BIFFY CLYRO: „Josh Homme auf unserer Platte – unglaublich“

Schon etliche Jahre galten Biffy Clyro als der Geheimtipp von der Insel, doch erst mit dem vierten Album „Puzzle“ wurde aus dem Geheimtipp eine feste Größte und katapultierte das Trio in den Fokus der versammelten Rockgemeinde. „Puzzle“ erreichte Gold in Großbritannien – ein Erfolg der erarbeit wurde und nicht Übernacht zustande kam.  Mit „Only Revolution“ erschien im November das neuste Werk der Schotten, was vom VISIONS Magazin als „Alternativ Album des Jahres 2009“ gekürt wurde. Ein Rockalbum mit einem Gefühl von Freude und Entschlossenheit. Vor der Show im Kölner Gloria sprachen wir mit Bassist James Johnston.

Vor einer Woche habt ihr in der Köln-Arena den Support für Muse gemacht. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr für sie eröffnet. Letztes Jahr habt ihr mit ihnen zusammen im Wembley Stadion gespielt. Wie ist euer Verhältnis zu Muse?

James: Ja, eigentlich ganz gut. Wir kennen Sie jetzt nicht so, dass wir sagen, dass wir „Freunde“ sind. Sie sind Superstars und haben wirklich kaum Zeit sich uns jetzt zu widmen. Dennoch sind sie sehr nette Typen und wir sind froh und geehrt, dass sie uns gefragt haben mit auf Tour zu gehen.

Kannst du die Show in der Köln-Arena mit der im Wembley Stadion vergleichen?

James: Letzte Woche war es deutlich besser, obwohl wir im Wembley Stadium gespielt haben. Wembley –  dass muss man sich erst einmal vorstellen. Hier in Köln waren die technischen Vorraussetzungen einfach besser, als damals in Wembley.

Wembley ist der Inbegriff des Fußballs. Welchem Verein gehört denn eure Sympathie? Celtic Glasgow oder den Rangers?

James: Weder noch. Wir sind Fans von FC Kilmarnock, wobei wir die Spiele eher am TV schauen, als live im Stadion. Der Verein kämpft gerade gegen den Abstieg. Es wird sehr schwer für unser Team.

Neben Muse habt ihr für Linkin Park, Queens Of A Stone Age und Bon Jovi die Shows eröffnet. Wie würdest Du eure Fans kategorisieren?

James: Das Publikum bei den Shows war ja in erster Linie da, um den Hauptacts zusehen. Wir hoffen dabei natürlich, dass das Publikum uns gegenüber offen ist, uns zuhört und dabei auch ihren Spaß findet. Ich denke, nicht allzu viel darüber nach, wie unser Publikum sein muss. Ich denke, dass wir junge und alte Fans haben und von Album zu Album auch neue Menschen für uns gewinnen. Wir sind sicherlich keine Band, die mit jungem Publikum angefangen hat und zusammen älter wird. Bei uns findet man auch später noch Zugang zu unserer Musik.

War es nicht hart, für Bon Jovi zu eröffnen?

James: Das war es, definitiv. In den Staaten sind nur Frauen bei den Shows, die alle in Cowgirl Outfits vor einem standen und nur auf Bon Jovi gewartet haben. Da hat man kaum Chance gut anzukommen

Habt ihr Bon Jovi getroffen?

James: Nein, den haben wir nicht getroffen. Aber die Rollings Stones, die waren echt cool drauf. Das war schon großartig Mick Jagger und Keith Richards zu treffen.

Ist Mike Jagger so ein Womanizer, wie man es immer hört?

James: Ja, ist er! Ich muss ehrlich eingestehen, dass er der beste Live-Performer ist, den  ich je gesehen habe. Zwei- bis zweieinhalb Stunden diese Power. Das ist schon beeindruckend.

Mit den Queens Of A Stone Age seid ihr lange unterwegs gewesen. Wie kam es, dass Josh Homme die Gitarre zu „Bubbles“ einspielte?

James: Ja, wir haben mit den Queens ziemlich viel getourt und man kannte sich. Josh war gerade mit den Aufnahmen zum neuen Arctic Monkey Album fertig und wir waren in LA in den Ocean Way Studios. Wir haben ihn einfach angerufen und gefragt, ob er nicht vorbei kommen möchte. Nachdem er seine Kids ins Bett gebracht hatte, stand Josh auch schon bei uns im Studio. Er ist echt ne verdammt coole Sau. Er hörte den Song wenige Sekunden und meinte direkt, dass er die passende Idee dazu hat und legte los. Josh Homme auf unsere Platte – unglaublich.

„Only Revolutions“, so lautet nicht nur der Titel eures Albums, sondern auch der Titel des Romans vom amerikanischen Schriftsteller Mark Danielewski. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, das Album so zu nennen?

James: „Only Revolutions“ ist ein sehr interessantes Buch. Eine Liebesgeschichte, die aus zwei Standpunkten erzählt wird. Ausschlaggebend war Simons Hochzeit, da viele Texte über ihn und seiner Frau sind. Bei der Platte geht es um die eigene Revolution im Leben, um ein Protokoll über das Leben. „God And Satan“ handelt über unseren Tod. Wenn man jemanden verloren hat den man liebte, stellt man sich doch immer die Frage nach der eigentlichen Existenz und Sinn unseres Lebens. Ich hoffe auch, dass Mark das Album mag, denn wir haben ihn extra gefragt, ob wir diesen Titel nehmen dürfen und er hat freundlicherweise zugestimmt, was uns natürlich gefreut hat. Wir hoffen, dass wir mit unserem Album seinem Buch und dem gleichnamigen Titel sinngemäß gerecht werden.

Wie wichtig ist für euch die Mainstream-Erfolg?

James: Dieser Erfolg ist uns nicht so wichtig. Wir lieben es Shows zu spielen und das ist wichtig für Biffy Clyro. Der Erfolg in den Charts bedeutet in erster Linie, dass wir mehr neue Zuhörer für uns gewinnen konnten und sie unser Album gekauft haben. Das wiederum freut die Plattenfirma umso mehr, da Mainstram-Erfolg in einem Unternehmen natürlich eine andere Bedeutung hat. Für uns ist es halt die Grundlage weiter auf Tour zu gehen, um das zu machen was wir lieben.

Nach dem Erfolg von „Puzzle“, habt ihr euch da selbst unter Druck gesetzt?

James: Als Band setzt man sich immer unter Druck, schließlich möchte man das vorherige Album musikalisch überbieten. Welche Band macht ein Album und sagt, dass es schlechter ist, als das vorherige? Wir schauen immer nach vorne und das zählt. Für haben uns für das neue Album zurückgezogen und haben uns wirklich konzentriert an die Arbeit gemacht. Zusammen mit Produzent Garth Richardson ist es uns – meiner Meinung nach gelungen – das beste Biffy Clyro Album zu machen.

Gibt es etwas in eurer bisherigen Laufbahn, was du als völlig konfus betrachtest?

James: Ja. Wir sollten in Paris mit Muse spielen, spielten am Morgen bereits auf dem Glastonbury Festival in England. Man sagte uns, dass ein Helikopter auf uns wartet, der uns zum Flughafen bringt, damit wir mit dem Flieger nach Paris konnten. Dort angekommen sind wir mit einer Polizei-Eskorte zur Halle gefahren. Am Anfang dachte ich schon, dass es ein Scherz sei, bis man den Helikopter sah. Das war schon eine sehr abstruse Geschichte, wo man sich wirklich fragen muss, ob das sein muss.

Genießt du die gerade anfällige Popularität?

James: Naja, es ist schon lustig. Mit „Puzzle“ waren wir auf Platz 2 der Album Charts und mit „Only Revolution“ auf Platz 8 und haben Gold geholt. Ich kann jetzt nicht davon sprechen, dass es mir persönlich jetzt aufgefallen ist, dass sich etwas geändert hat.

Info: www.biffyclyro.de

(Markus Tils)