NARZISS: Wacht endlich auf, Leute

NARZISS sind eine feste Größe in der deutschen Musiklandschaft. Einzigartige, deutschsprachige Texte gepaart mit einem herausragenden Melodieverständnis und einer gesunden Portion Aggressivität bilden die Basis für die Klangwelt, mit der die Band aus Jena seit zehn Jahren beständig ihre immer weiter wachsende Fanbasis und ihren Status erspielt haben. Das neue Album „Echo“ verbindet alle Stärken der Band mit frischem Wind und einer fesselnden Atmosphäre, ohne dabei an Power und Emotion zu verlieren. Per Mail stand Bassist Steven Kretschmar zur Verfügung.

Gratulation zum neuen Album „Echo“. Nach dem Erfolg mit „Solang das Herz schlägt“ stellt sich die Frage, wie sehr man sich selbst unter Druck gesetzt hat, um an dieses Album anzusetzen?

Steven: Für uns gab es da ehrlich gesagt keinen besonderen Druck. Wir haben so gearbeitet wie immer. Treffen im Proberaum. Songs schreiben, aufnehmen und fertig. ; ) Wir haben schon immer das gemacht, auf was wir Lust haben und somit bestehen damit für uns auch keine von Außen auferlegten Zwänge. Die Platte sollte rocken und ich denke, dass sie das auch tut.

„Echo“ ist ja jetzt schon eine Weile draußen. Wie sind die Reaktionen? Kann man schon genaueres sagen?

Steven: Bis jetzt sind die Reaktionen sehr gut. Es scheint, als hätten wir vieles richtig gemacht. Es gibt natürlich immer Leute denen das ein oder andere nicht gefällt, aber wir wollen und können es ja auch nicht jedem recht machen ; )

Was unterscheidet „Echo“ zum Vorgänger?

Steven: Echo ist der logische Schritt nach „Solang das Herz schlägt“. Ich denke, dass die wesentlichen Unterschiede eher im Sound liegen. Wir wollten einen transparenteren Sound und weg von den Metalcore- Einheitsproduktionen, von denen die meisten nur künstlich aufgeblasen sind. Es sollte Raum für jedes Instrument sein. Ich denke wir haben es geschafft eine Platte zu machen, die trotz hoher Durchschlagskraft Luft zum Atmen und Platz fpr Feinheiten lässt.

Wer bei Narziss ist denn derjenige, der seine sonstige Freizeit mit Mythologie verbringt? Hat es einen besonderen Grund, dass ihr das Album nach der Nymphe Echo benannt habt, die sich in Narziss verliebte, der wiederum ihre Zuneigung verschmähte und in seinem eigenen Spiegelbild verliebt war.  Quasi der Beginn von Narzissmus.

Steven: Mit Mythologie im Besonderen hat eigentlich keiner von uns mehr am Hut (mit Verschwörungstheorien sieht es da schon ganz anders aus, frag da mal Sebastian und Steffen, echt gruselig. ;-)), als das was zur Allgemeinbildung gehört. Die Geschichte um Narziss kannte aber jeder von uns. Ich denke es gibt, angelehnt an die Beziehung zwischen Narziss und Echo wohl keine bessere Kombination aus Albumtitel und Bandname. Überdies hat Echo in Bedeutung des Widerhalles doch eine gewisse Hintergründigkeit, die gut zu unseren Songs passt.

In einem Interview habe folgendes Statement von Eurem Bassisten Steven gelesen: „Entwicklung ja, aber nicht um jeden Preis“. Könnt ihr das was näher erläutern?

Steven: Wer könnte das besser als ich ; ) Im Grunde genommen ist das ganz einfach.
Wir verschließen uns keinesfalls gegenüber Neuerungen in unserem Sound. Wenn dies jedoch dazu führt, dass wir uns verbiegen müssen oder einer in der Band bestimmte Sachen konsequent ablehnt, dann ist eine Entwicklung auch nicht wirklich gesund. Wir wollen schließlich Narziss bleiben.

Überall wird eure Zusammenarbeit mit dem Filmkomponisten Patrick M. Schmitz erwähnt, dessen Anteil man auf Echo deutlich hört. Aber wer ist Patrick M. Schmitz? Klärt uns mal auf. 🙂

Steven: Patrick studiert Komposition in München und hat uns als Fan kontaktiert. Er ist neben seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten im Bereich der klassischen Musik bzw. der Komposition auch immer ein Metalfan geblieben. Dies war für eine Mischung die uns sehr gereizt hat.

Was war ausschlagend dafür, dass ihr mit „Echo“ zu Redfield Records gegangen seid?

Steven: Wir haben uns gemeinsam mit unserem Management in Deutschland umgeschaut.Ziel war es, ein Label zu finden, dass unser Album gut promotet aber gleichzeitig nicht von uns erwartet, dass wir uns zum Kasper machen oder uns so nen 360° Knebeldeal ans Bein nagelt. Dabei sind wir auf Redfield gestoßen, die in der Vergangenheit wirkliche gute Arbeit für Bands wie Fire in the Attic gemacht haben. Als die dann auch noch Bock auf uns hatten, war die Sache relativ schnell klar und bis jetzt haben wir es nicht bereut.

Ihr werdet vom 03.04 bis11.04.09 auf Deutschlandtour sein. Was können wir erwarten? Welche Bands werden noch dabei sein?

Steven: Nicht mehr und nicht weniger als 150 % Narziss rollt auf die Leute zu ; ) Wir haben hart an der Integration der Streichersounds in unser Liveset gearbeitet und ich glaube wir haben es geschafft ein wirklich rundes und abwechslungsreiches Set auf die Beine zu stellen. Wir haben für die Tour keinen festen Support, sondern werden von wechselnden Bands unterstützt.

Ihr habt letztes Jahr Biohazard und Underoath supportet. Bei Underoath in Köln habe ich euch gesehen und fand, dass ihr es schwierig hattet beim Publikum zu landen. Dann kam noch dazu, dass Underoath Sänger Spencer Chamberlain euren Namen vergessen hatte. Es lief nicht gerade Rund. Wie waren Eure Eindrücke bei den Gigs mit Underoath?

Steven: Unser Eindruck bei den Underoath- Shows. Alte Männer in einer Bravo- Welt.
Die Shows waren für uns ganz okay. Wir waren schließlich ja auch nur Support und darf man nicht erwarten, dass sich die Leute um einen reißen. Ich habe generell ein Problem wenn ein Publikum so Personen / Star fixiert ist. Das halte ich für gefährlich.
Was Biohazard angeht muss man sagen, dass es schon cool war, mit ner Band zu spielen, die man mit 15 oder 16 geil fand.

Wie lief es denn mit Biohazard? Habt ihr euch im Vorfeld noch einmal die alten Platten angehört? War eigentlich Terra Patrick, die Ehefrau von Even Seinfeld, mit auf Tour? 🙂

Steven: Tja, da muss ich dich enttäuschen, Mr. Seinfeld hat seine bessere Hälfte nicht mit über den großen Teich gebracht. Was hätte uns das auch gebracht.
Normale Männer und ein Pornostar, dem man nix mehr vormacht. Das hätte für uns nur in die sprichwörtliche Hose gehen können. Wir sind halt nun einmal nicht Rocco Siffredi. 😉 Aber er hat fleißig Werbung für sein Porno-Portal gemacht.

Die Hardcore-Szene wird im Moment doch einwenig gerüttelt durch die Tatsache, dass sich Nazis, dass Wort Hardcore als Marke eintragen haben lassen. Könnt ihr erklären, was das für Folgen haben könnte, wenn das so bleiben würde?

Steven: Sollte es wirklich stimmen, dass dieser Nazi sich den Begriff „Hardcore“ hat rechtlich schützen lassen, dann hat jemand auf dem Amt wohl gehörig gepennt.
Ich denke nicht, dass es rechtlich einwandfrei ist, sich ein Wort aus dem allgemeinen Sprachgebrauch zu sichern. Hätte dies Bestand dann könnten wohl alle NYC HC- Bands im Merchandising- Bereich einpacken. Ich hoffe nicht, dass das alles in dieser Form Bestand haben wird. Im Grunde genommen war es aber auch nur eine Frage der Zeit, bis sich Idioten aus der rechten Szene an Begrifflichkeiten der Hardcoreszene vergreifen. Schau dir nur einmal an, was mittlerweile los ist. Die „wehret den Anfängen“- Zeiten sind durch. Faschos werden auf Festivals oder in Studentclubs geduldet. Und das auch noch mit den Worten, dass es doch nur um Musik und Spaß gehen würde. Für mich hört da der Spaß echt auf. Narziss vetraten und vertreten auch heute noch den Standpunkt, dass Nazis auf Hardcore-Shows nichts zu suchen haben. Wacht endlich auf, Leute.

Danke für das Interview, die letzten Worte gehören Euch

Steven: Wir sind in der Lage,ausschließlich mittels der Kraft unserer Gedanken, die richtigen Töne zu treffen.

Wir sehen uns auf der Tour oder den Sommerfestivals. Vielen Dank für dein Interesse.

Info: www.myspace.com/narziss

(Markus Tils)