DREDG: „Ich dachte, ich müsste ins Gefängnis“

Bekannt geworden sind Dredg als Support von 4Lyn und Alien Ant Farm. Das ist genau 8 Jahre her. Seitdem können Dredg stetig weitere Erfolge verbuchen. Erfolgreiche Alben und ausverkaufte Konzerte sind das Ergebnis von einer Band die alles richtig gemacht hat. Im Juni veröffentlichen Dredg ihr aktuelles Album „The pariah, the parrott, the delusion“. SMASH-MAG durfte einen Blick hinter die Kulissen von Dredg werfen und haben Sänger Gavin und Gitarrist Mark ein paar Fragen gestellt.

Willkommen in Deutschland! Es ist euer letztes Konzert in Deutschland bei dieser Tour, wie fühlt es sich an, wieder hier zu sein und was sind eure Erwartungen für heute Abend?

Mark: Ich denke heute Abend sollte eines der besseren Konzerte sein, Hamburg ist immer gut zu uns. Es war toll, diese Tour war  wirklich gut. Eine der besten Touren.

Gab es irgendwelche besonderen Ereignisse, verrückte Fans oder so?

Gavin: Ja, sehr viele verrückte Fans.

Mark: In Berlin wurden wir auf der Bühne verhaftet, aber es war ein von Drew angezettelter Gag. Währenddessen wussten wir nichts davon, wir wurden komplett verarscht. Er hat Schauspieler engagiert, die als Polizisten verkleidet waren.
Gavin: Vorher wurden wir von der Polizei kontaktiert, wegen ein paar zufälligen Vandalismus Problemen. Und wir machten Witze darüber und ich sagte so was wie „Scheisse, wir werden auf der Bühne verhaftet oder so“. Das nahm Drew als Anlass und hat das alles arrangiert.

Ihr habt euer neues Album “The pariah, the parrot, the delusion” im Juni veröffentlicht. Wieso habt ihr diesen Titel und ein Cover, das aussieht wie ein Brief gewählt?

Gavin: Die Illustration stammt aus der Inspiration durch das Salman Rushdie Essay „Imagine There’s No Heaven – A Letter to the Six Billionth World Citizen“, welches Mark gefunden hat.  Es war sehr wichtig, für die Texte die ich geschrieben habe.  Daher war es auch ein guter Weg, das Cover entsprechend zu gestalten.

Wann wisst ihr, wenn die Zeit gekommen ist ins Studio zu gehen und ein Album aufzunehmen, oder ist es ein fortlaufender Prozess?

Mark: Wenn man genug Material hat, mit dem man glücklich ist.

Wie z.B. 18 Songs.

Mark: Ohja, aber naja, wir hatten eigentlich mehr, wir hatten bestimmt 30 Lieder. Aber ich denke wir wussten, dass dieses Album mehr braucht um eins zu werden und irgendwie auch mehr zu schreiben und mehr Ideen zu verstehen. Wir waren einfach nicht zufrieden mit allem, bis zum richtigen Ende.
Gavin: Ja, und eine menge B-Seiten.

Bei dem Song “Pariah” sing ihr die Strophe “cause life is really the only and last gift we’ve all received”. Lebt ihr euren Tag denn so, das wäre es euer letzter?

Mark:  Ohh jaa! (alle lachen)
Gavin: Jep, was wiederum für deine Chancen für ein langes Leben nicht gerade positiv ist.
Mark: Das meinst du jetzt ironisch oder? Ja, es herrscht immer eine Balance. Wir sind nicht wahnsinnig, aber wir mögen es Spaß zu haben.

Warum wurdet ihr ausgerechnet durch Salman Rushdie für euer Album inspiriert?

Mark: Das Essay spricht irgendwie für sich selbst, es ist so gut geschrieben und so fokussiert. Es gibt eine Menge viele gute Bücher, welche sich im Thema ähneln, aber seins war ein bisschen, nein viel, präziser. Und anstatt ein ganzes Buch zu lesen, war es irgendwie ein netter kleiner Auszug oder eine Zusammenfassung für alle diese Bücher.  Also Bücher die fragen warum bestimmte Leute so fanatisch oder religiös sind.

Am ersten Oktober habt ihr als Co-Headliner mit Salman Rushdie in einem Buchladen gespielt. Wie war es dort aufzutreten und wie habt ihr euch dabei gefühlt?

Mark: Es war toll.
Gavin: Ich denke es war ein wirklich großartiger Abend aus verschiedenen Sichtweisen.  Es war eine Veranstaltung die Armen und Obdachlosen Menschen, die mit HIV und AIDS leben, Hilfe verschafft. Spin Magazine ist ein Partner dieser Veranstaltung und veranstaltet einmal alle drei Monate ein Charity-Event. So konnten wir eine gute Summe Geld für die Organisation zusammenkriegen und daher denke ich, dass es auf dieser Ebene wirklich gut war. Und für uns natürlich auch, denn wir haben Salmen Rushdie getroffen. Darüber hinaus hat er ja auch mit uns zusammengearbeitet und mit uns seinen Abend geteilt, sodass wir wirklich privilegiert waren, bzw. haben wir uns zumindest so gefühlt.

In den letzten Jahren wart ihr sehr oft in Deutschland. Was mögt ihr hier am liebsten? Ist es etwas besonderes hier zu sein?

Mark: Es passt hier einfach alles so gut zusammen, es ist einfach immer gut hier.  Weißt du, wir kommen zurück und naja, schau dir doch mal das tolle Essen überall an (zeigt auf das Buffet), ja wirklich! Die Konzerte sind so gut besucht und du fühlst dich einfach, als wärst du wirklich sehr willkommen, wenn du in die Location gehst. Das kann man nicht immer behaupten.
Gavin: Und die Leute sind auch viel toller. Wir haben gerade heute Morgen darüber gesprochen. Wir waren schon in sehr vielen Ländern, aber ich weiß nicht genau was es ist, aber es haben sich hier einfach auch Freundschaften entwickelt. Ich weiß nicht, ob das hilft, aber die Leute sind einfach lustig und sehr offen.
Mark: Und freundlich!
Gavin: Es ist immer eine tolle Erfahrung hier zu sein.

Was war das Beste Erlebnis was ihr jemals in Deutschland hattet?

Mark: Das Beste? Auf der Bühne verhaftet zu werden! (alle lachen)
Gavin:. So sehr verarscht zu werden. Ich dachte, ich müsste ins Gefängnis.
Mark: Für uns ist es vor allem etwas Besonderes, wenn wir als Headliner spielen. Wenn du nach einem Konzert in die Menge schaust und 1.200 Leute ganz laut klatschen hörst, dann ist das wirklich etwas Besonderes. Das ist nicht immer so. Vielleicht ist es bei zwei Städten in ganz Amerika so, aber diese Konzerte sind immer toll und auch einige der Größten, die wir spielen.

Wann habt ihr euch zusammen gefunden und was hat euch inspiriert überhaupt Musik zusammen zu machen?

Mark: Wir waren einfach Kinder, die die gleiche Musik mochten. Ich meine wir waren 14 Jahre oder 15 Jahre alt.
Gavin:  Wir mochten alle Metal und andere Musikarten.
Mark: Es gab einfach nicht viele in unserem Alter, die Musik gemacht haben. Wir waren einige der Wenigen, welche Schlagzeug und Gitarre gespielt haben. Daher war es fast normal, dass wir uns gegenseitig gefragt haben „Hey, willst du rüber kommen und jammen?“

Wie wurdet ihr entdeckt und wie seid ihr überhaupt in Kontakt mit einem Label gekommen?

Gavin: Durch das spielen einiger Konzerte in Kalifornien. Nach unserem ersten Album das veröffentlich wurde, haben wir eine Menge in Nordkalifornien gespielt und wir hatten bereits eine anständige Fanbase in Betracht darauf, wo wir mit unserer Karriere bereits waren. Ich glaube es war einer unserer Freunde, der unsere Band bei jemandem von einem Label erwähnte. Und dann kamen sie und haben uns gesehen. Wir wurden relativ schnell unter Vertrag genommen. Ich denke, es basierte mehr auf unser Leben generell. Mehr, als dass es darauf basierte, wie toll wir aussahen, oder wie heiß wir aussahen. (lacht)

Wie lange habt ihr gebraucht, bis ihr eure ersten professionellen Aufnahmen machen konntet?

Mark: Ich glaube, es war in den Neunzigern. „Leitmotif“ war 1998 das erste vollständige Album. Aber wir haben schon in sehr jungen Jahren damit angefangen. Ich glaube 1994 oder 1995 waren unsere ersten Aufnahmen. Aber es war mehr so, dass wir einfach immer nur einen Song aufgenommen haben bis wir mehr Zeit zusammen hatten. Es hat also ein paar Jahre gedauert.

Wie hat sich eure Musik entwickelt und verändert, seit dem ihr angefangen habt?

Gavin: Sie hat sich sehr verändert!
Mark: Als erstes hat Gavin immer alles nur gebrüllt als wir noch wirklich jung waren.
Gavin: Ja und Drew, unser Basser, hat alle Texte geschrieben und hat einfach alles gebrüllt, weil wir einen Moment einen anderen Sänger hatten und ich hatte zu der Zeit mit Mark Gitarre gespielt.
Mark: Wir waren echt schrecklich. (lacht)
Gavin: Und naja, wir haben uns echt sehr entwickelt. Von unserer ersten Platte bis jetzt, kann man sagen, dass wir alle bessere Musiker  geworden sind Ich denke wir sind auch bessere Songwriter geworden, wenn man die Texte zerlegen würde.
Mark: Wir sind sowohl mehr gewollt alles auszuprobieren, als auch Risiken einzugehen und nicht böse darüber zu sein, wenn man beim Versuchen eines bestimmten Stils oder einer bestimmten Idee scheitert.

Jedes Konzert ist anders. Aber hattet ihr ein Konzert, was wirklich sehr einzigartig und sehr speziell war?

Mark: Dortmund war sehr einzigartig. Wir haben im Konzerthaus Dortmund gespielt, sodass alles im Sitzen war und jeder gesessen hat. Es waren nur wir die gestanden haben, das war wirklich anders.
Gavin: Es war für den 20. Geburtstag von Visions.
Mark: Jeder war sehr ruhig und anstatt eines Rockkonzertes, wo jeder laut ist, war es sehr komisch.
Gavin: Es war schön, es war cool, aber es war sehr anders.

Wie würdet ihr eure Musik den Leuten beschreiben?

Gavin: Frag das einen Freund von mir und sag ihm, dass er das für mich beantworten soll. Ehrlich gesagt würde ich sagen, dass es rock mit einer Melodie ist, da ist kein Geschrei oder so was.

Was sind eure Lieblingslieder von euren Alben und warum?

Gavin: Es sind werden wohl die sein, die wir nicht oft spielen, denn von denen bin ich nicht so schnell gelangweilt.
Mark: Meinst du ein Lieblingslied vom neuen Album?
Von allen Liedern.
Mark: Ich mag das ganze neue Album.

Könnt ihr kurz den Prozess des Musik-Machens erklären?

Mark: Wir kommen einfach in einem Raum zusammen und nehmen alles auf, was wir machen und wenn du in diesem Raum eine Woche lang drin bist, dann hast du ein paar Minuten. Wenn etwas Gutes dabei ist, wird es ein Lied oder eine Idee für ein Lied. Das ist grundlegend erst mal alles.

Wie würdet ihr das Wort ‚Erfolg’ definieren?

Mark: Millionen und Millionen Dollar. (lacht)
Gavin: Einfach nur in der Lage zu sein, sein normales Leben und das Musik machen, welches kein einfaches Unternehmen ist, aufrecht zu erhalten. Aber dieses Business ist sehr seltsam und es gibt viele Höhen und Tiefen. Und ja, ich denke, wir sind in der Lage das zu tun und uns aufrecht zu erhalten. Die Leute um uns rum sind unser Erfolg.

Was sind eure Pläne für die nächsten Jahre? Habt ihr vielleicht schon bestätigte Konzerte?

Mark: Nicht wirklich. Vielleicht werden wir nächstes Jahr wieder für Festivals hier sein. Aber das ist das Einzige, worüber wir bisher geredet haben. Aber hoffentlich veröffentlichen wir etwas Neues schneller als das letzte mal, vielleicht eine EP oder ein kürzeres Album im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres.
Gavin: Wir haben noch viel Material übrig und es ist wie ein komplettes anderes Album, jedoch nur instrumental. Wenn wir es noch fertig mischen, könnte es sehr anständig werden.

Welchen Rat würdet ihr Leuten geben, die ihre eigene Band gründen wollen?

Mark: Klau von so vielen Einflüssen wie du kannst. Nehme nicht nur eine oder zwei Einflüsse, sondern versuche die Einflüsse auszubreiten, von wem immer du inspiriert wurdest. Denn die Zeit bringt es zu dir zurück und du wirst nicht in der Lage sein, bzw. die Leute werden nicht in der Lage sein, sich zu erinnern, von wem du es geklaut hast. Aber jeder klaut.

Ich habe hier ein Tape von und mit euch. Ein Demo Live Tape von 2001 als ihr mit 4Lyn und Alien Ant Farm auf Tour wart. Was ist der Unterschied im Vergleich vor acht Jahren?

Mark: Oh wow, cool.
Gavin: Ich hab das Tape erst vor kurzem an einem anderen Abend gefunden, jemand anders hatte es mit.
Mark: Schrecklich! Der deutliche Unterschied lieg darin, dass die Leute hier und jetzt kennen. Aber ich finde, dass die Tour toll war, wir spielten in wie viel Städten? (schaut auf das Tape)
Gavin: Es war ca. ein Monat lang.
Mark: Es war irgendwas mit 20 Konzerten in Deutschland. Es war einfach nur toll in allen diesen Städten zu spielen. Jetzt ist man normalerweise nur in Köln, München, Berlin, Hamburg. Aber Städte wie Freiburg oder Augsburg sind Städte, in denen du nie wieder spielen wirst. Ich hatte wirklich viel Spaß bei dieser Tour. Ich denke diese Tour hat uns ein den Fuß in die Tür gestellt. Aber vielleicht haben wir musikalisch gesehen, nicht wirklich gut mit 4lyn zusammen gepasst, denn als die Leute wussten, wer wir sind, haben manche sogar den Raum verlassen. Und vielleicht auch das Musikbusiness, denn Leute in der Musik haben von uns gehört.
Gavin: Und wir haben gratis Tapes bekommen, was wundervoll war.

Ich hab das Tape von einem Freund bekommen, was echt cool war.

Mark: Ja, cool. Ich weiss, man sieht dieses Tape nicht wirklich oft.

Info: www.dredg.com

(Marina Micic)