P:LOT: Geld macht grundsätzlich nicht glücklich

Das Kölner Trio P:LOT startet nach einer kleinen Verschnaufpause Ende 2008 jetzt in 2009 wieder voll durch.Mit der Videopremiere der neuen Single „Mein Name Ist“ geht es dabei gleich los. Ein sehenswertes Video, ein cooler Song und eine Band, die für ihre Musik lebt.

Ab dem 23. Januar kann man die neue Single „Mein Name Ist“ beim Händler seines Vertrauens erwerben. Aber das ist noch nicht alles. Am 13. Februar werden P:LOT beim Stefan Raab’s „Bundesvison Song Contest 2009“ (BUVISOCO) die Farben des Saarlandes gebührend vertreten – natürlich mit der neuen Single „Mein Name Ist“. Vorgestellt wird P:LOT am 22. Januar bei TV Total. Oder hier und jetzt bei uns: Die Band gibt sich kämpferisch. Wir drücken die Daumen. Vorab ein Email Interview mit P:LOT.

Vier Jahre liegen zwischen eurem Debüt und „Mein Name ist“. Eine lange Zeit im Musikbusiness. Wie komm’s?

P:lot: Wir haben nach den vielen Tour zu „Debut“ gemerkt, dass wir künstlerisch nicht erreicht hatten, was wir uns vorgenommen hatten. Wir waren nicht ausreichend nah an uns und unsere Ideen heran gekommen – was sicherlich niemand „schuld“ war oder ist. Das lag einfach an uns. Wir haben überlegt was zu tun ist, und uns entschlossen, erstmal aufzunehmen. Wir haben ein Studio eingerichtet, uns mit technischen Fragen beschäftigt und einfach Musik gemacht. Wir haben jeglichen Druck oder zeitliche Einschränkung links liegen lassen.

Euer Debüt erschien damals auf Wöllis „Goldene Zeiten“. Könnt ihr mal den Weg beschreiben, warum ihr jetzt eigenhändig via Artist Station ein eigenes Label gegründet habt, die Platte darüber veröffentlicht und wie sich das alles entwickelt hat?

P:lot: Wir stellten nach einiger Zeit fest, dass unsere Aufnahmen mehr waren als „Demos“. Wir konnten uns nicht vorstellen, die Songs noch ein weiteres Mal „richtig „ aufzunehmen. Wir wollten einfach so lange arbeiten, bis wir das Gefühl hatten „fertig“ zu sein. Das ist im Rahmen einer traditionellen Plattenfirmenproduktion nur schwer möglich und hat dann natürlich schnell etwas mit Geld zu tun. Man kann auch von keinem Partner erwarten, dass er alles zu schlucken hat. Wir haben also erstmal ohne VÖ Pläne oder Deal gearbeitet. Wir haben dann sehr gute Erfahrungen damit gemacht, auf uns allein gestellt zu sein. Wir sind unserer Musik sehr viel näher gekommen – und nach und nach haben wir diese Haltung in alle Bereiche getragen. Heute haben wir alle Fäden in der Hand, aber natürlich das komplette Risiko selbst auf den Schultern. Das ist nicht leicht, macht aber Spaß. Es ist wichtig, seine Ideen umzusetzen, es ist auch wichtig, dafür etwas in Kauf zu nehmen. Mit Artist Station haben wir eine Vertriebs Kooperation. Das Label haben wir davon unabhängig gegründet. Trotzdem kann ich Martin und sein Team nur empfehlen – auch als Label Partner.

Ihr seit damals als Support von Silbermond getourt. Inwieweit hat dies für euch als Band einen Schub gebracht, von dem ihr heute noch profitiert?

P:lot: Wir haben auf der Tour viel gelernt: Disziplin, Publikumsverständnis, so eine Bühnenshow hat ja auch etwas mit Kommunikation zu tun – und es hat gezeigt, das es immer und überall Leute gibt, die mit Leidenschaft dabei sind. Die sind zum guten Schluß die Motoren, die diesen ganzen deutschen Musik Zirkus überhaupt laufen lassen. Xavier Naidoo, Silbermond, Rammstein – eine ungleiche Reihe und doch sind sie alle überzeugte Künstler, die an das was sie machen ihre ganze Kraft und Zeit vergeben. Solche Leute sind rar, umso besser, dass sie da sind.

Zitat: Autos wurden verkauft, ein Kredit aufgenommen, preiswertere Wohnungen bezogen und der Proberaum zum Mittelpunkt des Lebens erkoren. Trägt ihr somit das komplette Risiko? Kann man da noch ruhig schlafen?

P:lot: Ja. Nein.

An euch hat es sicherlich nicht gelegen, dass die Niels Ruf Show auf Sat 1 schlechte Quoten hat. Wie seid ihr daran gekommen, einige Male dort aufzutreten? Vor allem, da ihr laut eigener Homepage kein Management mehr habt…

P:lot: Wir haben kein Management, aber trotzdem ein familiäres Team von Leuten um uns – unter anderem auch Dani und Matthias – unsere TV Eltern;-) Im Team von Niels gab es Fans von uns, die uns anfragten. Mattes schlug dann vor, die Sommerpause der Hausband zu füllen – das haben wir gemacht. Niels ist ein guter Typ, ich bin gespannt auf seine nächsten Schritte.

Könnt ihr kurz beschreiben, was hinter dem Titel „Meine Name ist“ steckt?

P:lot: Wir, unsere Musik, die Platte. Du…das Leben, mein Frühstückstoast. Mein Name Ist stellt unsere Idee vor – und alles was Du darin erkennst.

Inwiefern wollt ihr euch mit dem neuen Album künstlerisch klarer positionieren und vor allem wo?

P:lot: Wir sind in keiner Schublade zu Hause – ich selbst habe solche Schubladen auch für andere Bands, nicht. Wir sind rein faktisch eine indie oder besser „alternative“ Band. Wir machen Rock bzw. Pop Musik. Wir sind nicht lustig, aber wir sind unterhaltsam – und zwar durch Inhalt. Nicht immer einfach zu präsentieren. Die Klickintervalle sind zu schnell;-)

Wo findet der Hörer von „Mein Name ist“ die Authenzität und Ehrlichkeit von P:lot

P:lot: In der fertigen Arbeit. Wir haben unsere Hausaufgaben einfach zu Ende gemacht. Auch das hat mit Geschmack nichts zu tun, sondern Leidenschaft. Die haben wir. Die ist echt und ich finde, das hört man auch. Heute würde ich sicherlich den ein oder anderen Song anders aufnehmen. Aber „besser“ könnte ich es nicht. Mehr ging zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht, und das trifft auf jeden unserer Songs zu – „alles geben“ wird oft verwechselt mit „das Nötigste tun“. Das ist bei uns nicht so.

Eure Texte werden bezeichnet als traurig, zweifelhaft und einer Spur Selbstmitleid. Seid ihr Pessimisten? Wo kommen eure Ideen zu den Texten?

P:lot: Ich finde unsere Texte nicht pessimistisch. Ganz im Gegenteil finde ich, dass sie, vor allem in der Gesamtheit des Albums, immer ein Licht am Ende des Tunnels zeigen und ganz im Gegenteil Probleme nicht betrauern sondern lösen. Man muß die Platte ganz hören, viele Stücke erklären sich eben tatsächlich erst mit dem letzten Wort. Siehe „Besser Als Das Glück“. Auch eine Entwicklung der es zu widerstehen gilt – immer alles in den ersten drei Tönen und Worten haben zu wollen. Rein technisch passt da dann auch nicht all zu viel Inhalt rein. Da wären wir dann wieder bei der Klickfrequenz;-)

Wenn man sich eure Songs anschaut. Da könnte man meinen, dass zwischen „Nur einen Weg“ und „Zeit zu leben“ ein Zusammenhang bestehen muss. Wenn ja, könnt ihr ihn erläutern?

P:lot: Zwischen allen Songs gibt es diesen Zusammenhang, nämlich uns. Wir haben sehr mit uns und unserer Arbeit gekämpft, das hört man eben auch. Konsequent sein, nach vorne schauen. Seine Sache existent machen. Das ist wirklich erfüllend und hat mit Geld wenig zu tun. Ich habe letztens noch gelesen, dass das „unbeschwerte“ Leben mit einem Einkommen von 2500 EURO uneingeschränkt gewährleistet sei, will heißen: Mehr Geld macht nicht glücklich. Und ich sage jetzt einfach mal, Geld macht grundsätzlich nicht glücklich. Ich sammel regelmässig das letzte Kleingeld aus den Ecken, um einen „letzten“ Döner zu kaufen. Und bin trotzdem zufrieden…was man aus seiner Zeit macht ist entscheidend.

Kann man gut damit leben, wenn man als eine Mischung aus Vigrina Jetzt! und Selig bezeichnet wird?

P:lot: Beide Bands kenne ich nicht gut – musikalisch und menschlich nicht. Ich habe also keine Gefühle…

Schwer oder unmöglich: anspruchsvolle Musik und kommerzieller Erfolg (abgesehen, man heißt Grönemeyer)

P:lot: Möglich! Aber dazu gehört eben auch eine Haltung, die eine längere Halbwertszeit als zwei Jahre hat. Grönemeyers Alben bis Bochum waren Flopps, sein erstes Album erhielt sogar die „goldene Zitrone“ für das hässlichste Cover…nach vier Flopp-Alben wurde er „gedroppt“. Sieh Dir an, wo er heute steht. Damals gab es übrigens noch kein Internet für „Selbstmacher“. Der hat gekämpft.

Info: WWW.PILOTMUSIK.DE

(Markus Tils)