THE TING TINGS: Wir sind stolz darauf Pop Musik zu machen

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Im vierten Jahr ihres Bestehens kam für die Ting Tings 2008 der kommerzielle Durchbruch: Mit einer Nummer-Eins-Single („That’s Not My Name“) und -Album („We Started Nothing“) beherrschten Katie White und Jules De Martini nicht nur die britischen Verkaufscharts, sondern auch die Schlagzeilen der Musikpresse. Ein sensationeller Triumph für das aus Manchester stammende Duo, das sich nach einigen frustrierenden Musikbusiness-Erfahrungen als ausdrücklicher Gegenentwurf zum geschmeidigen Erfolgspop Großbritanniens zusammengefunden hatte. Auch in Deutschland fanden Katie und Jules, u.a. dank einiger toller Konzerte, jede Menge neuer Fans. Vor dem Konzert im Düsseldorfer Stahlwerk sprachen wir mit Sängerin Katie White.

Wie würdest du mit wenigen Worten die letzten 12 Monate beschreiben?

Katie: Verrückt! Es ist echt viel passiert und wir sind 5 Mal um die Welt geflogen. Wir sind richtige Profis im Fliegen. (lacht). Dabei fliege ich nicht gerne. Wir haben unser Album damals in Manchester produziert und aufgenommen. Ohne viel Geld und mit den einfachsten Mitteln haben wir es geschafft durchzustarten. Verrückt!

Welchen Anteil hatte der iPod- Werbeclip, bei dem „Shut Up And Let Me Go“ zu hören ist?

Katie: Ich denke, dass es uns in den USA geholfen hat. Die Leute waren richtig verrückt nach dem Song. Dort herrscht eine ganz andere Mentalität als hier in Europa. Die hören was im TV und kaufen es und finden es cool. In England hingegen hatten wir nicht das Gefühl, dass die Leute so verrückt nach uns waren, obwohl wir dort mit unserem Album auf Platz 1 der Charts gelandet. Aber das spielt für uns keine so große Rolle. Die Leute sollen zu unseren Shows kommen. Das ist uns wichtig. Denn wenn sie unsere Shows gut finden, kommen sie wieder, finden sie es scheisse, auch egal. (lacht)

Kann man sagen, dass der Hype um euch in den Staaten definitiv größer ist.

Katie: Ja, schon. Wir waren in den letzten Monaten 5-mal drüben und haben eine Menge Shows gespielt. Wir arbeiten dort sehr hart für unseren Erfolg, ohne dabei die typische Marketing-Strategie etc. durchlaufen zu müssen.  Hier in Deutschland waren wir im letzten Herbst nur für wenige Shows. Diese Tour jetzt ist erst unsere zweite hier und viele Shows sind es ja auch nicht.

Ist es zu Zweit einfacher als in einer größeren Band zu spielen?

Katie: Naja, kommt drauf an. Bei der Entscheidungsfindung agieren wir schnell.  Aber wenn du auf der Bühne mit all den Instrumenten stehst ist es definitiv anstrengender bisweilen hektisch und chaotisch. Aber wir lieben es nur zu zweit auf der Bühne zu stehen und unser Ding durch zuziehen.

Ich hab gelesen, dass ihr im Herbst Pink supportet werdet? Die komplette Tour?

Katie: Nein, nur in den Staaten. Sie hat uns gefragt, ob wir sie supporten wollen und es ist für uns die Chance, jede Menge Leute ordentlich in Stimmung zu bringen.

Wie bereitet man sich dann auf so was vor?

Katie: Naja, wir machen das, was wir immer machen. Wir spielen unsere Songs. Wir werden uns jetzt nicht extra drauf vorbereiten nur weil wir plötzlich Abend vor Abend vor über 10.000 Leuten spielen werden.

Ich spielt dieses Jahr eine Menge Festival. Freut ihr euch darauf?

Katie: Ja, auf jeden Fall. Es ist schon was anderes, als in einem Club zu spielen. Zwar ist es in einem Club viel intimer und man kann besser mit dem Publikum kommunizieren. Jedoch empfinden wir Festivals als eine Art Herausforderung für uns. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn du auf einem Festival bist und 20.000 Leute deinen Song mitsingen. Da kann man nur noch mit offenem Mund auf der Bühne stehen. Außerdem passen Festivals in den Sommer und an der frischen Luft zu spielen bevorzuge ich jetzt doch. (lacht)

Ist es kein Problem für euch mit eurer Party Musik am Tag zu spielen?

Katie: Nein. (lacht). Gerade dann, wenn die Sonne untergeht, dann ist es am schönsten. Der Himmel verfärbt sich, die Leute sind gut drauf. Das ist der richtige Zeitpunkt.

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen The Ting Tings gekommen?

Katie: Ich habe mal mit einem Mädchen gearbeitet, die Ting Ting hieß. Sie hat mir damals erzählt, dass in China dieser Name so etwas wie ein alter Pavillon in einem Garten ist. Als ich später danach googelte fand ich heraus, dass es auch so was wie „der Klang von Innovation und der eines offenen Geistes“ bedeutet. Das war relativ abgefahren und gefiel Jule und mir sehr gut. Bis wir in Japan waren und feststellen mussten, dass unser Name für etwas Unanständiges steht. Kleiner Penis. (lacht)

Was macht The Ting Tings aus?

Katie: Wir sind halt einfach The Ting Tings. Mehr nicht. Wir sind stolz darauf Popmusik zu machen. Viele Bands würden nicht zugeben wollen, dass sie eine Popband sind, benutzen Begriffe wie Indie usw. weil es einfach cooler ist. Dabei machen sie nichts anderes als wir. Man sollte dazu stehen. Pop ist cool und The Ting Tings sind pop.

Wie kam es dazu, dass Calvin Harris euren Song „Great DJ“ geremixt hat?

Katie: Calvin Harris und wir haben denselben A&R und haben uns darüber kennen gelernt und Freundschaft geschlossen. Mittlerweile sind wir echt gut befreundet und er kam auf uns zu und spielte uns seinen Remix von „Great DJ“ vor. Wir hatten zuvor schon jede Menge Remixe unsere Songs gehört, aber Calvins war der beste Remix.

Gibt es einen Zeitplan, wann eurer nächstes Album erscheinen soll?

Katie: Ja.  Wir sammeln gerade unsere Ideen und werden im September nach Berlin ziehen, um dort konkret an unserem nächsten Album zuarbeiten. Somit hoffen wir, dass das Album im Januar oder Februar 2010 erscheinen wird.

Warum ausgerechnet Berlin?

Katie: Diese Stadt ist einfach nur großartig. Auf Tour haben wir so viele Metropolen gesehen und  keine war wie Berlin.  Paris oder Honk Kong…vergiss es. Berlin blieb und war immer in unserem Kopf. Wir hätten auch nach L.A fahren können. Schön in der Sonne liegend usw. Würden wir nach L.A gehen, da sind Jule und ich mir sicher, würde das Album fürchterlich klingen. Wir brauchen den gewissen Underground. Den hat man nicht in L.A., sondern in Berlin.

In L.A. Wohnt ja einer eurer größten Fans, Produzent Rick Rubin. Wird er euer Album dann produzieren?

Katie: (lacht) Nein. Wir haben ihn schon einige Male getroffen, jedoch nicht über solche Themen gesprochen. Wie bei unsrem Debüt werden wir alles selbst machen. Wir wollen unseren eigenen Stil und unser Identität beibehalten und da ist es wichtig, dass wir nichts aus der Hand geben.

Wird sich euer Sound auf dem neuen Album ändern?

Katie: Auf jeden Fall. Wir haben uns in den letzten Monaten weiterentwickelt. Ich konnte erst ein Monat Gitarre spielen, als wir mit den Arbeiten zu „We Started Nothing“ begannen. Das hört man ja auch. (lacht). Wir haben gelernt noch besser mit den Instrumenten umzugehen.

Du hast erst einen Monat vor den Aufnahmen mit dem Gitarrespielen angefangen? So einfach ist es also ein Nummer 1. Album zu machen.

Katie: (lacht)  Ja.

Info: www.thetingtings.com

(Markus Tils)