MY GLORIOUS: „Wahnsinn, bin fast überfordert mit diesen Fragestellungen“

Schimmel in der Duschkabine, Abdrücke von Kaffeetassen auf dem Resopaltisch. Dass dies integrale Bestandteile eines Mitzwanzigerlebens sind und dass darin eine gewisse Romantik liegt, dies erschließt sich ein wenig aus „Home Is Where The Heart Breaks“, dem Debüt des Wiener Garage Rock Trios My Glorious. Seit Gründung der Band – Januar 2008 – tragen Sänger/Gitarrist Samuel Fischer und die Zwillingen Gregor Sailer am Bass und Paul Sailer am Schlagzeug ihren Sound in die Welt hinaus. Per Mail stand uns Sänger Samuel Fischer zur Verfügung und geriet beinahe in den Wahnsinn ;-).

Auf eurem Album “Home is where the heart breaks” hören sich viele der Songs angenehm spröde und ungeschliffen an. An welcher Stelle entscheidet ihr: „So, das Ding ist jetzt fertig!“?

Samuel: Wollt ihr damit sagen dass wir das Album nicht fertig bekommen und uns mit was Unfertigem zufrieden gegeben haben? Nein Spaß, wir haben uns schon mit Bandgründung für einen sehr rohen, ehrlichen Sound entschieden einfach weil er das widerspiegelt was wir sind und wie wir’s meinen. Ungeschliffen heißt ja nicht dass es irgendwie im Prozess einfacher oder unprofessioneller abläuft. Im Gegenteil eigentlich, es ist leichter etwas schön und konventionell zu produzieren als kantig und roh zu sein, denn da muss man sehr vorsichtig sein dass man den Spagat zwischen einfach und trotzdem amtlich schafft.

Songs wie „Love Extenders“ oder Blue Horizon“ spielen stark mit Kontrasten. Ersterer setzt eine Kirmesmelodie in einen eher pessimistischen Kontext, zweiteres beschreibt im Text einen klaren Himmel, geht musikalisch aber eher in eine bedrückende Richtung. Wie kommt es zu solchen Aufeinandertreffen verschiedener Elemente?

Samuel: Such is life, würde der Brite sagen. Ist es nicht so? Vieles im Leben hat einen ganz anderen Beigeschmack als man sich erhoffen würde. Liebe ist nicht immer schön, Tod ist nicht immer nur traurig, Schmerz kann etwas Gutes sein und das eigene Glück wird oft im Unglück anderer gefunden. Wir planen das auch nicht, es kommt wie’s kommt und ich denk dass es deshalb auch nicht so einfach zu verstehen ist. Weil das was im Herz und in der Seele abgeht auch nicht logisch und einfach zu verstehen ist. Kirmes ist übrigens lustig….Vielleicht sollten wir einen Zirkus aufmachen. Die Zwillinge und der Brite.

„You should be dancing“ sticht ein wenig aus den anderen Songs heraus: Ein Boller Industrial Teil mündet in einer Welt umarmenden Tanzmelodie. Ist dieser Song eine augenzwinkernde Fingerübung in Sachen tanzbarer Indie-Pop?

Samuel: Wahnsinn, bin fast überfordert mit diesen Fragestellungen. Wo bleiben die einfachen Fragen wie:„Streitet ihr oft?“ und „Was heißt euer Bandname?“. Na gut, ich wage mich drüber…Nein, es ist wiederum kein Konzept hinter dem Song und kein Gedanke an ob es tanzbar ist oder nicht. Wenn man genau hinhört hat der Text ja auch nichts mit dem physischen Tanzen zu tun, sondern mit einer Geisteshaltung. Der Song ist zudem aus einem Riff entstanden mit dem wir schon Jahre zuvor herumgespielt hatten und es kam einfach so der Song zusammen. Welt umarmend? Überhaupt nicht, ganz im Gegenteil…da muss der Text noch genauer verstanden werden.

In meiner Wahrnehmung hebt ihr euch in einem Punkt recht deutlich von anderen Rock Bands aus dem deutschsprachigen Raum ab: Bei euch findet man nicht diese Hauptsache-es-rockt Grundeinstellung, eher scheinen subtile Zwischentöne eines eurer Anliegen zu sein. Wo würdet ihr euch in dieser Hinsicht positionieren?

Samuel: Genau, diese Formulierung bringts sehr gut auf den Punkt! Es stimmt, in den Zwischentönen liegt das Anliegen, wobei das auf wiederum kein programmatischer Ansatz ist. Wahrscheinlich liegt es am meisten an meinem Charakter, da ich die Texte schreibe, aber ich bin tatsächlich als Mensch so. Ich denke es hebt uns deshalb von anderen ab, weil unser Grundanliegen nicht ist dass Leute einfach unterhalten werden. Wir merken das auf Tour in den USA am stärksten. Dort müssen Bands oft viel Cover Zeugs spielen und das Publikum zum saufen animieren und ziemlich derb daher reden um die Leute für sich zu gewinnen. Da steht für die Bands im Vordergrund auf einer Kumpelhaften Ebene möglichst gut anzukommen. Für uns ist wichtiger dass wir auf einer emotionalen Ebene durchdringen. Das heißt dann auch nicht immer dass die Leute vor der Bühne abgehen. Manchmal steht man einfach und hört und das ist auch ok so. Wir haben aufgehört uns diesen Druck zu machen, dass ein Konzert nur gut ist wenn möglichst viele Leute tanzen oder schreien.

An die vorhergehende Frage anknüpfend: Erzählt ein wenig von eurem Musikeralltag in Österreich, welche Bands aus der lokalen Szene liegen euch am Herzen, welches sind eure liebsten Venues, all so was halt…

Samuel: Wir sind ja selbst nicht viel in Österreich und nicht so wahnsinnig in der Szene verhaftet. Aber Bands wie Giantree, Tyler, Cardiac Move oder Menschensohn …das sind so die mit denen wir derzeit mehr zu tun haben. Mit Velojet und Lehnen haben wir auch weltklasse Indie Rock in Wien! Locationmäßig…B72, Badeschiff, WUK…da gibt’s ein bissl was.

Die Frage nach den Stärken eines Albums in den Augen der Band wird ja recht häufig gestellt, mich würde eher interessieren, wo ihr Schwachstellen bei „Home is where the Heart breaks“ seht.Gibt es bereits jetzt etwas, das ihr bei dem nächsten Album unbedingt anders machen würdet?

Samuel: Auf Anhieb fällt mir nichts ein. Wir sind ja auch noch in der Promotionphase. Das ist ja eher die Phase wo man sich gut verkaufen muss. Es ist ja schon so dass man immer weiß dass es besser geht, aber das ist nur gesund so denn sonst wird man faul und ruht sich auf dem aus was man geschaffen hat. Ich kann aber behaupten dass wir das Album mit ganzem Herzen und nach bestem Können produziert haben und deshalb kann ich es gut annehmen wie es ist. Aber ich freu mich auch schon auf’s nächste.

Wenn ihr ein unbegrenztes Budget hättet und ihr dürftet euch einen Regisseur aussuchen, welcher eure Songs in Bilder umsetzt: wer wäre dafür am besten geeignet?

Samuel: Eine Tarantino – Woody Allen Kooperation.

So, die letzte Frage ist gar keine, hier dürft ihr einfach noch das loswerden, was euch eventuell wichtig ist, in diesem Interview aber noch nicht zur Sprache kam. GO!

Samuel: Da fällt mir jetzt spontan nichts ein. Die Fragen waren eh sehr breit gefächert. Danke!

Info: www.myspace.com/mygloriousmusic

(Martin Makolies)