JONA STEINBACH: „Zwischen Reflektion und Verdrängung“

Mit „Alles negieren“ meldet sich Jona Steinbach aus der Versenkung zurück! Jona? DER Jona? Genau der, dessen Debüt „Sich freuen bei 150“ und Nachfolger „Teilen Was Du Weißt“ geprägt waren von einfühlsamen und lyrischen Texten und nicht unverdient von der deutschen Indie-Presse abgefeiert wurden. Er tourte mit „Die Sterne“ und „Tomte“ und machte sich einen Namen als Singer/Songwriter. Doch, wie es nun einmal ist, plötzlich ist die Luft raus und Jona Steinbach musste wieder zu sich selbst finden. Der Wandel der Zeit, Knebelverträge und gescheiterte Projekte. Alles Vergangenheit und  mit „Alles negieren“ beginnt ein neues Kapitel.

Thees Uhlmann schrieb damals über dein Debüt: „vor mir liegt eines der besten deutschsprachigen Debüts, die ich bis jetzt mitbekommen habe”. In wieweit hat Dir dieses Zitat weitergeholfen und dich gepusht oder war es dann doch eher belastend, weil plötzlich jeder Tomte Fan gewisse Erwartungen hatte?

Jona: Es mit Sicherheit geholfen. Eine Bürde war es aber niemals. Bei dem was Thees so alles lobt können die Leute glaube ich schon differenzieren…

Hat man es als deutschsprachiger Singer/Songwriter in der heutigen „download-Zeit“ eigentlich besonders schwer?

Jona: Das kann ich schlecht beurteilen, da ich ja noch keine Musik veröffentlicht habe als das Internet noch keine Rolle gespielt hat. Aber im Gegensatz zu meinen ersten beiden Platten 2003 & 2004 hat sich das Geschäft noch mal sehr verändert. Ich glaub die nachrückende Generation hat eine etwas eingeschränkte Aufmerksamkeitsspanne, bedingt durch die ganzen schnellen Medien und dadurch wird es für Musik die Zeit und Aufmerksamkeit braucht auch immer schwieriger. Sowas wie Bon Iver  bestätigt das nur. Da macht einer mal ruhige Musik und das wird dann gehypt wie Lady Gaga oder MGMT. Da fehlt ein bisschen die Verhältnismäßigkeit.

Wie viel Idealismus steckt hinter Jona Steinbach? Was motiviert dich?

Jona: Bei den Aufnahmen hätte ich gesagt: Null Idealismus. Jetzt nach den ersten Konzerten seh ich das schon wieder ganz anders. Wenn man nach Leipzig fährt und da unter Umständen vor 15 Leuten spielt ohne sich runter ziehen zu lassen gehört da schon unheimlich Willen zu. Mich motiviert es dann tatsächlich einfach meine Lieder zu singen, die mir einiges bedeuten und meist findet man gerade bei solchen Konzerten die treusten Fans.

Auf deiner MySpace Seite steht bei „Einflüsse“ u.a. Sparklehorse, deren Frontmann Mark Linkous sich am 06.03 das Leben genommen hat. Was beurteilst du diesen Suizid?

Jona: Einen Suizid sollte man nicht beurteilen. Ich bin einfach nur irre traurig weil mir die Musik sehr viel bedeutet. War auch das einzige Konzert bei dem ich vor Aufregung ohnmächtig geworden bin. Versteh das einer: erst Elliott, dann Vic und jetzt Mark Linkous.

In einem Review zu „Teilen was du weißt“ wurdest du als „musikalischer James Dean bezeichnet. Schmeichelhaft, zutreffend oder völlig daneben? Wie siehst du es?

Jona: Absolut nicht zutreffend. Weder so wild, noch so gutaussehend.

Warum hat es zwischen deinem letzten Album „Teilen was du weißt“ und dem jetzigen so lange gedauert? 6 Jahre, sind eine verdammt lange Zeit.

Jona: Ich habe in der Zeit ein weiteres Album geschrieben und mit Band fast fertig aufgenommen, das allerdings über den Status einer Vorproduktion nie heraus kam. Irgendwie hat das ganze Gefüge nicht gepasst. Hinzu kam dass ich in einem Knebelvertrag fest hing, den ich erst letztes Jahr lösen konnte.
Frustriert von all dem wollte ich eigentlich schon aufhören, aber dann waren die Lieder auf einmal da und mit ihnen der Wille noch mal eine Platte zu machen.

Wie würdest du dein aktuelles Album „Alles negieren“ im Zusammenhang mit den Begriffen Intuition und Reflektion betrachten?

Jona: Das ganze Album schwankt immer zwischen Reflektion und Verdrängung. Sowas wie „In den Gedanken“ geht da ja explizit drauf ein: Zu ahnen dass man sich auf den Schein eingelassen hat und das dennoch zu ignorieren, weil es einem nichtsdestotrotz etwas geben kann…
Natürlich mache ich reflexive Musik, andererseits nervt es mich wenn ständig so getan wird das Leute die – wie ich – Musik mit Tiefe machen immer zuhause, grübelnd und zaudernd, an ihrem Schreibtisch sitzen würden. Ich sehe mich viel eher in der Disko, im Stadion, im Flugzeug usw. Keine Spur von Trauerkloßdasein…

Auf mich wirkt der Titelsong wie ein augenzwinkernder Kommentar zu den Inhalten des restlichen Songs auf dem Album. Welche Bedeutung hat „alles negieren“ in Beziehung zum Rest des Albums und andererseits allein stehend für sich selbst?

Jona: Einerseits war das als Ansage ganz schön: Nach 5,6 Jahren noch mal ein Album zu veröffentlichen das so heißt.
Aber das Lied steht auch so für sich und zeigt das was ich in der Frage vorher beschrieben hab wieder: Diese Zerrissenheit: Sich gehen lassen und trotzdem nicht stumpf sein.

An manchen Stellen auf deinem neuen Album wirkt die Instrumentierung opulent („Kugel“), fast schon orchestral. Weshalb hast du dich für diese Art des Arrangierens entschieden?

Jona: Das hat sich Song für Song so ergeben. Bei „Gedanken“ oder „Es wird böse enden“ war es von vornherein klar, dass das ganz reduzierte, fragile Stücke werden. Bei „Kugel“ oder „Negieren“ habe ich länger mit Benedikt Filleböck an den Arrangements gefeilt und einfach ein bisschen ausprobiert. Es war aber auch schon vorher klar dass die Platte nicht nur eine Farbe haben soll.

Ein Song wie „Seite“ strahlt dieses Gefühl aus, dass man zwar nicht wirklich weiß, warum man gerade etwas Bestimmtes tut, es aber dennoch nicht lassen kann. Ist das tatsächlich etwas, was dir in deinem Leben öfters widerfährt oder hast du hier bewusst ein romantisiertes Ideal in Szene gesetzt?

Jona: Die Situation in dem Lied ist natürlich total stilisiert, aber ich kann mich  durchaus damit identifizieren.

Das Cover von ALLES NEGIEREN ist nicht sonderlich geeignet für Farbenblinde. Warum und wieso hast du es so gestaltet?

Jona: Fred von Haute Areal hat das Cover gemacht und meine Ansage war dass ich auf keinen Fall ein Indiecover haben will, so mit Akustikgitarre und Radio (so was wie Gisbert…) Und dann haben wir halt ein Technocover gemacht.

Welches der Super Mario Spiele ist dein liebstes?

Jona: Yoshis´ Island (Nicht direkt Mario gehört aber auch in die Famile).

Du legst in Köln bei der Trash-Pop Party auf. Welches sind die fünf schrecklichsten Lieblingslieder welcher auf keiner Trash-Pop Party fehlen dürfen?

Jona: Ich lege überhaupt keine Musik auf die ich schrecklich finde. Das ist wirklich so.
Deswegen hier lieber die schönsten 5

Symbol – Most beautiful Girl in the World
Münchener Freiheit –  Solang man Träume noch leben kann
Al Bano & Romina Power – Felicita
Snap – Rythm is a Dancer
Beyoncé – Crazy in Love

Info: www.myspace.com/jonamusik

(Martin Makolies & Markus Tils)