PLANETAKIS „Kompromisse sind nicht drin.“

Die Tatsache, dass ANGELIKA EXPRESS sich getrennt haben, ist schon lange nichts mehr Neues. Dass Robert Drakogiannakis sein damaliges Einmannprojekt PLANETAKIS um eine Person (Jenny Fey von INNER CONFLICT) aufgestockt hat, ist ebenfalls schon eine Weile bekannt. Und nun ist es vollbracht, das Debüt-Album von PLANETAKIS steht mit dem Titel „Beautiful Today“ endlich in den Läden. Wir trafen Robert und Jenny abends in einem Cafe in Köln zum Interview.

Jenny, du spielst ja eigentlich bei INNER CONFLICT… wie waren die Reaktionen, dass du auf einmal „fremdsingst“?

Jenny: Die haben witzigerweise sogar genau diesen Ausdruck „fremdsingen“ benutzt. Das war aber überhaupt kein Problem, ich habe ja eh schon immer mal wieder woanders mitgesungen. Die mögen PLANETAKIS auch alle sehr! Also, kein Problem.

Gibt es denn Konflikte weil ihr mit PLANETAKIS viel professioneller ans Werk geht… Von wegen Album, Promo etc.  – Gibt es da keinen Neid?

Jenny: Nein nein. INNER CONFLICT ist auch ganz anders aufgebaut. Wir kommen aus dem D.I.Y.-Bereich. Buchen uns selber und sind bei einem kleinen D.I.Y.-Label. Und das ist auch bewusst so. Die einzigen Konflikte entstehen beim Buchen der Konzerte aber da sag ich einfach wer zuerst kommt, malt zuerst. Das klappt aber schon ganz gut…

PLANETAKIS ist ja damals als Roberts Nebenprojekt gestartet und ist jetzt seine Hauptband. Wie ist das bei dir Jenny? Oder sind beide Bands gleichberechtigt?

Jenny: Naja, ich würde schon PLANETAKIS als meine „Hauptband“  bezeichnen, denn da ist schließlich das Ziel, davon auch mal leben zu können. Derartige Ziele gab es bei INNER CONFLICT nie.

Robert, wie kam es eigentlich zu diesem krassen Stilbruch? ANGELIKA EXPRESS war ja musikalisch schon etwas anderes…

Robert: Das hat sich bei mir gar nicht so sehr als Stilbruch dargestellt, da ich viele Songskizzen schon für ANGELIKA EXPRESS angedacht hatte. Natürlich wurden die dann ganz anders arrangiert… Anfangs war ich ja alleine PLANETAKIS, Jenny kam je erst später dazu, dadurch hat sich an den Songs ja auch noch so einiges getan.

Du hattest ja PLANETAKIS schon während der ANGELIKA EXPRESS-Zeit – hattest du da schon angedacht ein Album zu machen?

Robert: Ja, eigentlich schon. Im Hinterkopf hatte ich aber eine richtige Elektroplatte. Wo ich mit Kölner Elektromusikern zusammen arbeiten wollte. Ich wollte aber auch selber lernen wie man Elektromusik zu macht. Das war eigentlich nie so mein Ding. Ehrlich gesagt fand ich es sogar etwas unangenehmem… Trotzdem wollte ich es mal versuchen. Tom von KLEE hat mir eines Tages seinen PC verkauft, weil ich diese Art von Musik immer interessanter fand. Als Jenny dann dazu kam, ging es dann so richtig los. Da habe ich auch nicht mehr andere Elektroniker gefragt… Das war auf jeden Fall ein sehr spannender Prozess.

War PLANETAKIS auch ein Grund dafür, dass es ANGELIKA EXPRESS nicht mehr gibt?

Robert: Um es mal ganz platt zu sagen: Wir haben uns einfach auseinander gelebt. PLANETAKIS habe ich schon gemacht um anderen Interessen nachzugehen, aber ich persönlich hätte ANGELIKA EXPRESS auch gerne weiter gemacht. Die Trennung ging auch nicht von mir aus – es kam einfach der Punkt an dem drei Musiker nicht mehr kompatibel waren. Wir wussten nicht mehr so richtig wie es weitergehen soll… natürlich kam es auch zu Reibereien, da man als Band irgendwie ständig aufeinander hängt. Aber der eigentliche Grund war der, dass der musikalische Geschmack auseinander ging. Alex und Jens wollten lieber „ernstere“ Musik machen. ANGELIKA EXPRESS war ihnen zu „teenagermäßig“. Klar, wir waren schon eine gute Laune, nach vorne geh-Band! Wie gesagt, ich hätte die Band gerne weitergemacht rein musikalisch aber wenn der Band-Spirit so ganz weg ist, macht es ja keinen Sinn.

Verfolgst du die Kariere von Jens und Alex bei ihrer neuen Band OVERSCHMIDT?

Robert: Nicht so richtig. Natürlich bekomme ich mit, wenn sie Konzerte spielen. Aber momentan gehen wir einfach verschiedene Wege.

Also es gibt jetzt aber keine Konkurrenzkampf oder so…

Robert: (lacht) Nein! Vielleicht trifft man ja mal in den Charts aufeinander! Dann findet bestimmt ein Wettkampf statt wer weiter vorne steht – aber das glaube ich eigentlich nicht.
Jenny: Dann kämpfen wir um Platz 1 und 2!

In der Kölner Stadtrevue stand, dass ihr ein Paar seid…

Jenny: Dafür hätten wir dem Redakteur auch den Hals umdrehen können! Weil das ja schließlich nichts mit der Musik zu tun hat. Außerdem wollen wir als Band behandelt werden und nicht als Paar oder so… Deshalb erzählen wir auch immer, dass Robert mein Vater ist! (lacht)

Nicht schlecht, erinnert an die WHITE STRIPES.

Robert: Wir finden einfach, dass das in der Außenwahrnehmung nicht so eine Rolle spielen soll. Es kommt auf die Musik an.

Das lassen wir so stehen und wechseln das Thema. Live auf der Bühne seid ihr nur zu zweit. Habt ihr nicht Angst, dass das ggf. ein bisschen dünn klingen könnte? Gibt es Ideen einen dritten dazuzuholen? Oder noch eine Band um euch zu scharen?

Jenny: Also dünn klingt das keinesfalls.  Aber die Frage muss ich trotzdem mit Jein beantworten. Wir haben schon mal darüber nachgedacht noch jemanden dazu zu holen. Aber jetzt keinen Schlagzeuger oder Bassisten oder so – eher einen Elektroniker. Oder einen DJ. So ein Elektroschlagzeug wäre auch cool!
Robert: Wenn man jemanden auf der Bühne hat der zusätzlich noch die Elektronik bedient, kann man auch mal etwas spontaner spielen. So sind wir natürlich immer an die programmierten Beats gebunden… Aber wie Jenny schon gesagt hat, vorstellen können wir uns das. Geplant ist aber nichts.

Einige Konzerte habt ihr ja jetzt schon gespielt. War es sehr ungewöhnt auf einmal nur zu zweit auf der Bühne zu stehen?

Jenny: Nein. Das fällt irgendwie gar nicht auf. Ungewohnt für mich ist es jetzt mit einem Instrument auf der Bühne zu stehen. Das habe ich bei INNER CONFLICT ja nicht.
Robert: Das wir nur zu zweit sind, hindert uns ja nicht am Rocken.

Ihr habt euch hier in Köln im Stereo Wonderland kennen gelernt. Dieser Laden wird mit Sicherheit immer etwas Besonderes für euch sein. Spielt auch da noch Konzerte wenn ihr schon mega berühmt seid?

Jenny: (lacht) Auf jeden Fall! Klar! Im Stereo immer.

Wo habt ihr das Album aufgenommen? Nur zuhause?

Robert: Ja. Wirklich nur zuhause.
Jenny: Schön bis abends 18 -19 Uhr die Platte eingespielt und eingesungen aber dann auch Schluss gemacht um die Nachbarn nicht zu nerven.

Der Sound klingt erstaunlich professionell dafür…

Robert: So schwer ist das gar nicht! Außerdem habe ich damit ja Erfahrungen, das erste ANGELIKA EXPRESS Album habe ich ja ebenfalls zuhause eingespielt und abgemischt. Zumindest einen großen Teil davon. Daher war es für mich kein Neuland. Natürlich stößt man auch immer wieder an gewissen Grenzen… Man schmort sozusagen etwas im eigenen Saft.

Sprich, ein Produzent wäre nicht verkehrt?

Robert: Genau. Wir können uns schon vorstellen beim nächsten Album mit einem Produzenten zusammen zu arbeiten. Oder zumindest mal Leute dazuholen, die das mit anderen Ohren hören und ggf. mal einen Mix anfertigen.
Jenny: Die neuen Sachen, die wir machen, klingen auch schon wieder etwas anders. Da sind wir schon wieder ein Level weiter. Daher wäre es mal sehr interessant so ganz frischen Wind rein zu bekommen.

Seid ihr nach wie vor zufrieden mit dem Album? Oder hättet ihr gerne etwas anders gemacht?

Jenny: Wir hätten sie gerne früher veröffentlicht. Aber so sind wir sehr zufrieden. Als erstes Album steht die für sich.
Robert: Die Platte ist ja schon länger fertig und wir sind schon wieder mit ganz neuen Songs dran…. Komisch, wenn man jetzt auf einmal wieder die „älteren“ Sachen so promotet. Neue Sachen stellen wir momentan ins Netz um zu sehen wie die Laute darauf reagieren. Den Song den wir zu diesem Superstar-Thema gemacht haben, läuft da auch ganz gut und wird häufig runter geladen. Außerdem haben wir noch einen neuen Song zur WM gemacht. „Captain Germany“ heißt dieser.
Jenny: Der wird auf einer CD der TAZ veröffentlicht. Die wollten „neue, junge, deutsche Bands“, die Songs zur WM machen. Da ist uns „Captain Germany“ in den Sinn gekommen. Seine Geschichte haben wir dann zusammen gesponnen und diesen Song gemacht.

Schreibt ihr also die Songs zusammen?

Jenny: Ja, wir sehen uns auch als Songwriter-Duo.

Wie kam es eigentlich zum Deal mit Crafty Recordings? Das Label gehört dem Besitzer vom Stereo Wonderland…

Jenny: Und immer wieder das Stereo!!
Robert: Wir haben da ein Konzert gespielt, das war an dem Abend an dem der Steini da Mitinhaber geworden ist. Da haben wir dann gespielt und danach kamen wir mit ihm ins Gespräch. Er stellte sein Label vor, wir suchten eine Plattenfirma.

Seid ihr mit der Platte bei Labels hausieren gegangen?

Robert: So medium. Das mit Crafty ging dann eigentlich recht fix. Der Steini ist ein fähiger Mann und wir dachten, dass es auch ganz nett sei mit dem Stereo Wonderland-Hintergrund.
Jenny: Das war sozusagen das I-Tüpfelchen.

Mit ANGELIKA EXPRESS wart ihr bei einem Major – würdet ihr mit PLANETAKIS auch zu einem Major gehen?

Robert: In der Tat gibt es da sogar auch schon Gespräche. Das hat natürlich Vor- und Nachteile bei einem Major.
Jenny: Wir würden das nur machen, wenn wir immer das letzte Wort haben dürften. Robert: Ja, denn sonst ist nichts mit „Wir stellen mal einen neuen Songs ins Netzt“ oder so. Das muss dann da über 1000 Ecken gehen… Das letztendliche Entscheidungsrecht sollte da schon bei uns bleiben. In jeglicher Hinsicht. In der künstlerischen ganz besonders. Bei einem Indie-Label sind die Distanzen viel kürzer.

Ihr spracht am Anfang des Interviews an, dass es euer Ziel sei von der Band zu leben. Wie klappt das momentan?

Robert: Naja. Eher schlecht als recht.
Jenny: Natürlich hoffen wir sehr, dass sich daran bald was ändern wird!
Robert: Das Ziel ist klar. Wir wollen und 100% auf die Musik konzentrieren ohne sich mit anderen Sachen noch über Wasser halten zu müssen. PLANETAKIS soll kein Hobby sein. Das wären alles Kompromisse. Und Kompromisse sind nicht drin.

Das ist doch mal ein Wort! Bleibt zu sagen, dass PLANETAKIS ein wunder nettes Pop-Duo aus Köln ist, dem wir eine große Portion erfolg wünschen! Discopunk-Elektropunk aus Köln – Live ein Brett! Da fließt der Schweiß in Strömen… Versprochen. Kommt und schaut!www.planetakis.de