseitige Traumlandschaft gibt es einfach zu viel handfestes Zirpen und Fiepen aus den unterschiedlichsten Klangerzeugern. Und mancherorts zickt eine noisy E-Gitarre auch ganz schön rum. Die massiven Synthies in „Symmetry“ künden auch eher von einer Aufgewecktheit, die ganz viel zackige Lebendigkeit in sich trägt. Der satte Groove des Stückes argumentiert auf ähnliche Weise und das hypnotische Schwelgen des Titelstückes ist nur auf den ersten Blick narkotisierend. Denn es funkelt und sprudelt an derart vielen Stellen, dass man zu gesteigerter Aufmerksamkeit förmlich gezwungen ist. Das Besondere an diesem Album ist jedoch, dass trotz der abwechslungsreichen Klangfülle am Ende immer eine popspezifische Klarheit steht, die diesen Stücken ein festes Fundament in all dem Wirbel geben.

Den absoluten Overkill an Wimmelei liefert der grandiose Tausendsassa Cosmo Sheldrake auf seinem mit „The Much Much How How And I“ doch recht kurios titulierten Album. Noch mehr Extravaganz? Ok, so ziemlich jedes Blasinstrument hat sich auf diesem Rummelplatz von Platte eingefunden und egal, ob da jetzt afrikanische, asiatische oder orientalische Folklore angedeutet und aufgegriffen wird, ein feines Liedchen lässt sich daraus immer spinnen. Die Texte dazu sind entsprechend bizarr bis dada aber stören tut das nicht, da man immer wieder spürt, wie aus der Lust an irrwitzig verschieden tönenden Klängen und einem nie zu unterdrückenden Bewegungsdrang voll umarmende Popsongs werden. Dass Sheldrake zwischendurch auch leisere, gemächlichere Töne anschlägt, macht dieses Album zu einer wunderbar ausgewogenen Angelegenheit. Im Geiste winken die Kollegen Andrew Bird und Sufjan Stevens, manches hat auch den Seeräubercharme der Decemberists und ob jetzt gerade eine arabische Rhythmik oder ein fernöstliches Paukengewitter niederkommt, man ist zu Hause auf einem Werk, dass überall zu Hause ist.

 

bis bald

 

euer Martin Makolies