BAYSIDE: Emotionen freien Lauf lassen

„Das ist ein neues Kapitel, ein Neuanfang für uns“, sagte Gitarrist Jack O’Shea im Vorfeld über das neue Album. Nach vier Veröffentlichungen auf Victory Records erscheint das fünfte Album der Band aus Long Island auf Wind-Up Records. Dieser Wechsel tat der Band gut und man kann die Äußerung O’Sheas beim hören des neuen Werks gut nachvollziehen. „Killing Time“ ist gespickt mit großartigen Nummern. Harte Gitarren treffen auf tolle Melodien und werden durch die unvergleichbare Stimme von Sänger Anthony Raneri im wahrsten Sinne des Wortes vergoldet. Auch wenn es abgedroschen klingt, ist „Killing Time“ das wohl reifste Album der Band und reiht sich somit in der Bandeigenen Discographie ganz oben ein. Nach der Tour mit A Day To Remember schickten wir Sänger und Gitarrist Anthony Raneri einige Fragen zum aktuellen Stand der Band und zum neuen Album „Killing Time“.

Wie geht es dir?

Anthony: Prima, danke. Wir waren gerade 6 Wochen außerhalb Amerikas auf Tour. So lange waren wir noch nie aus Amerika fort. Dementsprechend ist es schön wieder Zuhause zu sein, obwohl die paar Wochen in Großbritannien, Europa und Australien sehr viel Spaß gemacht haben.

Ihr habt euch Dezember 2000 gegründet. Wie habt ihr euer 10-jähriges Bestehen gefeiert?

Anthony: Es waren 10 lange Jahre. Gefühlt vermutlich doppelt so viele 🙂  Unser Jubiläum haben wir in NY mit einer kleinen Show gefeiert. Wir spielen ziemlich viel altes Material, dass wir lange nicht mehr auf unserer Setliste hatten. Es war ein verdammt schöner Abend.

Was kann man von eurem neuen Album „Killing Time“ erwarten?

Anthony: Sicherlich viel Altbewährtes. Der Unterschied zu den vorherigen Alben und Songs ist der, dass wir uns die Zeit genommen haben, die wir brauchten. Wir haben sichergestellt, dass die Lieder aus unserer Sicht perfekt sind. Früher konnten wir die Songs nicht wirklich auf uns wirken lassen, um sie gegebenenfalls zu verbessern. Es war keine Zeit vorhanden, um selbstkritischer mit dem Material umzugehen. Auf „Killing Time“ haben wir endlich die Möglichkeit gehabt vieles auszuprobieren. Neben harten und schnellen, sind auch eingängige und langsamere Songs drauf.

Ist „Already Gone“ ein gutes Beispiel für den Gesamteindruck der Platte?

Anthony: Ja, viele Songs sind genauso aggressiv wie „Already Gone“. Wir mögen es, solche Songs zu schreiben. Gerade live lassen die Leute dabei ihren Emotionen freien Lauf und gehen ordentlich ab. So sollte es auch sein.

“Killing Time” ist euer erstes Album auf Wind-Up Records. Worin Unterscheidet sich die Zusammenarbeit im Vergleich zu Victory Records, eurem alten Label?

Anthony: Es gibt ein nur ein Wort, was den Unterschied zwischen Wind-Up und Victory Records am besten beschreibt: SUPPORT. Wo sich Chancen bieten, unterstützt uns Wind-Up so gut wie sie können. Das war früher leider nicht so der Fall.

Was kannst du uns über den Entstehungsprozess von „Killing Time“ erzählen?

Anthony: Mittlerweile ist es für uns schon ein routinierter Ablauf. Es beginnt mit Akustikgitarre und einer Gesangsmelodie. Man schreibt den Song Zuhause und schiebt ihn für einige Wochen zur Seite. Sollte das Material nach dieser Zeit immer noch begeistern, setzen wir uns dann alle gemeinsam dran und feilen an diesem Stück in unserem Proberaum.

Ihr habt mit britischen Produzenten Gil Norton (Foo Fighters, Jimmy Eat World, Dashboard Confessional, Maxïmo Park usw.) zusammen gearbeitet.

Anthony: Richtig. In vielerlei Hinsicht  ist für uns ein Traum in Erfüllung gegangen. Gil Norton war von Anfang an unser Favorit, mit dem wir das Album produzieren wollten. Er war auch gleich Feuer und Flamme, als er unser Demo hörte. Wir – als Band – hatten zwar genaue Vorstelllungen, aber er hat uns bei den Aufnahmen mit seinen Ideen wirklich inspiriert und nach vorne gebracht. Gil hat wirklich einen großen Anteil an „Killing Time“.

Auf “Killing Time” befinden sich 10 Songs. Wie viele Songs habt ihr im Vorfeld fertig gestellt?

Anthony: Es waren 16 oder 17 Songs, die wir für „Killing Time“ aufgenommen haben. Wir werden die noch verbliebenen Songs in irgendeiner Form veröffentlichen. Wir dachten, dass die 10 Songs von „Killing Time“, einfach am besten zusammen funktionieren und das Album entsprechend umschließen.

Wie würdest du die Entwicklung von Bayside vom ersten Album bis zum heutigen Zeitpunkt beschreiben?

Anthony: Wir sind eine Band, bei der Authentizität und Identität hörbar ist. Wir machen das, was wir am besten können und haben in den letzten Jahren viel dazu gelernt. Ob als Musiker oder als Songwriter, dieser Prozess endet nie und es macht riesig Freude, dies zu leben.

Das Cover von „Killing Time“ ziert einen Astronaut, der in einem Imbiss sitzt und isst. Wie seid ihr auf dieses Bild gestoßen?

Anthony: Das Bild stammt vom Fotografen Hunter Freeman, dass wir im Internet gefunden haben, lange bevor wir überhaupt einen Titel für unser Album hatten. Wir lieben das Bild, weil es zu uns als Band und zum ganzen Prozess um „Killing Time“ einfach passt.

Welche Tourpläne stehen auf dem Programm?

Anthony: Wir werden hier Co-Headliner bei der Take Action Tour sein und freuen uns sehr auf diese Tour mit  Silverstein, Polar Bear Club, The Swellers and Texas In July. Sonst ist noch nichts geplant.

Info: www.baysidebayside.com

(Markus A. Tils)