KYLESA: Dem Ganzen mehr Kraft

Die neue KYLESA Scheibe Static Tensions ist ein Killeralbum geworden. Der Sound der Band hat sich definitiv seit der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums im Jahr 2001 weiterentwickelt. Vier Hammeralben in Folge zu veröffentlichen ist eher eine Ausnahme, daher zweifle ich ein wenig daran, ob KYLESA überhaupt wirklich Menschen sind, oder eher ein paar Musiker mit übernatürlichen Fähigkeiten. Im Interview beweist Gitarristin und Sängerin Laura Pleasants aber mehr als eindeutig, dass es sich zumindest bei ihr um einen Menschen aus Fleisch und Blut handelt, denn aus ihren Antworten lässt sich deutlich ablesen, wie sehr sie mit dem Herzen bei der Sache ist und wie viel die Band ihr bedeutet.

Laura, kannst du den Smash Mag Lesern erzählen, wie alles mit KYLESA begann?

LAURA: Klar. KYLESA wurden in den letzten Monaten des Jahres 2000 von mir und Phillip, zusammen mit Brian Duke und Christina Depken gegründet. Die Jungs waren vorher bei DAMAD und Freunde von mir, insbesondere Phillip und Brian. Phillip und ich jammten bereits seit etwa sechs Monaten mit einem anderen Schlagzeuger aus der Stadt. DAMAD lösten sich auf und Phillip fragte, ob ich eine Band mit ihm gründe. Wir hatten im Laufe der Jahre verschiedene Wechsel im Line Up. Phillip und ich sind die einzigen, die von Anfang an dabei sind.

KYLESA sind aus Savannah, Georgia. Kannst Du uns etwas über die Musik- und Kunstszene dort erzählen?

LAURA: Entgegen dem was die Leute oft denken, gibt es hier keine wirkliche Musikszene. Es ist eine sehr kleine Universitäts- und Touristenstadt. Es gibt einige gute Bands hier, aber keine richtige Szene. In Savannah existiert mit der Universität für Kunst und Design eine sehr prestigeträchtige Kunstschule, die eine Menge Künstler und Designer anlockt. Sie ist auch der Grund warum ich in den späten Neunzigern nach Savannah kam. Es ist eine wunderschöne Stadt mit dem größten historischen Bezirk in den Vereinigten Staaten.

Wie würdest du den Sound von KYLESA beschreiben?

LAURA: Ich denke, wir sind eine Mischung aus Emotion und schweren, manchmal psychedelischen Sounds. Ich glaube nicht, dass es ein Wort gibt das uns beschreibt. Wir nehmen Einflüsse aus verschiedenen Genres und Ideen. Wir klingen einfach wie KYLESA.

Wie unterscheidet sich Static Tensions von den vorherigen Alben?

LAURA: Ich denke, es ist fokussierter und raffinierter. Es fließt besser im Ganzen, behält aber weiterhin die Energie, die wir auf unserem letzten Album „Time Will Fuse Ist Worth“ eingefangen haben. Wir haben einfach alle Ideen und Experimente der Vergangenheit genommen und sie verfeinert.

Was sind eure Haupteinflüsse?

LAURA: Da gibt es viele! Aber ich denke einige der größten Einflüsse sind NEUROSIS, KYUSS, FUGAZI, frühe PINK FLOYD, BLACK SABBATH.

Die US Tour mit MASTODON startet im April. Ist es das erste Mal, dass ihr mit ihnen tourt und seid ihr je erschöpft vom Touren?

LAURA: Es wird das erste Mal sein, dass wir mit ihnen touren, obwohl wir sie bereits seit vielen Jahren kennen. Das Touren kann sehr anstrengend sein, aber gleichzeitig ist es etwas, dass ich liebe.

Seit der dritten Platte „Time Will Fuse Its Worth“ spielt ihr mit zwei Schlagzeugern. Wer hatte die Idee und wie funktioniert das?

LAURA: Unsere eigentlich Idee damals, als wir Kylesa gründeten war es, zwei Schlagzeuger zu haben. Phillip hatte zu der Zeit seine Band DAMAD, aber er jammte auch mit mir und einem anderen Schlagzeuger. Als DAMAD beschlossen sich aufzulösen und er mich bat, mich mit ihm und einiger seiner alten Bandkollegen zusammenzuschließen, hatte er die Idee mit beiden Schlagzeugern zu jammen, so dass wir wirklich an und über die Grenzen harter Musik gehen könnten. Wir sprachen mit allen darüber und es war eine aufregende Idee, aber einer der Schlagzeuger entschied, dass er bei solch einem Unternehmen nicht mitmachen wollte und so machten wir einfach mit nur einem Schlagzeuger weiter. Erst 2006 bekamen wir die Gelegenheit dazu mit zwei Schlagzeugern zu arbeiten. Unser Schlagzeuger von „To Walk A Middle Course“ hatte gerade hingeschmissen und wir jammten mit einem Freund aus der Stadt, während wir verschiedene Schlagzeuger ausprobierten. Carl, der in der Band UNPERSONS aus Savannah spielte, jammte in seiner Freizeit mit uns, ging aber noch zur Schule und war irgendwie immer noch aktiv mit UNPERSONS. Obwohl wir Carl gern in der Band haben wollten, war er immer noch unsicher bei KYLESA einzusteigen und arbeitet auch noch an seinem College Abschluss. Wir fingen an, Leute auszuprobieren und Jeff Porter aus Detroit schien ein guter Kandidat zu sein. Zu dieser Zeit dachten wir, dass Carl vielleicht ein paar Percussions und Samples machen und mit uns touren könnte, wenn es zeitlich bei ihm passt. Wie auch immer, eines Tages als Jeff in der Stadt war, hatten wir sowohl zwei komplette Drum Kits als auch Carl und Jeff in unserem Proberaum, um gemeinsam zu jammen. Wir spielten etwa eine Stunde mit beiden zusammen. Es klang ganz cool, also haben wir es mal damit probiert, weil wir uns dachten, es könnte vielleicht ein ziemlicher Hammer werden. Carl entschied sich zu der Zeit, dass er doch in der Band sein wollte, da UNPERSONS sich gerade auflösten und er nur noch ein paar Monate von seinem Abschluss entfernt war. So passte alles irgendwie zusammen. Jeff verbrachte etwa ein Jahr mit uns, bevor er wieder zurück nach Detroit zog und 2008 schloss Eric Hernandez sich uns an. Anders, als einen völlig Fremden zum Jammen oder Spielen zu uns einzuladen, wurde uns Eric von Freunden sehr empfohlen. Er war genau auf unserer Wellenlänge und die Chemie zwischen ihm und uns stimmte sofort. Er und Carl harmonieren extrem gut zusammen. Eric in unserer Gruppe zu haben, gab uns das Gefühl wieder eine Band zu sein. Ich finde es großartig zwei Schlagzeuger zu haben. Wir haben immer versucht, die Regeln zu brechen und bis an die Grenzen zu gehen. Zwei Schlagzeuger zu haben erlaubt uns mehr Experimente und verleiht dem Ganzen mehr Kraft. Da ist soviel, das gemacht werden kann und ich denke, dass wir immer noch jede Menge Möglichkeiten zum Wachsen haben. Ohne Zweifel, wir fühlten uns bei „Static Tensions“ wohler mit dem Zwei-Schlagzeuger-Ding. Carl, der seit 2006 bei uns ist, hatte eine viel bessere Vorstellung davon, als er die ersten Beats für das Album geschrieben hat, so dass es mehr Raum für Kreatives gab, das aus seinem Geschriebenen noch entstehen konnte. Und auch Phillip und ich hatten eine bessere Vorstellung davon, wie wir Songs schreiben könnten, die mit zwei Schlagzeugen funktionieren. Ich schrieb Riffs speziell auf das doppelte Schlagzeug abgestimmt und es hat wirklich funktioniert. Ich würde also sagen, dass es wirklich gut klappt.

John Baizley, Frontmann von BARONESS, hat das fantastische Artwork für „Static Tensions“ angefertigt. Kannst Du uns etwas über die Zusammenarbeit erzählen?

LAURA: Wir kennen John schon seitdem er 2002 zum ersten Mal zu einer unserer Shows kam. Ich hatte keine Zeit, um das Artwork zu machen und so beschlossen wir John, der bereits einige Shirts für uns gemacht hat, und dessen Album Cover immer umwerfend sind, zu nehmen. Zunächst setzte er sich mit mir und Phillip zusammen, um sich einige unserer Ideen anzuhören. Ich schickte ihm all unsere Texte und sein Artwork spiegelt sie buchstäblich und symbolisch unmittelbar wieder.

Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast.

Info: www.myspace.com/kylesa

(Danni Kann)