ALEX AMSTERDAM: „Allein auf großer Fahrt“

ALEX AMSTERDAM

Seit 8 Jahren bereichert Alex Amsterdam auf unnachahmlicher Weise die deutsche Indie-Szene. Drei Jahre sind seit dem letzten Album „Love Is Fiction“ vergangen. Viel Tourschweiss und Freundentränen wurde in dieser Zeit vergossen. Das neue Album soll der Durchbruch zu sich selbst sein. Dabei überrrascht der Düsseldorfer Musiker auf „Come What May“ mit 13 ebenso vielseitigen wie eigenwilligen Pop-Songs. Grund genug Herrn Amsterdam mal wieder ein paar Fragen zu stellen.

„Come What May“ soll für dich der Durchbruch zu sich selbst sein! Wie soll man das verstehen?

Na ja, es ist für mich mein wichtigstes Album bisher. Nach verschiedenen, personellen Konstellationen von „Alex Amsterdam“, ist dies für mich mein erstes, richtiges Solo-Album. Ich habe mit verschiedenen Produzenten und Musikern gearbeitet, und zum ersten Mal alles genau so gemacht, wie ich es allein haben wollte. Es klingt alles so, wie ich es wollte. Die Texte sind persönlich wie nie. Das war mir diesmal sehr wichtig.

Wie stufst du das neue Album ein? Ist es nach all den Gesellenstücken das ersehnte Meisterwerk?

Ach, ich weiss nicht. Natürlich gefällt einem als Musiker sein neustes und aktuellstes „Werk“ immer am besten. Weil es halt noch nicht so „abgenudelt“ ist, wie die älteren Alben und Songs. Trotzdem ist es für mich anders als bei vorherigen Produktionen. Weil alle Entscheidungen nur von mir getroffen wurden. Und weil ich mir Zeit gelassen habe. Eins nach dem anderen. Keine Schnellschüsse mehr. Nun bin ich entspannt und hoch zufrieden mit dem Ergebnis. Daher hab ich mir auch nix vorzuwerfen. Egal wie das Album draußen ankommt.

Welche Bedeutung steckt hinter dem Titel „Come What May“?

Er ist für richtungsweisend für mich und das ganze Album. Ich hab alles so gemacht, wie nur ich es haben wollte. Ohne dass mir jemand reingeredet hat oder ich mich an aktuellen Trends orientieren habe. Komm was wolle…

Bei „Love Is Fiction“ hast du noch mit deinen damaligen Bandmitglieder zusammengearbeitet, bei „Come What May“ hast du die Songs wieder alleine erarbeitet. Ist es rückblickend für dich dann besser, alles unter dem Banner Alex Amsterdam allein zu machen, anstatt andere Musiker einzubinden?

Es hatte alles seine Zeit und ich will immer wieder Neues ausprobieren. Eine feste Band um mich zu haben, war eine wichtige Erfahrung und auch eine gute Phase bei „Alex Amsterdam“. Aber nun war es für mich an der Zeit, wieder alleine auf große Fahrt zu gehen. Auch wenn ich kein klassisches Singer/Songwriter-One-Man-Album aufgenommen habe. Es ist ein Solo-Album mit Band. Für mich kein Widerspruch.

Woher hast du deine Inspirationen für „Come What May“ genommen und welches Konzept steht hinter der Reihenfolge und Aufbau des Albums?

Ich mache mir grundsätzlich wenig Gedanken über Konzepte, richtige Reihenfolgen etc pp. Ich hatte vor der Produktion 18 Demos auf meinem iPhone, als rein akustische Schrebbel-Versionen. Daraus hab ich 13 rausgepickt und aufs Album gepackt. So wie sie für mich Sinn machen. Und am besten zusammen funktionieren. Also für mich. Ich bin kein Freund von s.g. „Konzeptalben“. Ich lasse einfach alles laufen und schaue dann, wohin es sich entwickelt. Genauso sollte die Hörer das Album hören. Nicht zu viel nachdenken, sondern einfach auflegen und wirken lassen.

Die erste Single ist „Miss Rainbow. Wer ist diese Miss?

Jemand, der mir mal sehr wichtig war.

Du gibst in der Mitte des Albums zu, dass du als Kind gerne “Rockstar” geworden wärst. Weißt Du noch, was dich an dem ganzen Glamour und Gloria damals so fasziniert hat und wem wolltest du nacheifern?

Haha, nicht als Kind. Wer weiss da schon was ein Rockstar ist. Wohl eher heutzutage. Aber das Ganze hat nichts mit Glanz und Gloria zu tun. Dies ist für mich kein Rockstartum. Genauso wenig wollte ich irgendwem nacheifern. Ich wollte schon immer nur meine Musik und meine Songs machen. Und sie möglichst vielen Menschen vorspielen. Daher ist es für mich auch heute noch aufregend, durch die Landen zu fahren, und den Menschen meine Lieder um die Ohren zu knallen. Egal ob in der kleinen Kneipe um die Ecke oder auf der großen Bühne. Ich möchte die Menschen erreichen. Direkt. Quasi von Auge zu Auge. Jeden Abend wieder. Immer woanders. Das liebe ich an dem was ich tue. Das ist für mich mein eigenes, kleines Rockstartum.

Du bist ein Kind der Neunziger und findest, dass „Morning Glory“ von Oasis war wichtiger als „Nevermind“ von Nirvana. Eine gewagte These!

Warum? Ich halt mich normalerweise immer aus solchen Diskussionen raus. Denn Geschmäcker sind nun mal verschieden. Damals fand ich Nirvana scheiße. Zu laut. Zu aggressiv. Zu wenig poppig. Oasis haben mich in dieser wichtigen Zeit ab Mitte der 90er Jahre stark geprägt. Mich zum Gitarre spielen gebracht und bis heute am stärksten beeinflusst, was mein Songwriting angeht. Heutzutage mag ich Nirvana. Aber ich mag auch Katy Perry. Ich halte nix von Schubladen und musikalischen Grenztourismus.

„Come What May“ ist dein zweites Album auf Redfield Records, die in den letzten Jahren nicht nur einen Wandel, sondern auch eine immense Entwicklung gemacht haben. Warum fühlst du dich zwischen all den Metal und Hardcore Bands so wohl?

Weil ich bei Redfield eine Heimat, ein Zuhause gefunden habe. Ich kenne z.B. meinen A&R Alex schon über 15 Jahre. Man kennt, schätzt und vertraut sich. Die Zusammenarbeit war schon immer produktiv und motivierend. Daher ist es für mich im Prinzip irrelevant, welche anderen Bands und Künstler auf dem Label sind. Außerdem bin ich ja im Innern meines Herzens, eine alte Rocksau. Ich tarne mich nur gut! Haha.

Welche Band aus dem Redfield Roster magst du eigentlich am liebsten?

Death Letters.

Bei der Erstellung des Interviews bin ich auf ein Review deiner EP „The Die is Cast“ gestoßen und musste herzhaft lachen. Die Songs wurden als „musikalische Beschallung einer Margarine Werbung” und als „pure Ausgeburt der Langeweile” abgestempelt. Wenn du heute sowas liest, wie denkst du darüber?

Hahahaha. Interessant. Kann ich mich gar nicht mehr dran erinnern. Dabei erinnert man sich ja meist eher an die Scheiße als an das Gute. Tja, ich sag mal so. Mir wehte schon seit Anbeginn von „Alex Amsterdam“ immer eine recht steife Brise aus gewissen Ecken entgegen. Es gibt Leute, die mögen nicht was ich tue oder wie ich es tue. Das ist und war mir schon immer herzlich egal. Jeder so wie er es am liebsten hat. Und über Geschmack kann und will ich mich nun mal nicht streiten. Wem meine Songs und meine Konzerte nicht gefallen, der soll doch woanders hingehen. Genauso sehe ich es mit Kritiken wie diesen. Hey, jeder hat das Recht auf seine Meinung. Im Endeffekt spiele ich für die Fans und nicht für irgendwelche Kritiker. Aber nur mit Lobhudeleien wär’s doch langweilig. Deswegen hoffe ich auch diesmal auf ein paar knackige Verrisse. Sowas motiviert mich mehr als alles andere.

 

ALEX AMSTERDAM

Du hast in den letzten Jahren – lass mich überlegen – bestimmt 700 Konzerte gespielt. Dabei bist du dir auch nicht zu schade in kleinen Städten und Lokalen aufzutreten. Was ist das Beste an „auf Tour“ zu sein?

Ich spiele überall, wo man mich haben möchte bzw. einlädt. Und das Herumkommen. Das ist das Beste. Neue Städte, neue Menschen kennenlernen. Zu sehen, wie wildfremde Menschen auf deine Songs reagieren. Das lokal gebraute Hausbier zu probieren. Und jeden Rastplatz der Republik mit Stickern zu versehen. Und das Vorankommen. Sprich: Einfach alles.

Hast du eigentlich ein bestimmtes Ritual vor deinen Auftritten?

Nope. Eigentlich nicht. Wenn ich nicht mehr fahren muss, trinke ich aber in der Regel einen „Glücks-Jägi“ vor dem Auftritt. Was ich aber auch manchmal vergesse. Haha.

An welches Konzert erinnerst du dich heute noch sehr gern?

Puh, eigentlich noch an fast alle. Und es waren zu viele schöne Momente dabei, hier einen Besonderen hervor zu heben. Trotzdem war eins der schönsten, als ich mal in der ausverkauften Live Music Hall in Köln spielen dufte. Und Leute haben mir artig zugehört und sind super mitgegangen. Obwohl ich damals „nur“ Support war. Danach hab ich so viele CDs wie noch nie verkauft. Wahnsinn. Aber auch kleine Momente sind schön. So erinnere ich mich noch in ein Konzert vor ca. 2 Jahren in Freiburg. Ich spiele in einer kleinen Bar, die aus allen Nähten platze. Zur Zugabe stand ich aus Platzgründen dann auf der Theke und spielte meine Songs für die begeisterten Besucher. Das war ganz wunderbar.

Im Oktober bist du nach Paris gefahren und hast dort im Pop-In gespielt. Eine Tag später hast du im belgischen Hamme ein Wohnzimmerkonzert gespielt. Wie hat sich das eigentlich alles ergeben und wie war es für dich in Paris aufzutreten?

Es war großartig. Ich hatte ja schon Auslandserfahrungen durch meine Touren durch Kroatien, Österreich, Holland, Italien, Tschechien etc pp. Aber Frankreich war neu. Meine befreundete Band „PDR“ aus Düsseldorf, waren bereits vor mir im „Pop-in“ und haben mich quasi vermittelt. Der Auftritt in Hamme/Belgien war dann ein Wohnzimmerkonzert bei Freunden meiner ehemaligen Schlagzeugerin und besten Freundin Sabrina. Beide Gigs wars grandios und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

Du wirst jetzt wieder auf Tour gehen. Was können wir erwarten? Wirst du mit Band oder alleine unterwegs sein?

Ich werde alleine unterwegs sein. Allerdings bringe ich kleine, wie große Gitarren, seltsame Cover-Versionen und alte wie neue Amsterdam-Songs mit. Dazu spiele ich nicht nur rein unplugged, sondern werde mittels Looper und Effekten auch Band-Sounds und Rhythmen abfeuern. Es darf also auch gedanct werden bei dieser Tour. Wer mag… 😉

Das letzte Wort gehört gerne Dir….

Danke für das steile Interview und ich hoffe, wie sehen uns alle auf Tour. Und streamt die Platte nicht nur für umme bei Spotify, sondern stellt sie euch auch in den Schrank. Würd mich freuen!

Info: www.alex-amsterdam.de

Tourdaten:
23.01. Düsseldorf – Pitcher (Record-Release-Party)
(+ Edgar Voß + Jaqueline Rubino)
24.01. Bad Oeynhausen – Druckerei (+ TIGER FM)
25.01. St. Peter Ording – Café Instinkt
26.01. Buxtehude – The Rebel’s Choice (+Odeville)
27.01. Hamburg – HÖRSAAL // HAMBURG (+Odeville)
28.01. Osnabrück – SHOCK „Records & Coffee“ Coffee
29.01. Bremerhaven – Rüssel (+Pad.)
30.01. Leer – JUZ (+Leuchtfeuer)
31.01. Bielefeld – c.cult Chamber (+ Max Buskohll)
31.01. Bielefeld – STEREO BIELEFELD
04.02. Köln – Stereo Wonderland
(+MM.Borgard +CAPTAIN`S DIARY)
05.02. Mannheim – Contra-N (+Der Wieland)
06.02. Rüsselsheim – WaschBar Rüsselsheim
07.02. Oberhausen – Zentrum Altenberg (+ Marcel Look)
08.02. Essen – Sofar Sounds Essen
11.02. Lemgo – Beat Café – Lemgo
13.02. Gelsenkirchen – C@fe-42
14.02. Lippstadt – Don Quijote Lippstadt
19.02. Solingen – CowClub Solingen
20.02. Hanau – KuKSte e.V. (+ Jörg Bob Sanders)
21.02. Darmstadt – CD-Lounge (Instore-Gig)
21.02. Bad Camberg – Papperlapapp
25.02. Hannover – Kulturpalast Linden
06.03. Bonn – Township (tba)
11.03. München – Cord Club
12.03. Bamberg – Freiraum – Bamberg
13.03. Weimar – Studentenclub Kasseturm e.V. Weimar
14.03. Würzburg – Wunschlos Glücklich
20.03. Essen – Weststadthalle Essen (+ Phrasenmäher)
26.03. Berlin – RAMONES MUSEUM BERLIN
26.03. Berlin – Mein Haus am See
21.03. Künzelsau – Kokolores
27.03. Leipzig – Mühlstrasse 14
04.04. Geldern – Maxim Geldern (NMFM-Club)
09.04. Duisburg – Djäzz Jazzkeller Duisburg
18.04. Villingen, Schlössle Villingen
24.04. Hamburg, Logo Hamburg (+Phrasenmäher)
25.04. Kiel, Cafe Prinz Willy
09.05. München – TonHalle (Nachtflohmarkt)
29.05. Bielefeld, c.ult chamber unlimited ev
18.06. Unna, Lindenbrauerei