Martins Poptagebuch 21.07.2018

mit RVG, Dawes, Valley Queen und The Lavender Flu

RVG- A Quality Of Mercy     Aus Brisbane kommt ein geschmackvoller Rettungsversuch für den gitarrenbefeuerten Indie. Die Romy Vager Group( benannt nach der Frontfrau) hat auch wirklich in der Vergangenheit genau hingehört: britischer Postpunk der 80er, australischer Indierock der Marke Go Betweens und Spurenelemente der Smiths und von The Cure, dieses Album ist ein nostalgisches Stelldichein des Wahren und Guten. Und daran ist auch nicht viel auszusetzen, die Songs haben Herz und Seele, herrlich, wie Romy Vager ihre Außenseiterrolle annimmt und zelebriert. Klare Highlights sind das lakonische „Cause And Effect“ und das von einem romantischen Gitarrenschimmern getragene „Feral Beach“. Dass man von einer Musik, die sich so eindeutig ihren Referenzen verschrieben fühlt, keine großen Innovationen erwarten kann, ist leicht zu verschmerzen, denn „A Quality Of Mercy“ verfügt über ein selbstbewusstes, entschlossenes Songwriting.

Dawes- Passwords     Künstlerische Qualität und Massentauglichkeit zu verbinden, ist eine Aufgabe, die nur noch wenige Bands beherrschen. Dawes aus Kalifornien sind so ein seltener Fall. Dabei machen sie auf ihrem sechsten Album gar nicht mal alles richtig. Da vermasselt der breitbeinige Riff-Rock von „Living In The Future“ mit seinem käsigen Pathos gehörig den Auftakt und auch der Mittelstandsfunk von „Feel The Fire“ wirkt seltsam unengagiert. Doch immer dann, wenn sich die Band um Taylor Goldsmith ihrer Kernkompetenz des Sachten und Zarten besinnt, wird es magisch. „My Greatest Invention“ ist eine romantische Folkballade für die Ewigkeit, „I Can´t Love“ schwelgt in einer angenehmen Zufriedenheit und auch „Crack The Cause“ hat sich die ungHerzenswärme einverleibt, ohne kompositorisch allzu berechenbar zu sein. „Passwords“ ist voller potentieller Lieblingslieder für die ruhigen Momente, eingängig und gleichzeitig wahrhaftig.

Valley Queen- Supergiant     Hätten Jefferson Airplane in den Sechzigern weniger Acid, dafür mehr Milch und gesundes Gemüse zu sich genommen, vielleicht wäre etwas wie „Supergiant“ herausgekommen. Natalie Carol von Valley Queen ist stimmlich ziemlich nah dran an Grace Slick, der Sound ihrer Band erinnert darüber hinaus auch so manches Mal an Rilo Kiley. Am Horizont dieser Musik stehen die großen Metropolen Kaliforniens, das Hier und Jetzt ist aber in einer ruralen Landschaft verortet. Rocksongs, denen jeglicher Neonchic abgeht, verpackt in ein grob gewebtes Holzfällerhemd, welches auch gerne mal ein paar heavy Riffs ausschwitzt. Damit entsteht das Gefühl von Verlässlichkeit und langlebigen Werten, klassischer Laurel Canyon Stil.

The Lavender Flu- Mow The Glass     Um sich einen Begriff von The Lavender Flu zu machen, hier nun folgende Vorstellung: eine zwischen Rage und Langeweile pendelnde Bagage von Punks unterwandert ein gemütliches Hippiehappening und schleust billigen Fusel und harte Drogen ein. Das Ergebnis ist entsprechend chaotisch. Dabei geht die Band aus Portland nicht gerade geduldig vor. Hauptakteur Chris Gunn scheucht jeden Song unter drei Minuten ins Ziel, bis dahin passiert aber allerhand. Oftmals werden ein gefühltes Dutzend Songideen recht unsensibel aneinander getackert, da wird eine delirierende Popmelodie schon mal von einem Punkgrollen zurechtgestutzt, die Gitarren hängen schief in den Angeln und Orientierung bietet oftmals nur der Stoizismus eines semiprofessinellen Schlagzeuges. Natürlich sind die Bekloppten immer gern gesehen und es ist ja auch schön, wenn so vieles unartig aus der Spur geworfen wird, dass diese Platte jedoch ein wenig mehr an Struktur gut vertragen hätte, zeigen die wenigen Songs mit linearer Handlung. „Like A Summer Thursday“ und „Just Like Anything“ überstrahlen in ihrer Geradlinigkeit nämlich einsam das Chaos.