WE CAME AS ROMANS: „Wenn wir eines sicherlich nicht brauchen, dann ist es noch mehr Negativität“

David Stephens von We Came as Romans über Gewalt in Amerika und den Stempel der Christenband.
Im dem kleinen Backstage-Vorraum der Essigfabrik, der von gemütlichen, ausrangiert aussehenden Sofas umrahmt ist, treffe ich einen gutgelaunten, wenn auch müde aussehenden David Stephens.

Erzähl mir doch mal, wie du zur Musik gekommen bist.

David: Als ich noch ein kleiner Junge war, haben meine Eltern mich dazu gezwungen, Klavierstunden zu nehmen. Ich habe das immer gehasst – jede einzelne Sekunde! Rückblickend bin ich meinen Eltern aber dankbar, dass sie mich damals zu den Klavierstunden geschickt haben, weil das mein Interesse für Musik geweckt hat. Später habe ich dann noch weitere Instrumente gelernt.

Wie viele Instrumente spielst du denn?

David: Ich spiele Saxophon, Gitarre und ein bisschen Drums. Aber mein wichtigstes und liebstes Instrument ist meine Stimme.

Hast du Nebenprojekte?

David: Ich denke schon länger darüber nach und hätte auch richtig Lust dazu, aber wir sind so viel unterwegs und ich bin schon mit WCAR so beschäftigt, dass sich das bisher nicht ergeben hat.

Eure Texte sind voller biblischer Symbole und Referenzen. Trotzdem streitet ihr vehement ab, eine christliche Band zu sein.

David: Ein Großteil der Bandmitglieder hat einen christlichen Hintergrund und ist mit der Bibel aufgewachsen.Das gilt auch für Joshua, der die meisten Texte schreibt. Aber ich sehe da eine Trennung zwischen dem eigenen religiösen Hintergrund und dem Label „Christenband“. Das sind wir nämlich nicht, auch wenn viele unserer Texte biblische Referenzen tragen. In erster Linie handelt es sich um positive, lebensbejahende und spirituell inspirierte Texte – ganz unabhängig von religiösen Festlegungen. Nur weil die Musik etwas härter ist, verbinden die meisten Menschen damit auch negative, gewalttätige Texte. Eine Ausnahme sind da tatsächlich die christlichen Bands und das ist sicherlich auch ein Grund, warum wir in diesen Topf gesteckt werden.

Was ist denn deine ganz eigene Vorstellung von Spiritualität?

David: Man muss kein Christ sein, um ein guter Mensch zu sein und ein positives Leben zu führen. Meine Freundin ist zum Beispiel ein ganz wundervoller, liebevoller Mensch, der gut mit anderen umgeht. Sie ist keine Christin. Eine Sache, die alle Bandmitglieder von WCAR teilen ist das Ziel, gute Menschen zu sein, die nett zu anderen sind und die Welt so zu einem schöneren Ort zu machen. Eine christliche Band können wir schon allein deshalb nicht sein, weil nicht alle Bandmitglieder an Gott glauben oder religiös sind. Ich persönlich bin kein Mensch, der strikt christlich lebt, auch wenn ich an Gott glaube. Aber das ist eine Sache zwischen Ihm und mir. Etwas sehr Persönliches.

Du redest davon, die Welt zu ändern. Wenn das in deiner Macht stünde: womit würdest du anfangen?

David: Ach da gibt es natürlich viele Baustellen. Es gibt große, globale Probleme, die es zu lösen gilt. Hunger und Krieg ist da ja der Klassiker. Aber ich würde mit kleinen Dingen anfangen. Wenn die Menschen sich gegenseitig einfach ein bisschen besser behandeln würden, dann würde das eine Menge Probleme lösen – vielleicht sogar die großen. Wenn es den Menschen wichtiger wäre, wie es anderen geht – nicht um ihrer selbst willen, sondern einfach, weil es schön es, wenn es anderen gut geht. Das würde alles ändern! Wenn Menschen anfangen würden, “hallo” zu sagen, statt den Blick nach unten zu richten oder den Menschen, an denen man auf der Straße vorbei läuft mit einen Lächeln zu begegnen. Es sind solche kleinen Dinge, mit denen man anfangen muss. Alles in der Welt würde etwas leichter fließen und das würde sich langfristig sicherlich auch auf die großen Probleme positiv auswirken.

Und wenn du die Realität betrachtest? Bewegen wir uns in diese Richtung.

David: Leider kann ich eine solche Entwicklung nicht feststellen. Eher im Gegenteil. Die Menschen vertrauen einander immer weniger. Es herrscht Angst. In den meisten größeren Städten würde dich dein Nachbar eher mit einer Waffe hinter dem Rücken, als mit einer Tasse Tee begrüßen, aber da kommt es natürlich auch drauf an, wo man ist. Wir kommen aus Detroit – eine der Städte mit der höchsten Gewaltkriminalität in den USA. Das verrückte ist aber, dass jenseits des Detroit Rivers Kanada liegt, wo man nur einen minimalen Anteil der Gewaltkriminalität verzeichnen kann. Da fragt man sich schon, wie die Trennung durch einen Fluss so einen Unterschied machen kann. Das Land, aus dem wir kommen ist da schon ein extremes Beispiel für Gewalt und Misstrauen.

Besitzt du  eine Waffe?

David (lacht): Nein! Ich lebe in einer netten Nachbarschaft etwas außerhalb von Detroit. Ich hoffe einfach, dass Amerika seine Probleme in den Griff bekommt und dass es besser wird. Das ist auch ein Grund, warum uns die Positivität in unserer Musik so wichtig ist. Man kann über alles singen und shouten, was einem so in den Sinn kommt, aber wenn wir eines sicherlich nicht brauchen, ist es noch mehr Negativität auf dieser Welt.

Info: www.wecameasromans.com

(Lyra Nanerendij)