THE COALFIELD : „Ich habe die Macht von Greyskull“

The Coalfield, eine Band die aus dem Hardcorebereich gekommen ist, und mittlerweile doch etwas ruhiger, aber nicht leiser, geworden ist. Kurze Zeit nach einem Konzert in der Heimatdisco des Coalfield-Sängers Marco, hatte ich die Möglichkeit mit ihm über das Leben als Musiker, DJ und privaten Menschen zu sprechen. Das ist dabei herausgekommen.  Viel Spaß beim Lesen!!!

Marco, wenn es ein Thema gibt, über welches du nicht mir sprechen möchtest, welches wäre das?

Marco: Deine MySpace Seite!!! (lacht)

Wie fandest du eure Show gestern Abend?

Marco: Ich finde es immer schwierig selbst einzuschätzen, wie eine Show von uns war. Ich glaube aber, dass wir ganz gut gespielt haben und auch gut abgegangen sind. Vor heimischem Publikum zu spielen ist ja auch immer noch was anderes als irgendwo zu spielen, wo man noch niemanden kennt.
Gestern in Ihrhove (Ostfriesland ) im Limit, wo ich ja auch noch jeden Freitag als DJ arbeite, kannten wir ja auch mindestens 50 Prozent der anwesenden Leute und dann ist bei mir das Lampenfieber meist noch etwas höher als bei anderen Shows, bei denen man niemanden kennt. Man will es seinen Freunden, Freundinnen und Bekannten natürlich immer besonders beweisen, aber ich glaube auch, dass wir das komischerweise irgendwie immer wieder schaffen.

Im Vorprogramm sind zwei lokale Emobands aufgetreten, wie wichtig ist es dir/euch mit Bands aufzutreten, deren Musik ihr schätzt? Oder geht es einfach nur darum eine gute Anheizerband zu finden?

Marco: Mit welchen Bands wir spielen, bzw. welches unsere Vorbands sind entscheiden wir ja eigentlich nie selbst. Das wird vom Veranstalter, bzw. von der Bookingfirma gemacht, die dieses Konzert oder die Tour gerade organisieren. Samstag zum Beispiel hatte der Veranstalter des Kalschniklubs im Limit die Bands „klargemacht“. In der Position selber zu entscheiden welche Band wir mitnehmen, bzw. wer bei diesem oder jenem Konzert unsere Vorband ist, sind wir leider noch nicht.
Wir warten selber noch darauf von einer größeren Band als Supportakt für eine Tour mitgenommen zu werden, bzw. sind froh, wenn überhaupt ein Veranstalter eine Show für oder mit uns macht. Wenn wir das allerdings mal entscheiden dürften, wäre es auf jeden Fall wichtig eine Band mitzunehmen die wir alle mögen und zwar vom musikalischen, aber stärker noch vom menschlichen Aspekt gesehen, denn dann macht´s natürlich jeden Abend viel mehr Spaß, als wenn man Tag für Tag, Abend für Abend eine Band sehen und hören zu müssen, die man schrecklich findet.
In naher Zukunft wäre es aber wie gesagt erstmal sehr wichtig für uns als Supportakt mitgenommen zu werden, um selbst erst einmal die Möglichkeit zu haben vor größerem Publikum zu spielen und uns einer größeren und breiteren Masse zu präsentieren.

Als ihr angefangen habt Musik zu machen, wie habt ihr euch die Sache ganz am Anfang vorgestellt: wolltet ihr einfach nur eine Band sein, oder saht ihr darin auch die Option, berühmt zu werden?  

Marco: Ach Quatsch! Wer fängt denn aufm Dorf schon an Musik zu machen um berühmt zu werden. Wir wollten am Anfang einfach nur eine Band sein die sich trifft um die Langeweile in der Einöde Ostfrieslands zu überwinden, zu proben, Songs zu schreiben und miteinander Spaß zu haben.
Dass sich das dann alles so weiterentwickelt mit Plattenverträgen, Touren in fast ganz Europa, unter anderem in Deutschland, England, Spanien, Luxemburg, Österreich, Holland und Belgien Studioaufenthalt in Spanien, Reviews, Interviews usw. ,  konnten wir damals ja nicht ahnen.
Nicht einmal heutzutage würde ich sagen, dass wir die Option haben berühmt zu werden. Dazu gehört eben manchmal auch mehr als die Band selber, zum Beispiel eine Riesenportion Glück und sehr viel Unterstützung durch Vitamin B, Label, Zeitschriften, Promo, Supporttour mit einer größeren Band, Festivals, danach Headlinertour, usw. und natürlich die Fans.
Wir haben aber immer noch und weiterhin Spaß miteinander Musik zu machen und wenn wir irgendwann dann vielleicht mal das Glück haben etwas berühmter zu werden, dann wäre das natürlich auch eine kleine Belohnung für alles was wir in den vergangenen 7-8 Jahren in diese Band investiert haben.

Wo wir gerade von berühmt werden reden, wenn sich euch die Möglichkeit bieten würde an einer großen Castingsendung als Band teilzunehmen, würdet ihr es machen? Wie stehst du generell zu Bands, die auf diese Weise ihre Karriere starten?

Marco: Ich persönlich finde es eigentlich immer besser wenn eine Band sich über Jahre hinweg zu einer größeren Band entwickelt, wie in Deutschland z.B. bei den Beatsteaks, Tomte, Robocop Kraus oder jetzt bei Pale, deren neue Platte ja im Herbst auf Grand Hotel van Cleef erscheinen wird und die sicherlich auch durch die Decke gehen wird. Das sind halt Bands die sich über Jahre hinweg weiterentwickelt haben, am Anfang auch nicht besonders viel Aufmerksamkeit bekamen, und dennoch immer weiter gemacht haben, sich quasi den Arsch wund gespielt haben, und sich so eine immer größer werdende Fanbase erspielt haben. Solche Bands haben es dann auch mal verdient „on top“ zu sein, im Gegensatz zu Bands wie Tokio Hotel oder so. Man muss halt an sich glauben, immer weitermachen oder sich verkaufen, um dann vielleicht mal irgendwann ein Stück weiter oben auf der Leiter zu stehen.

Ich gehe mal davon aus, dass die Band nicht euer einziger Job ist, was macht ihr im normalen Leben abseits der Bühne?  

Marco: Neben der Band sind wir alle Studenten oder Azubis und jobben nebenher noch  ich zum Beispiel als DJ, Holger arbeitet in einer Videothek, und Kloko in einer Tanke.
Geld verdienen können wir mit unserer Musik beim besten Willen leider noch nicht. Wenn es bei uns in der Band um Geld geht, dann eher darum, wie wir das Minus, was wir in der Bandkasse haben, wieder ausgleichen können. Meistens bleibt da dann nur eine Lösung die eigenen Portemonnaies,  wie bei unserer letzten Tour durch Deutschland/Österreich, auf der wir ein dickes Minus von ca. 2000 Euro in der Bandkasse erwirtschafteten haben,  -Bulli, Anhängermiete, Benzin, Essen und  Trinken- aus eigener Tasche wieder auszugleichen. Hoffen wir mal, dass es beim nächsten Mal finanziell wieder besser für uns läuft, und wir unser Geld auch mal wiederbekommen können und vielleicht auch irgendwann einmal unsere Miete davon zahlen können. Das wäre schon schön!

Wie lässt es sich generell vereinbaren immer auf Tour zu sein und dennoch zu arbeiten oder zu studieren? Klingt für mich nach einer Menge Stress!

Marco: Ist es auch! Es ist bei uns eigentlich immer stressig, aber das gehört wohl irgendwie zu The Coalfield. Wir wohnen ja auch längst nicht mehr alle in der gleichen Gegend. Christian und ich in Bremen, Kloko in Köln, Holger und Marc in Aurich, Dennis in Moormerland, da wird es dann noch schwieriger Dinge vernünftig zu organisieren. Wer hat wann Zeit? Wann können wir auf Tour gehen. Wann sind Semesterferien? Wann proben wir? Wer muss arbeiten? Wie bezahlen wir unsere Miete wenn wir auf Tour gehen? Wer organisiert dieses und jenes?
Obwohl ich dazu auch sagen muss, dass das bei uns dann alles nie in Stress untereinander ausartet natürlich wird auch mal gestritten bis die Fetzen fliegen, aber meist ist der Streit vergessen, sobald der Proberaum wieder verlassen wird, sondern dass uns das alles über die Jahre hinweg gesehen als Band und als Freunde immer weiter und enger zusammengeschweißt und nach vorne gebracht hat. Wir haben halt miteinander schon eine Menge Scheiße durchgemacht, aber auch eine Menge Spaß zusammen gehabt. Beides möchte ich nicht missen, obwohl es schon extrem viel Scheiße war, durch die wir bis jetzt gegangen sind, das könnte jetzt vielleicht mal aufhören. Bulli, Auto-Unfälle inklusive Überholtwerden von hinteren Reifen auf der Autobahn, Schlägereien auf der Bühne mit irgendwelchen bekoksten Stagehands in Wien, kaputte Instrumente, Stimmbandentzündungen in Spanien,  Krankenhausaufenthalte in England, Stress mit anderen Bands und Veranstaltern, keine Gage, kein Catering und Schlafplätze,  mitten in der Nacht kein Benzin mehr auf der Autobahn in Frankreich, Kassendeal und keine zahlenden Gäste, also auch keine Gage, bzw. 13,75 € in Berlin… und viele Beispiele mehr.

Wenn ihr heute Aufzeichnungen von eueren Bühnenauftritten seht, gibt es da Momente, die euch richtig peinlich sind?

Marco: Bestimmt. Aber so oft schau ich mir keine alten Aufzeichnungen unserer Shows an. Wir haben uns ja auch nicht nur musikalisch, sondern auch vom Verhalten auf der Bühne von Show zu Show, Jahr zu Jahr immer weiterentwickelt und viele Erfahrungen auf irgendwelchen Bühnen gesammelt, so dass wir natürlich heute eine ganz andere Live-Band sind als beispielsweise noch vor 3 Jahren. Ich hoffe und denke diese Weiter-Entwicklung geht in den nächsten Monaten und Jahren noch weiter; sie ist jedenfalls von unserer Seite aus noch nicht abgeschlossen. Wir wollen halt nie irgendwo stehen bleiben und gehen unseren Weg immer weiter…