ESCAPADO: Die logische Konsequenz

Der Song „Gezeichnet“ passt wie die Faust aufs Auge. Sänger Helge und Bassist Gunnar wollten nicht mehr und verließen im Juli 2009 die Band. Auflösen oder weiter machen? Sebastian und Christoph entschieden sich fürs Weitermachen und schwiegen über die Vorkommnisse rund um Helge und Gunnar. Mit Felix war schnell ein Bassist gefunden, der genau das hatte, was der neue Sänger haben musste. Felix durfte ans Mikro und mit Johannes fanden die Jungs schließlich den richtigen für den Bass. Die Arbeiten zum neuen Album konnten beginnen. Ein Album und zugleich ein Neubeginn. Eine Aufgabe, die nicht schwerer hätte sein können, aber mit „Montgomery Mundtot“ grandios gemeistert wurde.

„Montgomery Mundtot“ scheint eine sehr starke Kombination aus Aggression, Schmerz und irgendwie hoffnungsvollen Gefühlen zu sein. Wie seht ihr den Track und warum wurde er zum Titelsong?

Sebastian: Der Song ist eine Art Bestandsaufnahme des täglichen Wahnsinns. Der Text beschreibt die Diskrepanz zwischen persönlichen und öffentlichen Interessen, wobei er leider auch keine Lösung, aber doch zumindest ein kräftiges Kopfschütteln beinhaltet. Hoffnung findet sich eher darin, dass schon davon ausgegangen wird, dass viele Menschen mehr in sich tragen, als sie von sich geben. Das kann ein Text ja auch leisten: Dass man vielleicht merkt, man steht mit diesem oder jenem Gedanken nicht alleine da. Allein diese Erkenntnis kann unter Umständen bereits etwas in einem Menschen bewirken. Titelsong wurde das Lied auch deshalb, weil es die musikalische Spannbreite des Albums gut repräsentiert.

Was hat euch motiviert nach dem Ausstieg von Helge und Gunnar trotzdem unter dem Namen Escapado weiter zu machen? Für was steht Escapado und was bedeutet diese Band für dich?

Sebastian: Wir wollten einfach weiter Musik machen und nach längerem Überlegen und in neuer Besetzung zusammenspielen haben wir beschlossen, dass es für uns und die Musik das Beste ist, mit Escapado weiterzumachen. Es wäre einfach nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, um aufzuhören. Mir wäre ehrlich gesagt auch kein besserer Name für diese Musik eingefallen, denn die ist nach wie vor genau das, was sie schon immer war. Für was unsere Band steht, darüber hat wohl jeder seine eigene Meinung. Für mich ist diese Band ein Gemisch aus Freundschaft, Herzblut, Zeitfresser, Spaß, Reisen, Erleben, Ventil und nicht zuletzt die beste Plattform, um musikalische und textliche Ideen einem smarten Publikum entgegenzubringen.

Als ihr begonnen habt, in der neuen Bandkonstellation zu arbeiten, hat da von Beginn an alles gepasst oder gab es erst Abstimmungsprobleme, die geklärt werden mussten?

Sebastian: Natürlich mussten wir uns erst in gewissen Dingen neu abstimmen und finden. Aber inzwischen hat sie das alles bestens eingespielt.

Wie seid ihr dieses Mal bei der Entwicklung des Albums vorgegangen, wie viele Ideen hat jeder Einzelne von euch mit einfließen lassen?

Sebastian: Ich denke mir seit jeher die Songs für diese Band aus und so ist es auch immer noch, wobei natürlich jeder trotzdem seine individuelle Note mit einbringt. Wenn Chris anfängt Schlagzeug zu spielen, erkenne ich das sofort unter tausend anderen Schlagzeugern. Zudem hat Felix bei den Texten einen großen Teil beigesteuert. Das hat alles super funktioniert.

Wenn ihr das neue Album mit früheren Veröffentlichungen vergleicht, würdet ihr sagen, dass ihr mit eurem dritten Album euren Stil verfeinert oder neu definiert habt?

Sebastian: Ich würde sagen, wir haben unseren Stil wieder ein bisschen weiterentwickelt und um ein paar Eckpfeiler erweitert. Im Endeffekt ist das Album wahrscheinlich einfach die logische Konsequenz aus all dem, was uns in den letzten beiden Jahren widerfahren ist. Die Musik und die Stimme klingen irgendwie neu und trotzdem ist da nach wie vor überall Escapado rauszuhören.

Bitte beschreib etwas die Art und Weise, wie ihr als Band zusammen mit Kurt Ebelhäuser gearbeitet habt. Wie kam die Verbindung eigentlich zustande und was war ausschlaggebend für die Zusammenarbeit?

Sebastian: Wir haben mit Kurt Ebelhäuser und Sascha Hoffmann im Tonstudio 45 in Koblenz aufgenommen. Kennengelernt haben wir uns schon hier und da im Festivaljahr 2008. Rock am Bach und Omas Teich waren das glaube ich. Ausschlaggebend war, dass wir zum einen etwas Neues ausprobieren wollten und zum anderen Kurt dafür unser Wunschproduzent war. Die Aufnahmen liefen später sehr entspannt und problemlos. Kurt hat uns zu jeder Sekunde das Gefühl gegeben, dass wir da eine richtig gute Platte aufnehmen. Das hat uns gut getan. Überhaupt war das eine sehr gute Zusammenarbeit. Wir können den Jungs nur danken!

Während der Arbeiten am Album, musstet ihr euch da mit irgendwelchen Schwierigkeiten plagen?

Sebastian: Nein, überhaupt nicht. Das hat mich selbst überrascht, denn wir haben da durchaus auch schon andere Erfahrungen gemacht. Aber diesmal lief wirklich alles reibungslos.

Gibt es eigentlich einen roten Faden, der sich durch das Album zieht?

Sebastian: Und ob! Schon der Begriff „mundtot“ und die Thematik, die mit diesem Begriff einhergeht, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Aber auch musikalisch empfinde ich das Album zwar abwechslungsreich, aber doch homogen zugleich.

Ihr habt ein Video zum Song „Gezeichnet“ gedreht. Was könnt ihr uns über die Arbeit daran erzählen und wie wird das Video aussehen?

Sebastian: Das Video haben wir zusammen mit Kay Otto und seinem Team in der T-Stube Rendsburg gedreht. Das war ein großer Spaß und das kann man sich dann in ein paar Tagen bereits auf den gängigen Seiten ansehen.

Ihr werdet bald auch auf Tour gehen. Was braucht ihr in eurem Backstageraum?

Sebastian: Überhaupt einen Backstageraum zu haben wäre schon mal nicht schlecht.

Wie wichtig ist euch das eigentlich das Livespielen? Verändern sich die Songs durch die Konzertauftritte?

Sebastian: Ich denke mal, jeder Band ist das Livespielen am wichtigsten. Der ein oder andere Song verändert sich durch die Reaktionen, die wir auf den Konzerten erhalten, dann auch noch mal. Manchmal verlängert man einen Part oder wirft einen wieder raus, spielt dies und jenes etwas anders. Aber das meiste bleibt schon in etwa gleich.

Werdet ihr nach den Konzerten noch ein wenig mit dem Publikum feiern?

Sebastian: Ab und zu bestimmt! Kommt auch immer darauf an, wie der Abend gelaufen ist und was am nächsten Tag ansteht.

Welcher Aspekt des Musikmachens kann dich immer noch richtig begeistern?

Sebastian: Da gibt es mehrere. Schön ist es zum Beispiel immer wieder, wenn man eine Idee hat, die zunächst nur im Kopf existiert, und wenn man die dann mit der Band zusammen spielt und dadurch die Idee quasi zum Leben erweckt. Mit Sounds und Rhythmen zu experimentieren. Zu spüren, wie bestimmte musikalische Dinge wachsen, das ist auch etwas Tolles. Die Songs live zu spielen und in dem Moment mit anderen zu teilen ist sowieso total super. Und durch das Musikmachen und Touren lernt man zudem eine Menge Leute kennen und es entstehen Freundschaften. Musikmachen kann einem die Welt letztendlich ein Stückchen näher bringen.

Info: www.myspace.com/escapado

(Markus Tils)