THE PICTUREBOOKS

Drei Typen, die zusammen weit jünger sind als Ray Davies und dennoch wurde stilsicher ein Kinks-Song als Namensgeber gewählt. Das Trio reduziert sich auf das Wesentliche.  Protest, Verweigerung, Aufbegehren und ein großes dickes „Fuck you!“. Rockklischees treffen Zeitgeist und wirken dabei lebendig und frisch, ungewaschen und aggressiv, aufreizend provozierend und immer wieder eingängig.

Was mir an eurem neuen Album stark auffällt, ist, dass manche Songs den eigentlich zu erwartenden Ausbruch weglassen(i am drawing hearts on your jeans und dance tiger dance in gewisser weise). Hattet ihr bei den Aufnahmen ein wenig Angst, dass euch das als Zahmheit ausgelegt werden könnte?

Wir haben das Gefühl, dass heutzutage Musik machen immer mehr zu einer Art „malen nach zahlen“ mutiert. das ist DER Metal-Sound, so hört sich DAS Ska-Stück an, so muss ein Song klingen, damit er im Radio gespielt wird etc. Ein Teil dieses Malens nach Zahlen wäre es, aus unserer Sicht, bei einigen Songs gewesen eine Art „großes Finale“ zu erzwingen. Das als Zahm zu bezeichnen wäre falsch, es wäre in den entsprechenden Fällen eher „einfacher“ gewesen, aber an „einfacher“ hatten wir kein Interesse.

Ein Markenzeichen von Artificial Tears(dem Album jetzt) ist meines Erachtens die sehr dominante Rhythmusfraktion. Gab es Songs, wo als erstes der Beat, bzw ein Basslauf bestand, der dann weiter ausgebaut wurde? Sagt doch bitte generell was über den Songschreibeprozess des neuen Albums.

Wir haben unseren Proberaum im Studio von Fynn´s Papa, Claus Grabke, mit dem wir unsere Alben zusammen produzieren in den „Claus-Grabke-Studios“. Meistens hat jemand ne idee, sei es ein Beat, Basslauf, Gitarren-Riff, Gesangs-Linie oder nur eine Text-Zeile, auf der wir dann rum-jammen. Wir können dann direkt die idee aufnehmen und alles andere drum herum aufbauen. Das ist ein großer Vorteil, den wir sehr zu schätzen wisse, da wir uns noch gut daran erinnern, wie wir bei uns auf dem Dachboden aus IKEA Mülltonnen ein Schlagzeug gebaut haben und wir pro Tag 5 Minuten hatten zum proben, weil sich sonst die Nachbarn beschwert hatten oder die Bullen kamen.

Ein Begriff trifft auf Artificial Tears sicher uneingeschränkt zu: Intensität. Alles wirkt ziemlich „live“. Auf welche Weise habt ihr im Studio diese Atmosphäre eingefangen und ist es nicht schwer(mehrere Takes etc. ) dieses Gefühl des Nahtlosen in einer Studiosituation beizubehalten?

Da wir ja unseren Proberaum im Studio haben und eigentlich so oder so unsere ganze Zeit im Studio verbringen, ist es für uns Alltag im Studio zu arbeiten. Wenn wir selbst nicht aufnehmen, hängen wir dort dann meistens einfach ab wenn andere Bands da sind wie z.B. „The Datsuns“, „The Jessica Fletchers“,“Donots“,“Muff Potter“, “Dampfmaschine“,etc.
Wir legen sehr viel Wert darauf, alles an dem wir arbeiten, auf einem möglichst hohen Niveau zu halten. Manche Songs spielen wir Live ein, manche nur zum Teil. Die Chöre nehmen wir meistens draußen auf und jagen die durch eine 2,50 Meter breite Hall-Spirale aus den 50ern, die wir vor einer Kirche als Sperr-Müll gefunden haben. Wir versuchen immer sehr räumlich zu klingen. Benutzen gerne mehrere Gitarren Amps gleichzeitig. Wir benutzen sehr viel Vintage Equipment und verbinden das mit Moderner Recording-Technik. Die Räume im Studio klingen toll! wir mikrofonieren alles eher von etwas weiter weg und benutzen gerne Mikrofone und Positionen, die so nicht im „Lehrbuch“ stehen…

Um noch mal auf die Rhythmik und den Songaufbau der Songs zu sprechen zu kommen: Korrigiert mich, wenn ich da falsch liege aber einige Songs, der Titeltrack zum Beispiel, erinnern mich vom Aufbau her ein wenig an die Großtaten des Glamrocks. Gibt es jemanden bei euch, der eine Schwäche für diese Art von Musik hat?

Als erstes legen sehr hohen Wert darauf nicht zu klingen wie etwas was es schon gibt, wie es unserer Meinung nach Viel zu viele Bands tun. Wir haben das Gefühl das Deutsche Bands immer einen Internationalen Act einfach kopieren und eine deutsche Version daraus machen, z.B. Die deutschen Strokes oder die Deutsche Version von Kate Nash. Sowas kommt für uns nicht in Frage. Wir hören privat ein Riesen Spektrum an Musik. Unter anderem auch Glamrock. Wir versuchen aber nicht irgendetwas zu kopieren sondern haben Bands wie T-Rex, David Bowie, The Stooges aber auch Bands wie The Smiths, Roxy Music, The Velvet Underground, The Cure, The Beatles, Kraftwerk… in die Wiege gelegt bekommen und das ist wahrscheinlich einfach in uns. Wir versuchen es zu machen wie sie, sie haben versucht etwas anderes, etwas neues zu machen und nicht ein Abklatsch von etwas anderen zu sein. Einer der einzigen Deutschen Bands die das geschafft hat sind Kraftwerk. Als kleine „Hommage“ an Kraftwerk haben wir bei „Sensitive Feelings All Electric“ einen Sample von ihnen benutzt.

Wäre das neue Album eine folgerichtige Entwicklung aus dem letzten Album, wie glaubt ihr, würde sich dann das nächste Album anhören?

Darüber machen wir uns noch keinen Kopf. Im Moment probieren wir viel mit verschiedenen Stimmungen für Gitarre und Bass herum. Wir wissen nur das wir drei Alben in drei Jahren raus bringen wollen. Ob wir danach 1 ½ Jahre brauchen für das nächste oder nur ein halbes Jahr sehen wir dann.

Ihr seid ja jetzt mit dem neuen Album auf Tour unterwegs, welche Erwartungen habt ihr diesbezüglich?

Wir wollen auch möglichst viel im Ausland touren. Kontakte nach England gibt es schon, unser letztes Video wurde viel dort gespielt. Wir haben einen internationalen Agenten und hoffen, dass da viel geht! Ansonsten ist das Ziel möglichst viel zu spielen!

So, zum Schluss dürft ihr noch etwas loswerden, was euch vielleicht wichtig ist, in diesem Interview aber nicht zur Sprache kam, here you go:

LIVE AND LET LIVE, BE A VEGETARIAN!!!
THE PICTUREBOOKS
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Info: www.myspace.com/picturebooksthe

(Martin Makolies)