5BUGS: „Appell an die Kraft“

Die Berliner Punkrocker 5 Bugs legen in diesen Tagen mit „Vora City“ ihr bereits 4. Studioalbum vor und beweisen einmal mehr, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Keine unnötigen Streicher, keine Synthies und auch kein Pianointro – „Vora City“ zeigt nur in eine Richtung. 5 Bugs lieben auf der Bühne so richtig Gas zu geben, und genau das soll sich auf dem neuen Album auch musikalisch widerspiegeln. Grund genug um uns mit Gitarrist Snöt über das neue Werk  zu unterhalten.

Glückwunsch! 10 Jahre 5Bugs. Mit welchen Ambitionen seid ihr damals eigentlich gestartet und habt ihr bis jetzt alles erreicht, was ihr euch vorgestellt habt?

Snöt: Vielen Dank für die Glückwünsche. Wir hatten als Teenager nichts anderes vor, als gute Musik zu machen und ein Leben als Musiker zu führen. Hätte man uns damals gesagt, dass wir heute Festivals wie Rock am Ring spielen, auf MTV laufen und mit Nightliner auf Tour gehen, wären wir wahrscheinlich wild durcheinandergelaufen und hätten geschrien: „Jaaawolll!“ Aber man lernt ständig dazu und heute wissen wir, dass wir noch mehr erreichen können und wollen. Sich nur über Höhepunkte zu freuen, täuscht über die Realität hinweg.

Rückblickend, was ist die überflüssigste Anschaffung, die ihr als Band je gemacht habt?

Snöt: Haha, auf Tour kauft man so manche unsinnigen kleine Dinge, aber mir fällt da sogar noch was anderes ein: Wir haben mal mit einem Synthie experimentiert – das hat uns letztendlich aber nur von der Musik abgelenkt. Wir haben uns für das neue Album „Vora City“ wieder auf das Wesentliche besonnen: Bass, Gitarre, Schlagzeug und Gesang – das ist alles was man braucht für eine ordentlich rockende Platte…

Was war die beste und die schlechteste Entscheidung eurer Karriere?

Snöt: Die beste Entscheidung ist, niemals aufzugeben. Die schlechteste Entscheidung war wohl, direkt nach einem Konzert in Wien gleich wieder nach Berlin zu fahren – nicht nur, dass wir auf dieser Fahrt einen Unfall mit erheblichem Backline-Schaden hatten, außerdem ist uns so die Aftershowparty durch die Lappen gegangen. Das machen wir dieses Jahr anders, wenn wir am am 14.11. mit unseren Freunden von Itchy Poopzkid und 3 Feet Smaller in der Ottakringer Brauerei spielen!

Nach „Best Off“ nun mit „Vora City”  ein komplettes Konzeptalbum. Was hat euch dazu gebracht ein Konzept für ein Album zu entwickeln?

Snöt: Wir sind nach dem „Best Off“-Album ehrlich gesagt etwas faul gewesen und haben uns lange nicht darum gekümmert, neue 5Bugs-Songs zu schreiben. Dann haben wir uns endlich aufgerafft und beschlossen, eine neue Platte aufzunehmen und um das Ganze auch für uns selbst etwas spannender zu gestalten, wollten wir uns diesmal einen festen Rahmen setzen. Es war ein voller Erfolg, fokussiert auf das hinzuarbeiten, was wir erreichen wollten – und es ist uns denke ich gelungen, ein in allen Dimensionen stimmiges Ganzes zu schaffen und das Album „Vora City“ zu einem ganz besonderem 5Bugs-Erlebnis zu machen.

Ihr begrüßt den Hörer in „Vora City“ erst mit dem zweiten Track des Albums. Wie kann und darf man die Reihenfolge der Tracks auf dem Album verstehen?

Snöt: Der erste Song „All We’ve Ever Had“ versteht sich als allgemeiner Prolog über die Menschheit im ewigen Dilemma zwischen Zerstörung und Wiederaufbau. Erst nach dieser Ouvertüre, die den grundsätzlichen Handlungsspielraum andeutet, wird der Hörer mit dem zweiten Track im Schauplatz aller Handlungen, der Stadt „Vora City“, willkommen geheißen – das ist genial, aber das haben die Komponisten der großen Opern auch schon immer so gemacht. Und so ist jeder einzelne Song ein Kapitel in der großen Geschichte der Stadt, und die Handlung endet trotz aller Missstände mit einem hoffnungsvollen Appell an die Kraft jedes einzelnen und der Gemeinschaft, die Dinge zu ändern: „We’re the Everlasting“, und damit sind wir praktisch wieder am Anfang des Albums…

Warum musste es ausgerechnet eine fiktive Stadt sein in der ihr euer Album projektiert?

Snöt: Vora gibt es übrigens wirklich, das liegt in Albanien. Aber das habe ich auch erst später von meinem Bruder erfahren. Wir wollten eine Stadt, in der unsere Geschichten spielen können, ohne uns durch reale Grenzen einzuengen. So verwirklichen wir ein zusammenhängendes Konzept und können dabei trotzdem zu 100% kreativ bleiben.

Hätte man auch eine reale Stadt – sagen wir Berlin –  nehmen können?

Snöt: Natürlich – gerade Berlin ist ja zur Zeit ein viel besungener Ort. Bestimmt hätte man so an konkreteren Beispielen teilweise sogar etwas anschaulicher erzählen können. Aber für uns ist viel wichtiger, größere Zusammenhänge aufzuspüren und darin gleichzeitig Platz für Interpretationen und verschiedene Konklusionen zu bieten. Wir wollen keine Journalisten sein, die Tatsachenberichte verfassen, sondern mit unserer Musik unsere Hörer bewegen.

Fühlt ihr euch denn immer noch durch das rasende Leben in Berlin inspiriert oder kann es auch mal die Stille Potsdam sein?

Snöt: Zunächst einmal sind wir zwangsläufig von Berlin inspiriert, einfach weil wir hier wohnen. Aber trotzdem nimmt man gerade wenn man unterwegs ist eine Menge Eindrücke auf. Und das Schöne daran ist die Vielseitigkeit: Stille findet man auch in Berlin und das rasende Leben auch in Potsdam, dort haben wir ja den Abschluss unserer letzten Tour im Lindenpark gefeiert. Dafür sind wir dieses Jahr zum 10-Jahres-Jubiläum wieder in Berlin, am 12.11. im Festsaal Kreuzberg.

Ein Song heißt „A Place Called Home“. Was ist für euch Heimat?

Snöt: Heimat ist das Hier und Jetzt, eine komplexe Konstruktion aus Raum, Zeit, Geschichte, Realität und Fiktion. Das impliziert positive aber auch negative Emotionen und auch wenn „Vora City“ düster und seelenlos erscheint, ist die Stadt mit all ihren Gesichtern unser Leben die Heimat unseres neuen Albums. Genau darum geht es auch in „A Place Called Home“.

Ihr habt ein Video zu „We Are The Everlasting“ gedreht. Ich hätte ja vermutet, dass es irgendwie im Stil des Booklets ist, was es aber letztendlich nicht ist. Dennoch, welche Idee steckt hinter dem Video?

Snöt: Zusammen sind wir stark, und wir geben alles! Diese unmissverständliche Konsequenz des Albums schien uns ideal, um uns zurückzumelden. Passend dazu geht der Song schön nach vorne. Und das fantastische Video, in dem wir auch als Opas nur genau das tun und lassen, was wir wollen, beweist es:„We are the Everlasting“.

Gibt es denn schon Pläne für eine zweite Singleauskopplung und einem Video?

Snöt: Wir haben gerade noch ein weiteres Video gedreht, man darf sehr gespannt sein!

Vora City wurde von eurem Bandkollegen Florian Nowak produziert? Wie es das so, wenn der Produzent gleichzeitig auch noch der Gitarrist ist? Kam man da nie in Schwierigkeiten? Hatte er immer das letzte Wort gehabt?

Snöt: Ja, Flo hat das Album produziert und dabei großartige Arbeit abgelegt. Das ist für uns aber nichts Neues, denn das haben wir schon immer so gehandhabt. Einerseits ist das natürlich eine Herausforderung, während des Songwritings und der Produktion mit der Doppelrolle von Flo umzugehen, andererseits hat ja Genialität oft mit Schizophrenie zu tun… Aber im Ernst, kein Produzent der Welt könnte die Band so gut verstehen, wie Flo als Teil der Band.

Nach den Donots und Itchy Poopzkid habt ihr nun auch euer eigenes Label gegründet. Was hat euch dazu bewegt diesen Schritt zu wagen? Ist es mittlerweile die einzige Chance für Punkrock Bands, sich im immer noch kriselnden Musikbusiness authentisch zu präsentieren?

Snöt: Eine Platte selbst zu produzieren und rauszubringen ist eigentlich immer der authentischste Weg, sich zu präsentieren. In einem hochkommerzialisierten Markt fehlen uns so zwar die finanziellen Spielräume, um mit einem riesen-Werbebudget jeden Hans Pampel auf uns aufmerksam zu machen, aber den wollen wir auch gar nicht. Wir wollen lieber die Leute, die sich interessieren, die unsere Musik wirklich zu schätzen wissen und nicht einfach nur Musik hören, weil sie bekannt ist. Klar sind wir so darauf angewiesen, dass unsere Fans uns dann auch ihren Freunden weiterempfehlen – aber wir sind überzeugt, dass wir auf diese Art viel nachhaltigeren Erfolg haben können.

Ist dieses Label in erster Linie da, um eigene Platten zu veröffentlichen oder habt ihr auch vor Bands zu signen?

Snöt: Unser Label hat die Funktion, unser Album „Vora City“ rauszubringen – wir sehen das nicht als autarke Geschäftsidee, sondern als Teil der Band. Es wird also keine Veröffentlichungen von anderen Bands geben.

Warum sollte man unbedingt die Vora City Tour auf keinen Fall verpassen?

Snöt: Ich bin mir ganz sicher, dass die neuen Songs gerade live ihre volle Energie entwickeln, ich kann es jedenfalls kaum erwarten auf Tour zu sein. Außerdem sind wir ja keine abgehobenen Schnösel, sondern feiern auch gerne mal zusammen mit den Besuchern unserer Shows. Also kommt gefälligst alle!

An dieser Stelle vielen Dank für das Interview. Habt ihr noch irgendwas, was ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Snöt: Sex, Drugs & 5Bugs!

Info: www.5bugs.com

(Markus A. Tils)