ZSK : „Unfassbar dankbar“

Am Freitag den 13.09.2013 spielten die Jungs von ZSK in der Hamburger Markthalle. Wir haben die Gelegenheit ergriffen und mit Joshi  über die vor kurzem stattfindenden Konzerte mit den Toten Hosen, die Stadt Hamburg und viele andere Dinge geredet.

Heute ist Freitag der dreizehnte: für viele ein „Unglückstag“. Eure Einstellung gegenüber „Gott“ und der „Kirche“ dürfte fast allen bekannt sein. Gibt es dennoch eine Art Ritual, welches ihr vor jedem Auftritt durchführt?

Joshi: Wie du schon sagst, ist Aberglaube für mich etwas Mittelalterliches. Ich finde es bescheuert wenn Menschen ernsthaft glauben, dass etwas „von da oben“ gesteuert wird. Jeder lebt sein Leben und hat dieses auch selbst in der Hand.

Um auf deine Frage zurückzukommen: Vor jeder Show stellen wir uns im Kreis auf und klopfen uns gegenseitig auf die Schultern. Meistens trinken wir auch noch ein Schnäpschen zusammen (lacht). Dabei ist uns der Schnaps egal – wir trinken das, was gerade da ist!

Ist da auch ab und an der typische „Punkpfeffi“ dabei?

(Joshi verzieht das Gesicht)

Joshi: Es gibt einen Schnaps den wir nicht trinken würden – Und das wäre der Pfeffi!

Ihr wart gerade mit den Toten Hosen auf Tour. Schon das zweite Mal in eurer Bandgeschichte.

(Joshi steigt sofort ein, ohne dass ich eine Frage formulieren konnte. Er wusste wohl schon worauf ich hinaus will!)

Joshi: Klar, 2005 waren wir schon mit denen unterwegs. Das ist für uns eine ganz große Ehre. Normalerweise nehmen die jede Band nur einmal mit. Es gibt nur ganz wenige Bands die sie zweimal mitgenommen haben. Das müssten die Donots, wir und (überlegt…) noch irgendeine Band sein, die mir aber gerade nicht einfällt. Und dann nehmen die uns tatsächlich ein zweites Mal mit. Das freut uns natürlich umso mehr!

Wie habt ihr die Konzerte mit den Toten Hosen erlebt?

Joshi: Das ist manchmal schon ein harter Kampf! Da stehen 20.000 Leute, von denen uns 19.900 nicht kennen. Die wollen alle die Toten Hosen sehen;  die sind nur wegen denen da. Da musst du dich richtig reinhängen. Da musst du 150 % geben damit den Leuten das gefällt. Wenn man da viele Leute wie in Hamburg hat, die einen schon kennen und mitgehen, dann erleichtert einem das die Arbeit schon sehr.

Es gab auch andere Shows mit den Hosen. In Neu-Ulm zum Beispiel kannte uns so gut wie keiner. Demzufolge konnte auch keiner mitsingen. Da musst du wirklich alle Register ziehen!

Das ist aber auch eine große Herausforderung. Bei einer Clubshow wie heute, da kannst du machen was du willst. Die Leute sind da, um uns zu sehen. Da können wir uns den einen oder anderen Spaß erlauben. Als Support der Toten Hosen hast du nur 30 Minuten. Da muss alles knallen!

2007 habt ihr euch überraschend aufgelöst. Das vorerst letzte Konzert spieltet ihr damals hier in Hamburg im Übel & Gefährlich. Dann gab es 2011 die Reunion. Das erste Konzert nach der Wiedervereinigung stieg wieder in Hamburg – im Docks. Warum gerade Hamburg? Was verbindet ihr mit Hamburg?

Joshi: Neben Berlin ist Hamburg eine Stadt in der wir ganz viele richtig gute Freunde haben. Außerdem sind die Konzerte hier immer richtig verrückt und gut. Dass das letzte Konzert 2007 in Hamburg stattfand war eher Zufall aus der damaligen Tourplanung heraus. Wir dachten damals nicht, dass wir hier aufhören müssen. 2011 wollten wir aber unbedingt hier wieder anfangen! Wir dachten uns, dass wir da wieder einsteigen müssen, wo es 2007 vorerst endete.

Auch wenn euch die Frage schon mindestens 100mal gestellt wurde: Bitte reiß nochmal ganz kurz an, warum ihr euch nach 4,5-jähriger Pause wieder zusammengefunden habt!

Joshi: Wir hatten Bock und alle anderen haben uns gestresst und meinten, dass wir doch noch einmal starten sollten (lächelt). Dann haben wir uns einfach mal aus Spaß getroffen und überlegt, ob wir nicht mal wieder eine Runde drehen sollten. Anfangs war nur eine Tour geplant. Eine Tour für die Leute, die uns all die Jahre die Treue gehalten haben, aber auch für diese, die nie die Gelegenheit hatten uns live zu sehen. Das wir uns dann aber tatsächlich noch einmal hinsetzten und neue Songs schreiben, dass hätten wir selber nicht gedacht. Es ist schon verrückt, denn im Nachhinein würde ich sagen, dass das neue Album (Herz für die Sache) unser bisher Bestes ist. Es ist einfach ein gutes Gefühl, da nicht einfach nur etwas hingerotzt zu haben. Die Platte ist so wie wir sie haben wollten! Und das macht einfach Spaß.

Hättet ihr euch je erträumt, dass euch über die Jahre so viele Fans die Treue halten und dass dann auch noch so viele neue dazukommen?

Joshi: Nein gar nicht! Wir haben die Jahre zuvor mitbekommen, dass wir ganz viele hartgesottene Fans haben, welche uns zu allen möglichen Shows nachreisen. Wir hätten aber nie damit gerechnet, dass die uns während der 4,5-jährigen Pause treu bleiben. Das war auch einer der Hauptgründe für unsere Wiedervereinigung. Ganz viele Leute haben uns gemailt und gebeten nochmal zu touren. Dann gab es aber auch viele die uns erst zwei Jahre kannten und meinten, dass sie es total schade finden uns nie live gesehen zu haben. Und genau für all diese Leute wollten wir das nochmal machen. Wir haben Spaß an der Sache und sind einfach total dankbar diese Chance zu haben mit guten Freunden unterwegs zu sein und tolle Konzerte zu spielen und nette Leute kennenzulernen. Das ist das Beste was du dir wünschen kannst.

Wir waren mit der Band in so vielen Städten und Ländern unterwegs – Sachen, die ich so nie erlebt hätte. Wir haben völlig beschissene, aber auch total abgefahrene Konzerte gespielt. Es gab Konzerte auf denen ich wirklich tot krank war und dachte, dass ich gleich von der Bühne falle. Wir haben all diese Sachen zusammen durchgestanden. Ich glaube es gibt nicht viele Menschen, die mit ihren besten Freunden so viele und außergewöhnliche Sachen erlebt haben.

Was war für dich eines der schrecklichsten oder verrücktesten Konzerte?

(überlegt…)

Joshi: Das ist eine gute Frage. Ich kann mich an eine Sache auf der Reunion Tour erinnern. Wir haben in Basel oder Bern gespielt. Ich weiß noch immer nicht wo es war. Mir ging es richtig richtig dreckig. Ich hatte höllische Bauchschmerzen und krassen Durchfall. Da waren aber 400 Menschen und ich dachte, dass ich da jetzt einfach raus muss! Wir haben dann das Konzert mit einigen Pannen durchgezogen. Zum Beispiel habe ich bei ein paar Texten die Strophen vertauscht, was halb so wild war. Es war fast geschafft und dann passiert mir der größte Fehler überhaupt: Ich sagte so „Vielen Dank Bern!“. Es war aber leider Basel – oder eben umgekehrt. Wir wurden natürlich total ausgebuht. Ich habe versucht es als Witz zu verpacken, es hat aber alles nichts mehr geholfen. Ihr könnt mir glauben, dass mir das unglaublich peinlich war!

Womit hast du dich während der 4,5-jährigen Pause beschäftigt?

Joshi: Zum einen natürlich mit der Kein Bock auf Nazis Kampagne. In die haben wir richtig viel Arbeit reingesteckt. Die ist mittlerweile ja auch riesengroß geworden und läuft wie eine eins. Zum anderen dann noch diese Sache mit dem Volume Clothing. Darüberhinaus hatten wir einfach ganz viel Spaß.

Mit der Kampagne Kein Bock auf Nazis engagiert ihr euch stark gegen Neonazis und Rassismus. In jüngster Vergangenheit tauchten immer wieder Punkbands in diversen Verfassungsschutzberichten auf. Hattet auch ihr schon unliebsamen Kontakt mit dem VS?

Joshi: Nein! Es gab mal etwas, was in diese Richtung geht. Vor einem Konzert in Mönchengladbach haben irgendwelche Leute, angeblich ZSK-Fans, auf dem Weg zum Konzert Nazis erwischt und verprügelt. Daraufhin hat irgendjemand der Polizei gesagt, dass die Täter in unser Konzert gegangen sein sollen. Aufgrund dessen hat die Polizei das gesamte Konzert abgesperrt und wollte von allen die Personalien aufnehmen um Tatverdächtige zu finden. Wir konnten mit Hilfe unseres Anwalts zumindest aushandeln, dass nur männliche Besucher durchgecheckt werden, da es laut Täterbeschreibung Männer gewesen sein sollen. Ganz verhindern konnten wir die Kontrollen aber nicht. Das fanden wir sehr krass. Juristisch gesehen war das alles aber wohl alles so in Ordnung.

Was mir aber noch einfällt: Wenn du mit dem Tourbus nach Bayern fährst, dann wirst du sofort von der Polizei in zivil auf dem Autobahnrasthof abgefangen. Das ist der Klassiker! Die nehmen dir den ganzen Bus auseinander – jedesmal!

Im Grunde interessieren sich die sogenannten Sicherheitsbehörden aber nicht für uns – nur halt bei dieser Geschichte in Mönchengladbach. Und bei dieser ging es ja nicht mal direkt um uns.

Joshi, vielen Dank für das Gespräch!

(Christoph Ahl)

Info: www.skatepunks.de