U.N.S.: „So laut, dass man weint vor Schmerz“

UNS sind ein Trio aus Berlins jüngster Indie-Historie: Kate Mosh, Petula, Siva…  feinster Independent Adel.  Schlagzeug, Gitarren und dickes Synthesizeruntenrum. Seit 2010 sind die die drei unterwegs und veröffentlichten EPs, spielen zahlreiche Shows und tauchen hier und da auf Festivals auf.  Ihr Debütalbum „Gegengift“ ist gerade erschienen. Ein Grund, ein paar Fragen an das Trio zu schicken.

Wie habt ihr euch kennengelernt und wie seid ihr auf den Bandnamen „UNS“ gekommen?

Sepp: Über alte Bandprojekte wie Siva und Katemosh, Jens hat mal bei Siva getrommelt wo ich bass spiele. Viel zu laut für den zarten Indie, aber gerade das hat uns später zu UNS gebracht. UNS kommt von „WIR SIND UNS“, was wiederum aus einem Tourbuswahnsinn heraus entstanden ist.

Sebastian:  Jens hat uns zusammengebracht. Und eine fixe Idee hat eine Band daraus gemacht. Sie heißt UNS, weil der Name kurz und knapp und knallig sagt, worum es dabei geht. Und weil er angenehm schief sitzt.

Wovon handelt euer Debütalbum „Gegengift“?

Sepp: Klimawandel?

Sebastian:  „Gegengift“ erzählt hochhysterisch und zappelig von Überforderung und Lähmung, von falschen Leben und von „Wie soll das je funktionieren?“. Von unserer Zeit also. Und vom Klimawandel.

Dieser „80er Jahre Sound“ Trend ist seit einiger Zeit wieder verstärkt zu beobachten. Woher kommt diese „Retro Sehnsucht“?

Sepp: Habe mal Korg Polysixe gesammelt. Die klingen leider so, alle.Klingen besser als Computer, sind stabiler als Computer und sind teurer als Computer.

Sebastian:  Wir spielen gern mit echten Instrumenten. Wir empfinden dabei aber weniger eine Retro-Sehnsucht. Wir spielen die Instrumente, die da sind. Und wir spielen sie laut, um mit dem Schlagzeug mithalten zu können. Der Gesang muss sich dann mit allem, was ihm wichtig ist, darin behaupten. Ich weiß nicht, vielleicht war das in den 80ern auch so?

Ihr seid schon länger musikalisch aktiv und habt vorher in Bands wie Kate Mosh, Petula und Siva gespielt. Was motiviert euch nach all den Jahren immer noch weiter Musik zu machen die jenseits des Mainstream ist und der man gerne den Stempel DIY aufdrückt?

Sepp: Weils Spitzentypen sind, gute Musiker und trotz der teilweise auch mal gern grenzwertigen Musik macht sie einen irgendwie süchtig. Na und der ganze Ruhm der damit einhergeht.

Sebastian:  What else can we do? Get jobs in offices and wake up for the morning commute? Außerdem: Wir lieben uns. Und irgendwie muss ja raus, was sich so aufstaut in einem. Und Bücher dauern uns zu lange.

Ihr seid das erste deutschsprachige Release auf dem Berliner Label Nois-o-lution. Wie viel Überzeugungskraft habt ihr benötigt?

Sepp: Fuffi.

Sebastian:  Exakto. Und zehn Lieder und ein paar wirre Ideen. Und: Schon mal „14 Punkte Flensburg“ gehört? Arne (Nois-o-lution Label-Chef – Anm. der Red) hat ja keine Per-se-Abneigung gegen deutsche Texte. Nur gegen schlechte deutsche Texte.

Warum ist Sven Väth kein Freund von euch?

Sebastian:  Wir haben uns nie kennengelernt. Und wir bedauern das. „Sven Väth ist kein Freund von mir“ heißt ja nicht, dass zum Beispiel ich ihm nicht zärtlich zugetan bin. Aber genau wie Sexualität, Realität und schweres Gerät ist „Sven Väth“ ein Konzept, zu dem ich keinen Zugang habe und das mir immer dann entgleitet, wenn ich meine, es verstanden zu haben.

Wer ist „Achim“?

Sepp: Na eigentlich der von Brummkreisel, ne? Gibt es aber auch ein Örtchen unweit von Bremen, das so heißt, hab ich letztens erfahren, bzw. da gespielt.

Sebastian:  Eine Vaterfigur. Jemand, von dem man erwartet, dass er einem die Welt erklärt und den Umgang mit ihr vorlebt – um dann festzustellen, dass man es a) so genau dann doch nicht wissen wollte und b) die Erklärungen fast nie dann zur Hand sind, wenn man sie braucht. Und zum Beispiel der vom Brummkreisel, ja.

Wer von euch ist denn Wrestling Fan und verantwortlich für „Owen Hart“?

Sebastian:  Genau wie die anderen namentlich genannten ist er mit seiner Geschichte ein Platzhalter für ein Gefühl, in diesem Fall das eines gewaltigen Verlustes, der sich weder in Verzweiflung noch in rücksichtslosem Hedonismus auflösen lässt. Ich könnte noch weiter ausholen zur Person Owen Hart, zu seinem Leben und Charakter, zu den geskripteten und den echten Dramen und zu seinem tragischen Tod – aber das können wir ja in der Wrestling- Sonderausgabe nachholen.

Wenn man immer so hoch singt wie ihr…Bricht man da bei den Aufnahmen nicht mal in Tränen aus vor Lachen? Schwer vorstellbar, da immer ernst zu bleiben!

Sepp: Hoch? Eher so laut, dass man weint vor Schmerz.

Sebastian:  Tatsächlich lacht die Band immer eher dann, wenn ich mit dieser Tonlage wieder breche. Die Stimme und das, was sie singt und sagt und ruft und knödelt – das kommt aus dem oben beschriebenen Gefühl der Lähmung und Überforderung heraus. Abschütteln und zurücküberfordern. Entsprechend sind alle Worte für hoch und laut geschrieben. Die ganze Band ist für hoch und laut gemacht. Dabei ist uns ist das alles – in dem sehr klaren Bewusstsein, auch albern, drüber, daneben und irgendwie ironisch rüberzukommen – durchaus sehr ernst.

Ihr habt einige Shows und Festival bereits gespielt. Wie sieht es mit einer Tour aus? Gibt es da schon konkrete Pläne?

Sepp: JA!

Sebastian:  Wir werden im nächsten Jahr mehr zusammen unterwegs sein als in diesem Jahr. Für eine Mega-Tour sind wir aus verschiedenen Gründen (Familie, Arbeit, andere Bands, Stimmbandrebellion nach spätestens vier Konzerten) nicht gemacht. Aber besucht uns gern, wir machen 60% der Menschen extrem gute Laune.

Info: www.facebook.com/UNSUNSUNS

(Markus Tils)