AN EARLY CASCADE: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“

Die Stuttgarter Jungs von An Early Cascade melden sich mit „Versus“ zurück aus dem Proberaum und katapultieren sich ins Rampenlicht der deutschen Post-Hardcore Szene. Experimentierfreudig und selbstbewusst, so zeigen sich An Early Cascade auf ihrem Werk, während Sänger Maik Czymara indes unsere Fragen beantwortet.

Zwischen eurem neuen Album „Versus“ und „Your Hammer to My Enemy“ liegen drei Jahre. Für viele eine sehr lange Zeit. Was habt ihr all die Jahre gemacht?

Maik: Das ist wohl wahr eine lange Zeit. Vor allem heutzutage, wo alles schnell gehen und vor allem super aktuell und trendy sein / bleiben muss. Drei Jahre sind lang. Aber genau die haben wir auch gebraucht! Nach dem Release von „Your Hammer To My Enemy“ sind wir natürlich erst einmal mächtig, zumindest für unsere Verhältnisse, auf Achse gewesen. Das Mini-Album kam im Oktober 2008 raus. Anschließend waren wir direkt bis Ende 2009 fast 50 Tage, davon zwei zusammenhängende Touren im April und Oktober, unterwegs. Über den frühen Sommer in 2009 gab es dann einen Besetzungswechsel an den Drums und später zum  Jahreswechsel am Bass. Damit war klar, dass wir zunächst sehr viel Zeit investieren müssen um zu einer neuen Einheit zusammenzufinden bevor wir neue Wege beschreiten.

Wie lange habt ihr an „Versus“ gearbeitet? Hattet ihr einen Vision davon, wie das Album klingen soll?

Maik: Lange. Unser Gitarrist Daniel hat, so meine ich, bereits Anfang 2009 angefangen neue Riffs und Ideen zu entwickeln. Allerdings haben erst die Besetzungswechsel und die Zeit nach den vielen Shows ab Ende 2009 den nötigen Raum gelassen, um sich über die weitere musikalische Entwicklung von An Early Cascade im Klaren zu werden. Das war dann aber auch genau das Problem. Nach den Besetzungswechseln hatte jeder in der Band so seine eigenen Vorstellungen wie es weiter gehen soll. Deshalb hat es auch ordentlich Zoff und Krach zwischen uns allen gegeben. Das Songwriting hat überhaupt nicht funktioniert in diesem Zustand. Wir hatten versucht gemeinsam an den Songs zu arbeiten, haben dann aber relativ schnell festgestellt, dass das nicht funktioniert. Zwischenzeitlich hatte ich sogar überlegt die Band zu verlassen, weil wir uns nur noch zankten. Erst mit der Zeit, dem Songwriting-Alleingang von Daniel (Gitarre) und dem allein daheim Texte / Gesangslinien schreiben von mir, kamen wir uns Stück für Stück wieder etwas näher. Von daher kann ich dir die zweite Frage nur mit einem einfachen „Nein“ beantworten. Wir hatten wirklich keine Ahnung was oder wie das Album wird. Wir hatten noch nicht einmal einen Namen. Wir wussten allerdings, dass es anders werden würde!

Der Track “ In Between Mountains″ springt aus dem restlichen Raster des Albums heraus. Was hat euch dazu bewogen, solch einen rein instrumentalen Track mit auf das Album zu nehmen? Man hat das Gefühl, dass er als Interlude dient und das Album in zwei verschiedene Hälften trennt.

Maik: Nur wer die Originalfassung von „Versus“ in Form einer CD besitzt versteht das. Mehr verrate ich nicht!

„Versus“ ist nicht nur der Titel des Albums, sondern auch der letzte Track. Für was steht „Versus“?

Maik: Der Track- und Albumname „Versus“ steht für all das was wir während der Zeit zur Entstehung von „Versus“ in der Band miteinander erlebt und durchgemacht haben. Sehr intensiv und emotional. Allerdings ist der Text des Songs selbst eher persönlich aus meiner eigenen Perspektive geschrieben.

“Everything Is Wrong. Everything Is OK” – was wollt ihr mit diesem Song ausdrücken?

Maik: „Everything Is Wrong. Everything Is OK.“ ist der Ausdruck des Gegensatzes auf „Versus“ an sich. Ich möchte den inhaltlichen Interpretationsspielraum nicht vorwegnehmen, aber so viel kann ich sagen: Lyrisch gibt der Song exakt das wieder, was das Album für mich persönlich darstellt und gleichzeitig auch nicht. Ein Gegensatz. „Versus“ eben!

„Dancing Upon The Moon“ – ein Jugendtraum?

Maik: Eigentlich ist „Dancing Upon The Moon“ ein Love Song. Der Titel beschreibt mehr das Gefühl als die physikalischen Eigenschaften oder den Ort. Es ist allgemein der erste Song in der Geschichte von An Early Cascade, welcher von Liebe handelt, wenn auch nicht gleich so offensichtlich.

Produziert wurde „Versus“ von Jan Kerscher (Ghost City Recordings). Welchen Anteil hat er an diesen Album und wie hat sich seine Arbeit bemerkbar gemacht.

Maik: Jan ist langjähriger Freund der Band. Wir haben damals (2004) unsere aller ersten Songs bei ihm aufgenommen. „Ghost City“ war sogar mein Vorschlag als Studioname. 😉
Demnach war klar, dass wir so etwas wie „Versus“ nur jemandem in die Hände geben können dem wir wirklich vertrauen. Jan hat wirklich sehr viel investiert, dass wir unsere CD so aufnehmen konnten, wie wir und auch er das wollten. Komplett neues Studio, neues Equipment und alles analog! Wir waren die erste Band die im neuen Studio aufgenommen hat, deshalb haben wir ihm auch noch bei ein paar Dingen (Ikea Einkäufe, Umzug, usw.) tatkräftig unterstützt. Da wir allerdings auch auf freundschaftlicher Basis zusammen arbeiteten, gerieten wir natürlich an der einen oder anderen Ecke des Öfteren einmal aneinander. Ich denke aber, dass das ganz normal ist und genau das untermalt „Versus“ noch viel deutlicher. Jan leistet ganz großartige Arbeit. Als Produzent und ebenso als Mischer und Recording / Sound Engineer. Man merkt es besonders an der Experimentierfreudigkeit des Albums, dass da Jan an den Effekt-Reglern stand. Er kennt uns einfach schon so lange und ihm war das Album mindestens genauso wichtig wie uns. Deshalb war er genau der Richtige. Danke Jan!

Was mich überrascht ist die Tatsache, dass ihr überhaupt nicht danach klingt aus Stuttgart zu kommen und auf einem sehr hohen Level anzusiedeln seid. Was wollt ihr mit An Early Cascade erreichen?

Maik: Wow! Das freut mich sehr zu hören. Ja eigentlich steht Stuttgart, zumindest was populär ist, mehr für Hip-Hop. Wir selbst wollten natürlich super gerne eine große Tour machen, um unsere Musik den Menschen auf der Welt näher zu bringen die vielleicht nicht unbedingt die Möglichkeiten und Chancen haben / kennen Anderes oder Neues zu entdecken. Band intern sagen wir immer „ne‘ fette Nightliner-Tour“ bei der einfach alles stimmt. Große Konzerte mit vielen Menschen die mit uns Party machen!

Was bedeutet für euch die Musik? Was würdest ihr ohne Musik machen?

Maik: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ – Treffender kann ich es in eigenen Worten leider nicht ohne einen Monolog von unendlicher Länge formulieren.

Was kommt nach dem Release des Albums? Wie soll es danach weitergehen, gibt es bereits Pläne für Tour?

Maik: Unbedingt! Eigentlich war eine Tour noch dieses Jahr geplant. Das hat zeitlich leider nicht ganz hingehauen. Deshalb kann ich dir leider keine Pläne für eine Tour bestätigen. Allerdings sind wir gerade dabei uns für diesen Bereich Unterstützung zu holen, um hoffentlich nächstes Jahr ausgiebig zu touren!

Info: www.anearlycascade.com