Martins Poptagebuch: 10.05.2018

mit Eleanor Friedberger, Minami Deutsch und Horse Feathers

Für jeden Aficionado der nerdigen Schrulligkeiten ist Eleanor Friedberger seit ihrer Zeit bei den Fiery Furnaces eine Säulenheilige. Dieses Duo machte den unwahrscheinlichsten Weirdo-Pop der 00er Jahre und tat sich dabei noch nicht mal weh. Jetzt, ein gutes Jahrzehnt später, ist Friedberger zwar im geschmackvollen Indie-Mainstream angekommen, ein Grund zur Trauer ist das jedoch nicht. Denn „Rebound“, ihr neues Album, zeigt: Friedberger kann Pop! Da weiß man manchmal nicht, ob es sich um Synthies oder Orgel handelt, ob die dissonant auffunkelnde Gitarre dafür von Friedberger eine Erlaubnis bekommen hat, man weiß aber sicher, dass diese Songs unheimlich stilsicher sind. „The Letter“ rekelt sich derat genüsslich auf einem Orgelbett in mondheller Tropennacht, dass man von diesem Stück willenlos umgarnt wird, davon will man nicht mehr weg. „Everything“ erinnert in seiner Aufgewecktheit dezent an Friebergers alte Band, besonders durch das fidele Keyboard-Akkordeon, doch der Unterschied zu früher ist, dass die lang aufgeschossene Lady fest die Zügel in der Hand hält. Und dies führt dann auch dazu, dass der nette Schunkelvibe einer Dampferfahrt in „It´s Hard“ nicht zum alberen Kasperltheater verkommt, sondern seine Aufgewecktheit in einen geschlossenen Song steckt. Denn diese Musik ist elegant, formvollendet und snniert gar nicht selten über Romantik und Liebe. Dabei ist es das große Verdienst der Eleanor Friedberger, dass sie diese Songs locker aber bestimmt durch wunderbar flirrende Soundlandschaften geleitet, mit viel Freude aber auch einer edelen Grandeur.

Jetzt mal ein Blick nach Tokyo, dort krautrocken nämlich die Jungs von Minami Deutsch, übersetzt heißt das Süd-Deutschland. Und besonders viele Kompromisse macht diese Band nicht. Sklavisch wird dem Rhythmus in hypnotischer Repetition gefolgt, es entstehen stoische Schussfahrten wie „Tunnel“ und „I´ve Seen A U.F.O.“ Ersters stürzt mit Scheuklappen in eine finstere Passage, einzelne Gitarrenfragmente blitzen vorbei, doch das Entscheidene ist der scheinbar endlose Weg in die Dunkelheit, durchexerziert mit fast sadistischer Strenge und Disziplin. „I´ve Seen A U.F.O.“ steigt dann, wenn das überhaupt möglich ist, noch tiefer in die Schwärze, treibt sich an verrauchendem Gesang vorbei in eine wild aufheulende Entladung der Lead-Gitarre und bleibt dennoch fest in der Spur dieser nervenaufreibenden Abfahrt. Gut, dass Minami Deutsch auch etwas Auflockerung auf diesem Album zulassen, „Tangled Yarn“ hat die DNA des Americana in sich und „Bitter Moon“ lässt mit seinem folkigen Aufatmen auch mal Blicke nach oben, unten und zur Seite zu. Doch ihre wahre Bestimmung finden die Tokyoter in der unabänderlichen Wiederholung des Grooves, alles andere ist nur besänftigende Spielerei.

Ein ausgewogenes Spiel mit amerikanischen Musiktraditionen treiben Horse Feathers auf ihrem Album „Appreciation“. Da werden Country und Soul ineinander verwoben und ohne das man davon faseln sollte, dass hier weiße und schwarze Musik miteinander verlinkt wird, ergibt dies doch ein reichahaltiges Fundament. Leider ist es aber so, dass sowohl im Gesang von Justinn Ringle als auch in der instrumentalen Ausgestaltung die Traditionen ein wenig zu treu befolgt werden. Es muss halt immer einen Höhepunkt in Form eines mächtigen Refrains geben, die Geigen fideln beherzt oder schmachten in Widescreenformat und auch das Gitarrenspiel folgt allzusehr dem, was schon Jahrzehnte da ist. Dies führt zu einer gewissen Spannungsarmut, anstatt überrascht zu werden, hakt man beim Hören die Trademarks wie auf einer To Do-Liste ab. Der butterweiche Soul von „The Hex“ gefällt natürlich dennoch mit seinem markanten Schlagzeug und der Opener „Without Applause“ fährt mit viel Schwung in die Knochen. Doch ein wenig mehr Innovation und „Appreciation“ hätte erst so richtig geglänzt.

 

bis bald

euer Martin Makolies