SMOKE BLOW: „Scheiss auf großartige Melodien“

SMOKE BLOW, die sympathischen Hardcore-Punk Barden aus Kiel melden sich frisch ausgeschlafen mit neuem, dem mittlerweile siebten, Studioalbum zurück. Wobei, was heißt zurück? Richtig weg waren die Kieler ja nie. Wie man es von ihnen gewohnt ist präsentieren SMOKE BLOW zwei Jahre nach der eindeutigen Punkrock-Hommage „Colossus“ ihr bis dato härteste Album. Kurz: The Record! 12 Tracks, die geradliniger nicht sein können, dabei weder Old- noch New –School sind und das verkörpert „The Record“ eindrucksvoll.

Montagabend, 19Uhr. Zeit den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und Greif Hellhammer, Bassist der Kieler Smoke Blow anzurufen, um einwenig über das neue Album „The Record“ zu plaudern.

Was würdet Du denn normalerweise jetzt tun, wenn du heute keine Interviews geben würdest?

Greif Hellhammer: Der Montagabend ist bei mir eigentlich eher ein ruhiger Tag. Ich bin Vater zweier Söhne und da bin ich montags immer Zuhause und mache etwas mit den Jungs. Ansonsten bin ich in der Woche viel unterwegs und im Studio.

Wie alt sind deine Söhne?

Greif Hellhammer: Einer ist 13 und der älteste wird im April 18 Jahre.

Mögen beide Smoke Blow?

Greif Hellhammer: Ja, auf jeden Fall. Wobei der Kleinere mehr als der Große, der tendiert dann doch mehr zu Hip-Hop-Reggae Gedöns und nicht so auf Punkrock.

So kurz vorm Release des neuen Albums Kribbelt es in der Magengegend oder schaut man ganz gelassen aufs VÖ- Datum?

Greif Hellhammer: Jein. Je näher das VÖ Datum kommt, umso nervöser wird man. Und je mehr ich von den Leuten höre, die die Platte bereits gehört haben und mir ihr Feeback gaben, umso gespannter bin ich. Aber es ist auch nicht unsere erste Platte und somit ist man auch relativ gelassen.

„The Record“ ist euer siebtes Album. Als ihr damals angefangen habt als Smoke Blow, habt ihr euch jemals vorstellen können überhaupt so viele Alben herauszubringen?

Greif Hellhammer: Nee, nee überhaupt nicht. Okay. Bei der ersten Platte war ich noch nicht dabei, sondern bin erst zur anschließenden Tour als Ersatz-Bassist eingestiegen, da der damalige Kollege die Tour nicht mitspielen konnte und ich bin dann halt hängen geblieben. Da hätte keiner gedacht, dass wir so viele Platten veröffentlichen. Wir waren damals froh, dass da überhaupt jemand war, der unser erstes Ding veröffentlicht hat. Gerade auch, dass es Smoke Blow so lange schon gibt, damit hat keiner gerechnet.

Mit „German Angst“ gab es den Durchbruch. Was mich dabei immer wieder verwundert ist, dass ihr es jedes Mal schafft euch von Album zu Album selbst zu übertreffen.

Greif Hellhammer: Naja, dass ist natürlich auch ein Bestreben von uns – auf jeden Fall. Man lästert ja gerne über Bands, die sich ständig wiederholen oder platter werden. Für uns als Band liegt vor allem darin der Reiz, die Platte, die wir gemacht haben, eben nicht zu wiederholen, sondern dem Ganzen noch eins draufzusetzen. Diesmal haben wir den Vorschlaghammer raus gehauen und geben ordentlich auf die Fresse damit. Scheiss auf großartige Melodien, bei denen wir sonst immer sehr viel gefeilt haben. Wir haben uns einfach nur gesagt: Das muss hart sein und das ist uns auch sehr gut gelungen.

Noch härter als „German Angst“?

Greif Hellhammer: Auf jeden Fall, weil die neue Platte kommt auf den Punkt! Sie ist auch einfach geschlossener als „German Angst“.

Gibt es einen „Roten Faden“, den ihr beachtet habt?

Greif Hellhammer: Wir haben uns einfach gesagt, dass alles aus einer Richtung kommen soll, es hart sein muss und dass wir dabei auf großartige Gesangsmelodien – überhaupt Melodien – verzichten. Wir haben in der Vergangenheit viele Gitarrenlinien gezaubert, aber diesmal brauchten wir das nicht. Selbst auf Overdubs haben wir weitgehend verzichtet. Gerade das, hält die neue Platte zusammen.

Mit dem neuen Album soll sich laut der Werbung der Kreis endlich schließen.

Greif Hellhammer: Oh, was soll ich jetzt sagen? Lasst euch einfach überraschen. Man soll niemals nie sagen. Ich will jetzt nicht sagen, dass es unsere letzte Platte sein wird. Denn das haben wir schon so oft nach einer Platte gedacht. Es ist ja auch nicht einfach für uns eine Platte aufzunehmen. Wir stecken jedes Mal sehr viel Energie in die Aufnahmen und so was machen wir nicht mit Links, so dass man an einen Punkt kommt wo man sich sagt, dass man so was nicht mehr machen möchte und einfach nur ausgepowert ist. Aber wenn ich mir „The Record“ anhöre uns anschaue, dann spüre ich, dass noch jede Menge Potenzial vorhanden ist. Auch wenn sich der Kreis schließt, warum sollten wir jetzt sagen, dass es die letzte Platte sei? Wenn ich mir es jetzt so überlege, wir würden uns mit einer verdammten guten Platte verabschieden. (lacht)

Warum habt ihr das Album trocken „The Record“ genannt?

Greif Hellhammer: Weil es geil klingt und einfach trocken ist. Schließlich ist das Album auch trocken, im Gegensatz zu den vorherigen Alben.

Das Cover ist angelehnt an die Achtziger Jahre und das macht deutlich, dass ihr mit „The Record“  an den Hardcore Sound der Achtziger erinnern möchtet. Bildet das die Gesamteinheit von The Record?

Greif Hellhammer: Ja, definitiv. Da kommt eins zum anderen. Das ist die Musik, die wir gehört haben, mit der wir groß geworden sind und uns orientieren. Und der Löwenkopf ist halt einfach nur geil, dass ist ja auch irgendwie unser Logo und hat einfach gepasst. Das spiegelt sich halt in der Musik wieder.

Wann habt ihr angefangen mit der neuen Platte?

Greif Hellhammer: Ostern 2009 waren wir bei Tom Schwoll, der das Album produziert hat,  in Berlin. Haben dort die Basics aufgenommen. Das pendelten wir einige Monate immer mal wieder nach Berlin, um dort aufzunehmen. Die Gesangslinien, z.B., wurden erst im Juli/August aufgenommen.

Mit Alex Newport (At The Drive-In, Frank Turner, The Locust) habt mit einem relativen bekannten Produzenten und Mischer gearbeitet. Wie ist da die Zusammenarbeit zustande gekommen?

Greif Hellhammer: Wir wollten, dass es ein typischer Metal-Mischer macht. Uns ist in Deutschland keiner in den Sinn gekommen und so hat sich unser Manager einige Gedanken gemacht. Dann sind wir über Newport gestolpert und er war sofort von unserer Mucke begeistert. Wir haben natürlich auch andere gefragt, aber an deren Reaktion merkten wir dann schon, ob sie Bock hatten oder nur wegen der Kohle mit uns arbeiten wollten. Newport hatte Bock und das war wichtig für uns, dass die Leute mit denen wir arbeiten auch dahinter stehen. Wir sind schließlich auch eine Band, die nicht ein Heidengeld für einen Mischer ausgeben kann. Teilweise zahlt man 5000 $ am Tag für einen Mischer. Wenn du dann Pech hast, schafft der gerade mal einen Song am Tag. Das kann man heutzutage nicht bezahlen und 5000$ hatten wir nicht einmal für unsere ganze Platte als Budget fürs Mischen. Der Newport sprach auch erst mal gar nicht von Kohle, sondern dass er wirklich Bock auf die Arbeit mit uns hat und uns auch letztendlich einen guten Kurz gemacht. Das war auch eine gute Erfahrung so zu arbeiten. Anstatt mit der kompletten Band ins Studio zu fahren, waren wir alle Außen vor, haben unser Material nach Amerika geschickt und er hat sich dran gesetzt und uns abends dann seine Arbeit übers Netz rüber geschickt. Wir haben dann noch etwas dazu gesagt, er hat es gemacht und so haben wir dann die Platte fertig gekriegt.

Wie seid ihr auf Jacob Hansen gekommen, der die Platte am Ende gemastert hat?

Greif Hellhammer: Im Prinzip war es wie beim Mischen. Wir wollten einen aus der Metal-Fraktion, denn wenn wir schon einen aus der Metal-Ecke zum Mischen haben, dann kann auch jemand aus der Metal-Ecke die Platte mastern. Da sind wir halt auf Hansen gestoßen, der ja in Dänemark quasi um die Ecke wohnt. Lustigerweise wohnt er in der Nähe von dem Ferienhaus welches wir damals mieteten, um „Colossus“ zu schreiben. Und da wir Abergläubig sind, passte das.

Das Ergebnis spricht ja für sich.

Greif Hellhammer: Ja eben, dass denke ich auch.

Info: www.smokeblow.de

(Markus Tils)