ENNO BUNGER: „Einmal im ZDF Fernsehgarten spielen“

Enno Bunger, eine junge aufstrebende Band aus Ostfriesland. Seit einigen Tagen steht ihr Debütalbum „Ein bisschen mehr Herz“ in den Plattenläden. Ein neues Video zum Lied „Hier & jetzt“ ist auch unter Dach und Fach. Wir hatten die Gelegenheit die Jungs im Zuge ihres Konzertes bei der Expo Sounds zum Interview zu bitten.

Hallo Jungs, könnt ihr euch unseren Lesern einmal näher vorstellen?

Enno: Ich bin Enno, 23 Jahre alt, bearbeite furchtbar gerne verschiedene Tasteninstrumente und singe.

Bernd: Ich bin Bernd, 27, und in der Bunger-Bande spiele ich in erster Linie den Bass und bei einigen Liedern auch ganz gerne mal Glockenspiel oder singe im Hintergrund. Der dritte Mann wäre dann Nils (23), der spielt bei uns das Schlagzeug.

Enno Bunger, klingt nach einem Solokünstler, doch es handelt sich um eine Band, wie kam es dazu?

Enno: Ich schrieb schon länger deutschsprachige und auch englischsprachige Lieder, wollte mir nach meinem Abitur den Kindheitstraum erfüllen, ein Album aufzunehmen und eine Tour zu spielen, allerdings hierbei nicht den rhythmischen Faktor vernachlässigen – deshalb fragte ich Nils und Bernd, ob sie nicht Lust hätten daran mitzuwirken. Menschlich und vor allem auch musikalisch ging diese Triokonstellation voll auf. Als wir irgendwann merkten, dass wir ja nun eine Band sind, hatten wir  bereits jede Menge Konzerte unter meinem Namen gespielt. Es gab die ersten größeren Auftritte und ein paar Radiobeiträge – wir wollten diesen kleinen erarbeiteten Bekanntheitsgrad nicht durch einen neuen Bandnamen verlieren, und nun denkt manch einer, ich hätte eine Persönlichkeitsspaltung oder so, wenn ich auf die Bühne gehe und sage „Hallo, wir sind Enno Bunger.“

Eure erste Platte steht in den Läden, bis es dazu kam seid ihr allerdings einen langen Weg gegangen, erzählt doch mal ein wenig darüber.

Bernd: Als Band gehen wir diesen Weg jetzt schon seit über drei Jahren. Hätten wir vorher gewusst, dass es so lange dauert, hätten wir vielleicht nicht so lange durchgehalten ;). Aber es gab eben auch immer wieder kleine Zwischenziele, Konzerte und EPs mit denen wir uns bei Laune gehalten, bzw. beschäftigt haben. Wir haben in der Zeit etwas über 100 Konzerte gespielt und die zu einem großen Teil auch alle selbst gebucht. Auch die EPs haben wir komplett in Eigenregie aufgenommen, produziert und im Anschluss über das Netz und auf Konzerten vertrieben. So haben wir stetig versucht, unseren Kreis immer mehr zu erweitern und immer mehr Leute auf uns aufmerksam zu machen. Nach und nach gesellten sich dann unser Management, der Verlag und unser Produzent hinzu, bis wir dann vor einem Jahr etwa unseren Vertrag mit PIAS in der Tasche hatten und mit Target Concerts eine Konzertagentur, die ab jetzt die Konzerte für uns bucht.

Für viele Hörer eurer Musik stehen sicherlich die Texte im Vordergrund, wer schreibt die Texte bei euch und wie entstehen sie? (Vielleicht exemplarisch die Entstehungsgeschichte eines Songs, wenn es da etwas Besonderes zu berichten gibt).

Enno: Es gibt ja immer irgendein aktuelles Ereignis, das einen beschäftigt oder berührt. Diese Themen oder Gefühle versuche ich, in Texten zu verarbeiten und zu reflektieren. Nicht selten sind diese Texte Monologe. Wenn ich z.B. wie in „Herzschlag“ singe, dass ich alle Angst verloren habe, ist das eher Zielsetzung als eine Feststellung. Man könnte sagen, ich Texte, um selbst ein Stück weit besser durch den Tag zu kommen, um etwas enthusiastischer an die gesetzten Ziele heranzugehen, sich selbst ein bisschen mehr zuzutrauen. Das ist auch großer Themenbestandteil des Albums.

Ich persönlich bin, neben der guten Lyrics, vor allem durch die Instrumentierung eurer Stücke beeindruckt. Dieser Sound ist nicht so typisch für eine Band aus deutschen Landen. Wie ist dieser Sound entstanden?

Enno: Ja, während wir anfangs selbst noch dachten, dass uns eigentlich eine Gitarre fehlt, habe ich das als Herausforderung gesehen, diese Lücke mit meinem Klavierspiel zu schließen, den Beweis zu erbringen, dass man auch ohne Gitarre Rockmusik machen kann. Dieser Plan ging auf, wir verzichten inzwischen ganz bewusst auf eine Gitarre, wodurch das Klavier natürlich sehr in den Vordergrund rückt. Somit genießen wir auch eine Art Exotenbonus, wir sind, soviel ich weiß, die einzige deutschsprachige Klavierband.

Sagen wir zumindest mal eine der wenigen, Montag wäre zum Beispiel eine weitere Band, deren Stücke zum großen Teil auf Klavierparts beruhen. Aber, der Einsatz von Orgel und Bläsern auf eurem Album ist ebenfalls etwas Besonderes. Auffallend ist auch, dass die Instrumente nicht von Keyboards oder ähnlichem nachgespielt werden, sondern dass es sich um die Originalinstrumente handelt. Was steckt dahinter?

Enno: Ich glaube, synthetischen Instrumenten oder nachgebildeten Klängen fehlen meistens die so wichtigen organischen Dinge wie Nebengeräusche oder eine leichte Verstimmung, was ja oft gerade den Charme bei Musikinstrumenten ausmacht. Ich habe noch nie eine Kirchenorgelsimulation gehört, die an die Wärme einer echten Kirchenorgel herankommt. Mindestens genauso stolz sind wir darauf, einen 33köpfigen sehr talentierten Jugendkammerchor aufgenommen zu haben, der sehr motiviert und begeistert das erste Mal an so einer Produktion teilgenommen hat. Zugegebenermaßen konnten wir unseren Anspruch, Originalinstrumente zu benutzen, leider nicht ganz erfüllen. Auf dem Weg zu den Streicheraufnahmen, platzte mir ein Reifen auf der Autobahn. Der daraus entstandene finanzielle Schaden sprengte das Produktionsbudget, und wir mussten dann doch auf synthetische Streicher zurückgreifen, die aber durchaus authentisch klingen.

Auf der Suche nach einem Vergleich fiel mir sofort Jochen Distelmeyer und auch seine alte Band Blumfeld ein, in wie weit wurdet ihr durch ihn inspiriert?

Enno: Irgendwo ist ja jegliche Musik, mit der man sich auseinandersetzt oder die man hört, automatisch eine Inspirationsquelle, insofern wohl auch er. Er hat einige Lieder geschrieben, die mir gefallen, „Schnee“, der Opener des letzten Blumfeldalbums wäre z.B. eines davon.

Enno, du hast mal einen Song mit Björn Kleinherz aufgenommen, zählt er auch zu deinen Inspirationsquellen? Wo liegen ansonsten eure Quellen der Inspiration?

Enno: Jetzt erzähl mir nicht, dass Du davon noch eine Aufnahme hast? Wir haben nach einem gemeinsamen Konzert im Dezember 2005 zusammen gefeiert und eine schwedisch-deutsche Trashversion von „Stille Nacht“ improvisiert und aufgenommen – mit Bernd am Schlagzeug! Björn ist ein toller Mensch und ein phantastischer Songwriter.

Bernd: Ich glaub, ich hab`s auch noch irgendwo. Das war wirklich großartig… Schmeißen wir zu Weihnachten mal auf den Markt, oder Enno?

Enno: Unbedingt! 😉

Herzschlag ist eure erste Single, wieso habt ihr euch für diesen Song entschieden? Welches sind sonst eure Lieblingssongs auf dem Album und warum?

Enno: Das variiert von Tag zu Tag, je nach Laune. Es sind ja sehr unterschiedliche Titel auf dem Album. Einer meiner musikalischen Favoriten ist „Weltuntergang“, weil da am Ende soviel passiert.

Bernd: Bei mir ist es aktuell „Unfassbar“, weil er mir auf der Bühne auch am meisten Spaß macht. „Herzschlag“ als erste Single auszuwählen und noch weit vor dem Album zu veröffentlichen diente dazu, die Leute da draußen auf uns aufmerksam zu machen und langsam auf das Debütalbum vorzubereiten, sozusagen.

Enno: Es ist ein Titel, der einen Neuanfang thematisiert – insofern passte es thematisch auch ganz gut als erste Single.

Was läuft derzeit auf euren MP3-Playern?

Enno: Mumford & Sons, The Leisure Society, Kashmir.

Bernd: Editors, Bon Iver, Local Natives.

Enno, war es schon immer dein Ziel Musik zu machen? Was machst du neben der Musik? Würdest du diese Tätigkeit aufgeben wenn du mit eurer Musik den großen Wurf landest?

Enno: Musik war seit meinem dritten Lebensjahr der Hauptbestandteil meines Lebens. Ich ging zur musikalischen Früherziehung, hatte sehr lange Instrumentalunterricht (Klavier, Horn, Orgel, Gesang). Eigentlich habe ich es immer schon als meine Berufung gesehen, Musik zu machen und es war seither mein Ziel, davon leben zu können – mit dem Wissen, dadurch wahrscheinlich niemals gut situiert zu sein. Solange ich einen Beruf ausüben darf, der mich erfüllt, macht es mir nichts aus Geringverdiener zu sein.

Wie sieht momentan euer normales Bandleben/Bandalltag aus?

Enno: Auto fahren, Internet, E-Mails, Telefon, MySpace, Facebook, Homepage bauen, Auto fahren, Promoarbeit, Interviews, Auto fahren, warten, Auto fahren, Konzerte spielen.

Bernd: Ab nächste Woche dann auf jeden Fall wieder mehr von den Konzerten und etwas weniger Internet etc ;-).

Ihr habt gerade bei den CeBit Sounds gespielt, wie sind eure Erfahrungen mit solcherlei Veranstaltungen und was bringt euch eurer Meinung nach ein Auftritt bei diesen Veranstaltungen.

Bernd: Ich denke, dass ein so genanntes Showcase in erster Linie dafür da ist, mehr Leute auf einen selbst aufmerksam zu machen. So was ist dann leider auch nicht wirklich messbar, aber wir lieben es ja so oder so Konzerte zu spielen, also nehmen wir gerne auch so was mit!

Welches Projekt oder Thema ist Euch im Jahr 2010 besonders wichtig (Tour, Album, Event)?

Bernd: Also eigentlich ist uns im Zusammenhang mit der Musik und der Band alles wichtig. Aber wie bereits erwähnt, steht ab nächster Woche endlich das Touren und Konzerte im Allgemeinen wieder im Vordergrund! Ich freue mich wirklich sehr auf die Tour.

Welche Bands würdet ihr gerne mal supporten?

Enno: Da gibt es sehr viele. The National, Death Cab for Cutie, Sigur Rós, …

Bernd: Ja, das sind in der Tat sehr viele… Mir fallen da spontan noch Keane ein. Dürfte ja auch ganz gut passen.

Welche Band sollte euch einmal supporten wenn ihr Stars seid?

Enno: Es wäre total toll, wenn ein goldener Sarg auf der Bühne stünde und Michael Jackson zur Musik von Thriller wieder auferstehen würde, am Besten am Ostersonntag.

Klingt doch nach einem guten Plan, vielleicht könnte man das dann gleich im TV ausschlachten, das würde euch sicher enorm viel Presse bescheren. Apropos Fernsehen, in welcher Fernsehshow würdet ihr gerne mal auftreten?

Enno: Ich würde gerne mal in der Miniplaybackshow für Erwachsene, im ZDF Fernsehgarten spielen, mir dort eine Gitarre umhängen und in den Pool springen. Danach würden wir dann die Bandkarriere an den Nagel hängen, weil wir dann alles erreicht hätten was wir wollten.

Wenn ihr euch selber als Comichelden beschreiben müsstet, wer währt ihr?

Enno: Erni, Bert und Animal!

Bernd: Das sind alles keine Comichelden, Enno 😉 Ich selbst wäre gern Wolverine. Nils ist wohl Superman, ganz klar. Bei Enno bin ich etwas unsicher…

Enno: Pumuckel ist auch kein Comicheld, oder?

Zum Schluss, stellt euch doch selber mal eine Frage und beantwortet sie.

Enno: Bernd, wie schmeckt Dir der neue Enno-Bunger-Tee, den jeder Besucher, solange der Vorrat reicht, bei unseren Konzerten geschenkt bekommt, und welche Wirkung erzielt er bei Dir?

Bernd: Der Tee schmeckt natürlich fantastisch. Wenn ich den trinke, bin ich einfach nur supergut drauf und hab total viel Energie für den Tag!

Info: www.ennobunger.de

(Alexander Kluth)