Martins Poptagebuch: 13.04.2018

mit Nonpareils, Makeness und The Magic Gang

Wenn man gut 15 Jahre bei einer Band wie den Liars die Gitarrensaiten bedient hat, hinterlässt das garantiert Spuren. Und so verwundert es nicht, dass Aaron Hemphill als Nonpareils mit der Dekonstruktion von Popmusik einfach weiter macht. Das Album „Scented Pictures“ als sperrig zu bezeichnen, geht als dickes Understatement durch. Man stelle sich das vielleicht so vor: Hemphill hat auf seinem Tisch wunderschönste Melodiefolgen und Harmonien liegen und geht da mal ritsch ratsch mit der großen Schneiderschere drüber. Die entstellten Einzelteile pappt er dann mit einem Sinn für abseitigen Humor zu mönströsen Gebilden zusammen, die ihre Versehrtheit unübersehbar in jeder Sekunde ausschwitzen. Auf dem alptraumhaften Rummelplatz von „Cherry Cola“ will man die lieben Kinderlein nicht wissen, ein gehbehinderter Rhythmus schleppt sich zwischen Melodiefetzen und Krachsplittern hin zu seiner vollen Schrottreife, der Gesang tönt madig vom Galgen herüber und es wird einem gelinde etwas bange. Anderes trägt dagegen eine ungesunde, aufgetakelte Hektik in sich, „Invisible Jets“ überschlägt sich auf seinem Weg zum kariösen Elektropunk. Das macht betroffen, man zwiefelt am heimischen Abspielgerät aber doch, doch, der Hemphill will das so. Überraschen kann einen da eigentlich nur, dass der Titelsong so etwas wie Ruhe findet aber dieses komatöse Schwelgen zwischen Stimmfragmenten und brüchigen Synthiemelodien kann eigentlich auch nicht gesund sein. Also, wenn ihr Lust auf nervenzehrende Vollbeschäftigung habt, könnt ihr euch das mal geben, tut weh.

Deutlich gesünder ist das, was Kyle Molleson als Makeness veranstaltet. Sein Album „Loud Patterns“ ist eine danceflooraffine Veranstaltung, die sich im Grenzgebiet von Techno und Elektro-Pop aufhält. An manchen Stellen findet Molleson Gelegenheit, einen geradezu subversiven Charakter durchscheinen zu lassen, so unterwandern den eigentlich astreinen Dance- und Titeltrack satte Noise-Gitarren. Auch der Abschluss „Motorcycle Idling“ gefällt sich in brachialem Geboller und generell ist diese Platte dann am stärksten, wenn sie selbstvergessen den Beatstrukturen und Klangeinschüben folgt. Weniger gelungen sind die Gesangseinlagen von Molleson, da sein Allerwelts-Falsett die geschmackssicheren Rhythmusausflüge etwas trivial einebnet. Ein Stück wie „Who Am I To Follow Love“ hätte es da nicht gebraucht, hier driftet ein eigentlich hochkonzentriertes Album in eine anschmiegsame Seichtigkeit ab, die sich ein wenig zu bereitwillig dem Massengeschmack um den Hals wirft. Das heißt jedoch nicht, dass man in „Loud Patterns“ phasenweise nicht wunderbar eintauchen könnte, vieles ist hier nämlich gewitzt auf den Punkt gebracht, man höre nur „Day Old Death“, welches nach einer gewissen Aufwärmphase gewaltige Beatpunches fliegen lässt.

Och, schon weezer eine Power Pop-Platte? Ja, aber die hier kann echt was. The Magic Gang aus Brighton gehen in mehreren Schritten vor. Erst mal eine Handvoll sonnenberauschter Gitarrenhymnen lospfeffern, die die Einführung des Spring-Breaks auch in Großbritannien nahe legen, so richtig mit menscheitsumarmenden Riffs voller Herzblut. Und dann wird der Herzschmerz und das Schmachten bedient. Auf „Caroline“ reimt sich tröstend „you´ll be fine“ und der guten „Jasmine“ stellt man das Gleiche in Aussicht, wenn, ja wenn sie nur die Finger von einem lässt. Den Rest der Platte üben sich The Magic Gang durchaus erfolgreich der Vielseitigkeit, rumpeln mit einer beatleesken Version von Country durch die Scheune oder importieren sich ein balladeskes Klavier ins frisch freche Klangbild. Und so lacht das Herz ob so viel Elan und Spielfreude, diese Jungs werden halt nicht müde, ihre herzlichen Lieder einem möglichst großem Publikum anzuempfehlen.

 

bis bald

euer Martin Makolies