THE TOURIST: Die Reise kann beginnen

Die Hardcore-Szene im Düsseldorf-Kölner Raum schwärmt schon seit geraumer Zeit von diesem Quartett. Mit einem Demo und der EP „When we’re done we gossip“ haben sich The Tourist einen berüchtigten Ruf erspielt. Jetzt ist es an der Zeit, den weiter auszubauen. Mit ihrem Debütalbum „We live, we doubt, we scream, we shout“ wird das gelingen, so viel ist sicher.  Denn The Tourist heben sich von anderen Bands des Genres deutlich ab. Austauschbar sind andere – nicht The Tourist. Koffer packen, es kann los gehen.

Nach einem Demo, der EP „When we’re done we gossip“ habt ihr es endlich geschafft mit „We live, we doubt, we scream, we shout“ euer erstes Full-Length Album aufzunehmen. Wie groß ist die Erleichterung, dass ihr es nach unzähligen Besetzungswechseln am Mikro dieses endlich geschafft habt?

Fabi: Für mich war es ein zweischneidiges Schwert.  Natürlich waren wir zum einen erleichtert, vor allem da wir fast ein Jahr auf diesem Album gesessen hatten und kaum erwarten konnten es dem Volke zu präsentieren. Zum anderen standen wir da nun wieder mal mit unserem leider zur Routine gewordenen „Sänger-Problem“. Die Platte war fertig und unser damaliger Sänger Noah verließ uns kurz darauf. Das schlug natürlich auf die Stimmung und wir waren genervt, dass wir das fertige Album nicht gebührend als vollständige Band mit Konzerten promoten konnten. Denn es begann wieder mal die große Sängersuche, die allerdings überraschend gut klappte und wir in Bob schnell einen geeigneten Kandidaten fanden.
In dem Album steckt wahnsinnig viel Arbeit, Zeit und Herzblut und wir sind unheimlich stolz und letztendlich auch durchweg erleichtert. Nun freuen wir uns als vollständige Band mit Bob am Mikro auf die Zukunft.

Ist es nicht demotivierend, wenn der Sänger eigentlich ständig wechselt? Gab es da mal den Punkt, wo man das Kapitel „The Tourist“ beenden wollte und was hat euch immer wieder motiviert weiter zu machen?

Gaston: Natürlich gab es solche Momente. Es gab immer Momente in denen Dinge einfach nicht so glatt gelaufen sind und vor allem im Sänger Department gab es, wie du schon sagst, immer Probleme. Wenn dann zum zigsten Mal der Sänger flöten geht mit dem man grade eine Platte aufgenommen hat, ist das schon sehr demotivierend. Wir machen aber jetzt schon seit so vielen Jahren gemeinsam Musik, dass das auch ungemein abhärtet. Das Musikmachen selbst ist uns einfach zu wichtig um es einfach so an den Nagel zu hängen.

Wie habt ihr letztendlich euren neuen Shouter Bob kennen gelernt?

Bob: Ich bin vor knapp einem Jahr nach Köln gezogen und war über die Musikszene dort etwas enttäuscht. Ich bin eigentlich Gitarrist, habe immer in irgendwelchen HC/Punkbands gespielt und wollte hier gerne eine Doom/Sludge- oder Hardcoreband ins Leben rufen, kannte aber absolut nicht die Leute dafür. Bin dann eines Abends auf die Together-Show im MTC gegangen, bei der Ihsan (Ex-Lavatch, Bedrooms) The Tourist am Gesang ausgeholfen hat. Damals haben mir die Jungs schon gut gefallen, ich war zu diesem Zeitpunkt noch zu verbissen in den Gedanken Gitarre zu spielen, als dass ich auf die Idee gekommen wäre, mich bei The Tourist als Sänger zu bewerben, vor allem weil ich vorher noch nie in einer Band gesungen hatte. Einen Monat später blätterte ich durch den damaligen Studioblog der Band und da hatte ich dann die, zur damaligen Zeit für mich äußerst absurde Idee, es einfach mal zu versuchen… Ich mailte Gaston, wir trafen uns alle zu ein paar Proben und es klappte erstaunlich gut.

Wenn man nach „The Tourist“ googelt erscheinen eher Informationen über den gleichnamigen Film mit Johnny Depp und Angelina Jolie anstelle einer Hardcore Band aus Düsseldorf. Wie habt ihr damals angefangen und wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Gaston: Ja, uns hat der Film da echt einen ganz schönen Strich durch die Rechnung gemacht, haha. Damals als der Name entstanden ist kamen wir alle grade aus einer Deathcore Band. Wir hatten das Getue satt und das Immer-auf-dicke-Hose-machen, deshalb wollten wir auch für unser neues Projekt einen Namen, der etwas unscheinbarer ist und nicht direkt fünfzehn andere Bands ins Gedächtnis ruft, die vielleicht ähnliche Musik machen. Das was wir mit unserer Musik machen wollten, sollte sich auch ein wenig im Namen widerspiegeln.

Ihr selbst bezeichnet euren Sound als Ambiente-, Progressiven Hardcore. Was sind aus eurer Sicht die Key-Facts, die diesem Bild entsprechen?

Basto: Das habe ich mal so bei Myspace angegeben. Im Endeffekt trifft es Ambiente (noch) nicht hundertprozentig, aber wir versuchen immer eine Atmosphäre aufzubauen, die den Hörer bei den Songs hält. Progressive, weil wir wiederkehrende Abschnitte in den Songs immer abwandeln und fortführen. Es ist also eigentlich nie das gleiche Schema zu finden. Natürlich achten wir darauf das man dem ganzen noch folgen kann, versuchen aber durch diese Element die Songs etwas spannender zu machen.

Worum geht es in euren Texten? Seht ihr euch auch als politische Band, oder stehen bei euch persönliche Inhalte im Vordergrund?

Gaston: Es ist schon vorwiegend Persönliches über das wir schreiben. Meistens sind das Dinge die mich grade beschäftigen oder die mir persönlich wichtig sind, Musik stellt für mich auch ein total wichtiges Mittel zur Verarbeitung meines Alltages dar. Wenn man mal manche Texte von uns ihrer Metaphorik berauben würde, könnte man sich echt wundern was für doofe Sachen das manchmal sind, haha.

In den meisten Reviews erhält euer Debüt-Album „We live, we doubt, we scream, we shout“ gute Kritiken. Seid ihr selbst überrascht, wie gut euer Album aufgenommen wird?

Fabi: Also, wir waren alle sehr zufrieden mit dem Endprodukt und haben natürlich gehofft, dass die platte gut ankommen würde. Dass einige Kritiken dann doch so gut ausfielen und teils überschwänglich waren, hat uns dann doch aus den latschen gehauen. Darüber freuen wir uns bombastisch!

Gab es auch Feedbacks in Form von Reviews etc. wo ihr euch als Band komplett missverstanden gefühlt habt?

Bob: Komplett missverstanden jetzt nicht direkt, es gab wohl ein paar Vergleiche und Bezeichnungen die uns selber jetzt nicht direkt so eingefallen wären. Eigentlich klar, denn als Interpret hast du in der Regel ja eine komplett andere Beziehung zu deiner Musik und dessen Wirkung als die meisten Hörer. Da wird dann, logischerweise, in Rezensionen auf dem kürzesten Weg versucht unsere Musik mit geläufigen Schlagwörtern zu beschrieben.
Letztens wurden wir mit Shai Hulud in Verbindung gebracht. Das haben wir zwar selber noch nie so gesehen, sind aber dennoch stolz auf den Vergleich.

Eurer Album „We live, we doubt, we scream, we shout” stellt ihr zum kostenlosen Download zur Verfügung. Was war ausschlaggebend für diesen Schritt und seit ihr mit der Anzahl der Downlaods zufrieden?

Basto: Für uns war es der einzige Weg um so viele Leute wie möglich zu erreichen. Es gibt leider kaum noch Leute die sich CD’s oder Platten kaufen. Alle wollen immer Shirts, Beute etc. Musik kann man ja eh einfach so runterladen. Wir haben Vergleichsweise wenig Geld in die Produktion des Albums gesteckt, weil wir doch sehr viel selbst gemacht haben. Aber trotzdem ist es eine Menge. Hätten wir jetzt CD’s und noch mehr Platten pressen lassen, hätten wir noch mehr ausgegeben und wahrscheinlich weniger Leute erreicht. So kann sich jeder ohne „finanzielles Risiko“ das Album anhören und wenn es demjenigen gefällt, die Platte auf einer Show kaufen.

Darüber hinaus habt ihr 300 limitierte Vinyl-Exemplare pressen lassen. Sind da schon alle vergriffen?

Alle: Schön wär’s, hihi. Nein, jetzt mal im Ernst: Ja. (Alle hihi)

Eure Release-Show habt ihr als Düsseldorfer Band in Köln durchgeführt. Warum denn das?

Basto: Wir haben die Show ja nicht einfach nur in Köln gemacht. Wir haben die Show im Aetherblissment gemacht. Mit den Leuten dort fühlen wir uns verbunden. Es gibt nicht viele Leute in Deutschland, die aus so einer ehrlichen Motivation heraus Shows veranstalten, Musik hören, kaufen und leben. Und von dieser Köln-Düsseldorf Rivalität halten wir gar nichts. Bob wohnt in Köln und ich ziehe Ende des Jahres nach Köln.

Habt ihr euch bzgl. The Tourist bestimmte Ziele für die nähere Zukunft gesetzt, oder lasst ihr sie auf euch zukommen und guckt was passiert?

Basto: Wir haben schon gewisse Vorstellungen wie es mit The Tourist weitergehen soll. Allerdings können wir grade nicht alles genau planen, da wir immer mehr von unseren Jobs oder dem Studium eingenommen werden. Außerdem wohnt Bob bald in Berlin. Deswegen müssen wir erstmal gucken wie das in Zukunft so funktioniert.

Aber wir arbeiten grade an einem jahrelangen Wunsch: einer Tour. Da ist allerdings auch noch nichts spruchreif.

Danke für das Interview, das letzte Wort gehört euch.

Alle: In manchen Dingen steckt man einfach nicht drin.

Info: www.facebook.com/thetouristhc

HIER kann man sich das Album „We live, we doubt, we scream, we shout“  kostenlosen downloaden

(Markus A. Tils)