ATREYU: „Geld hält dieses Business halt am Leben“

(14.09.2006, Köln, Live Music Hall) ATREYU sind eine der Speerspitzen des Metalcore. Mit ihren bisherigen Alben „Suicide Notes and Butterfly Kisses“ (2002), „The Curse“ (2004) und „A Death-Grip on Yesterday“ (2006) erspielte sich die Band eine weltweite Fanschar. Einstiege in die US-Charts folgten prompt. ATREYU avancierten binnen weniger Jahre zu einer der einflussreichsten Bands des Genres und waren das Aushängeschild von VICTORY RECORDS.

Von Album zu Album ist der Erfolg stetig gewaschen. Habt ihr je daran gedacht, dass es so laufen könnte?

TRAVIS: Nein. Als wir anfingen, Musik zu machen, dachten wie niemals daran, uns so zu entwickeln. Unser Plan war es damals, nur einige Demos zu machen und es den Leuten in die Hand zu drücken, die drauf Bock haben. Dann einige Shows zu spielen, um anschließend wieder zur Schule zu gehen und einen ordentlichen Beruf zu erlernen. Doch schließlich kam es anders, und wir wuchsen mit der Zeit.

Interessant, dass du von einem Plan sprichst.

TRAVIS: Ja gut, nicht wirklich einen Plan. Aber man steckt halt in bestimmten Entwicklungen nicht drin. Wir sind jetzt schon mehrmals in Europa auf Tournee gewesen, spielen in Japan und überall sonst auf der Welt. Von der eigentlichen Vorstellung, nur ein paar Shows in Kaliforniern zu spielen, liegen da Welten zwischen.

Wie beurteilst du eure Entwicklung?

TRAVIS: Ich denke, dass wir eine gute Entwicklung gemacht haben und immer noch machen. Wir sind eine Band, die offen ist für Entwicklungen, was man auch sein muss. Wir wollen uns nicht wiederholen und immer dasselbe machen. Deshalb ändert sich auch von Album zu Album der Sound etwas. Schließlich wächst man mit der Zeit auch als Musiker, und der Anspruch wird ein anderer. Für uns ist es wichtig, dass man diesen Unterschied zu spüren bekommt. Es wäre fatal, wenn wir zehn Alben machen würden, die alle gleich klingen würden.

Wie ist das Verhältnis untereinander in der Band? Seit ihr alle gut befreundet oder ist es einfach nur ein Job in dieser Band zu sein?

TRAVIS: Wenn man in einer Band wie Atreyu spielt, muss man miteinander befreundet sein, sonst funktioniert es nicht. Es ist bei uns fast schon familiär, wie wir miteinander umgehen.

Aber in jeder Familie kommt es auch mal zum Krach. Habt ihr euch schon mal Band intern gekloppt?

TRAVIS: Nein, bis jetzt kam es noch zu keinem handfesten Streit. Wenn wir uns streiten, dann nur verbal, und die Sache ist dann auch innerhalb von zehn Minuten vom Tisch. Man entschuldigt sich, umarmt sich wieder und hat sich wieder lieb.

Du hast eben gesagt, dass ihr euch mit den Alben nicht wiederholen möchtet. Viele sagen aber auch, dass ihr von Album zu Album softer werdet.

TRAVIS: Ich weiß nicht, ob man das so stehen lassen kann. Genau so viele Leute sagen, dass es härter geworden ist. Ich denke, dass es viele und unterschiedliche Auffassungen unseres Sounds gibt, was wiederum cool ist. Wir machen uns keine Gedanken darüber, ob etwas jetzt softer oder härter klingen muss. Es ist einfach das Resultat unserer Arbeit, die nicht explizit vorausbestimmt ist. Die Leute mögen es, und es ist cool. Für die, die was dran zu meckern haben…naja, da können wir jetzt auch nichts dran machen. (lacht)

Es gibt Leute, die nicht so begeistert von „A Deathgrip On Yesterday“ sind und fragen: „Wo ist das Feuer? Wo ist die Leidenschaft?“ Kannst du ihnen die Antwort geben?

TRAVIS: Ich müsste ihn fragen, was für ihn Musik bedeutet. Daraus müsste ich schließen können, wir er denkt und kann ihm die Antwort geben. Jeder kann und sollte sich die Meinung machen, die er für richtig hält. Musik ist Geschmacksache, und über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten.

Warum gibt es „Her Portrait In Black“ nur auf dem Soundtrack zu „Underworld: Evolution“

TRAVIS: Wir hatten den Song schon ziemlich früh fertig und hatten über den Soundtrack die Möglichkeit, ihn zu veröffentlichen. Wir hatten halt einen Deal mit der Filmproduktionsfirma und hatten auch die Möglichkeit, von „Her Portrait In Black“ ein Video zu drehen. Es ist ein super Song und einer meiner persönlichen Favoriten, die wir bis jetzt geschrieben haben. Naja…anhand des Vertrags mit der Produktionsfirma ist der Songs halt exklusiv für den Soundtrack gewesen.

Magst du die „Underworld“-Filme?

TRAVIS: Ja, die sind echt cool. Wobei ich den zweiten Film deutlich besser finde als den ersten. Die Filme sind eine nette Unterhaltung.

Ihr habt ein Faible für Vampire, oder?

TRAVIS: Nicht wirklich. Es gibt viele, die der Meinung sind…

Vor allem wegen dem Cover von „The Curse“.

TRAVIS: Ganz genau. Aber wir sind weit davon entfernt, uns ein Gothic-Image auf die Nase binden zu lassen. Es kam vor, dass uns einige plötzlich als solche bezeichnet wollten, wobei wir doch ganz normale Typen in T-Shirt und Jeans sind. (lacht) Und das Cover zu „A Deathgrip On Yesterday“ sieht ja auch anders aus.

Wo habt ihr eure Inspirationen her genommen für „A Deathgrip On Yesterday“?

TRAVIS: Musikalisch oder Textlich?

Nehmen wir beides.

TRAVIS: Textlich kann ich ja nicht viel sagen, da es Alex’ Job ist, sich darüber Gedanken zu machen. Er schreibt sehr gut und spiegelt seine Gedankenwelt wider.

Magst du seine Texte?

TRAVIS: Ja. Es ist sein Job in der Band, die Texte zu schreiben. Ich hab daran nichts auszusetzen und würde es auch niemals tun. Genauso ist es mein Job, Gitarre zu spielen. Jeder macht seine Aufgaben und bringt seine Ideen mit ein. Und wenn es mal zu Unstimmigkeiten unter uns Musikern kommt, wird es eben ausdiskutiert. Aber Alex hat freie Wahl bei seinen Texten. Musikalisch gab es keine großen neueren Inspirationen. Ich denke, dass der Sound einfach eine Weiterentwicklung dessen ist, was wir bis jetzt immer gemacht haben. Auf der einen Seite haben wir das härteste geschrieben, was wir bis jetzt veröffentlich haben. Auf der anderen aber auch…ich will nicht sagen Pop…aber halt weiche und melodische Klänge mit eingebunden.

Ihr seid auf VICTORY Records. Einem Label, das momentan hier vor allem durch seinen öffentlichen Streit mit Hawthorne Heights in der Presse steht. Wie siehst du diesen Streit?

TRAVIS: Egal, ob man bei einem Major oder einem kleinen Indie ist, es gibt immer Schwierigkeiten. Ich kenne keine Band, bei der es mal nicht zu Problemen mit ihrem Label gab. Und wenn es eine Band geben sollte, die keine Probleme mit ihrem Label hat, dann muss da was nicht stimmen. Es ist das Musikbusiness, und hier geht es um viel Geld. Jeder möchte Geld verdienen und nicht Pleite gehen, was selbstverständlich ist. Geld hält dieses Business halt am Leben, und jetzt kann man so oder so argumentieren. Es geht nicht ohne.

Und diesen Streit in der Öffentlichkeit auszutragen?

TRAVIS: Naja, wenn sie unbedingt diesen Weg gehen wollten. Es lag ja an ihnen, soviel ich weiß.

Wie viele Alben müsst ihr noch bei VICTORY rausbringen laut Vertrag?

TRAVIS: Keins mehr! Wir hatten einen Vertrag über drei Alben, den wir auch erfüllt haben.

Oh, das heißt, ihr habt schon ein neues Label?

TRAVIS: Ja. Hollywood Records. Der Grund für dieses Label war, dass wir dort die einzige Band sind, die solch einen Sound machen. Das vereinfacht unsere Position halt.

Hollywood Records…das gehört zu Universal.

TRAVIS: Kann gut sein. Lass mal überlegen. Bin mir nicht sicher…es ist auf alle Fälle ein Sublabel. Naja…hoffen wir das Beste. Der bisherige Eindruck war super, und wenn es nicht so laufen sollte, wie wir es uns vorstellen, dann sollte es eben nicht sein. (lacht)

Info: www.atreyurock.com