BETONTOD: Traum von Freiheit

Betontod

Betontod zählen seit Jahren zu den erfolgreichsten und angesagtesten Punkbands des Landes. Vor ziemlich genau 25 Jahren gründeten sich Betontod und begaben sich damit auf eine Achterbahn durch das Musikerleben. Wobei es seit dem Album „GlaubeLiebeHoffnung“ stetig bergauf geht. Pünktlich zum Jubiläum erscheint ihr achtes Album „Traum von Freiheit„. Wir mailten mit Gitarrist Frank „Eule“ Vohwinkel.

„GlaubeLiebeHoffnung“, „Antirockstars“ und „Entschuldigung für Nichts“ sind zwischen 2011 und 2012 entstanden. Abgesehen von der Veröffentlichung der Live Platte/DVD „Viva Punk – Mit Vollgas durch die Hölle“ habt ihr euch für „Traum von Freiheit“ relativ viel Zeit genommen. Warum das?

Weil wir nach diesem „Marathon“ echt etwas am Ende waren und wir gemerkt haben, wenn wir jetzt nicht eine Pause einlegen, dann würden die Musik und die Qualität darunter leiden. Das wäre zwar relativ leicht gewesen eine Kopie eines der letzten Alben zu produzieren, da wäre auch wirtschaftlich sinnvoll gewesen, aber wir haben uns dagegen entschieden.

Mit „Traum von Freiheit“ seid ihr zu Columbia/Sony gewechselt. Was erhofft ihr euch dadurch und wie seid ihr darauf zu kommen bestimme Arbeitsprozesse, die ihr vorher hattet, quasi aus der Hand zu geben?

Weil wir dort ein super Team angetroffen haben, das uns den Eindruck vermittelt hat, das mittlerweile auch ein Majorlabel reif ist für so eine Art von Musik. Natürlich ist das für den außenstehenden nicht einfach zu blicken, da es erst einmal abschreckt, aber man kann sicher davon ausgehen, dass weder der Wunsch etwas kreativ zu verändern da war von deren Seite, noch das wenn er da gewesen wäre, wir etwas hätten geändert. Außerdem war die CD schon fertig als wir bei denen angeklopft haben.

Ihr seid mittlerweile schon beim achten Studioalbum angelangt Wie würdet ihr die musikalische Entwicklung von der ersten CD bis zu „Traum von Freiheit“ beschreiben?

Wir lernen langsam unsere Instrumente… Außer Maik unser Schlagzeuger, der hatte es schon immer drauf…:)

Kommen wir ganz konkret aufs neue Album zu sprechen. „Traum von Freiheit“ unterscheidet sich doch ziemlich von den Vorgängern und geht in eine neue alte Richtung, ohne dabei die Betontod-Trademarks zu vergessen. Was hat euch dazu gebracht, euch wieder auf eure Wurzeln zu besinnen und einige Ausflüge ins metallische Gefilde zu machen?

Die Gewissheit, dass wir dort zu Hause sind. Das soll nicht heißen, das wir immer wieder Ausflüge wohin auch immer unternehmen werden, aber man sollte immer wissen wo das zu Hause steht und das ist bei uns ganz klar im Punkrock. Diese Metalanleihen haben wir immer eingestreut und die machen mittlerweile auch richtig Spaß.

BETONTOD - Gitarrist Frank „Eule“ Vohwinkel

Was bedeutet Freiheit für Euch?

Das zu tun worauf man Bock hat. Das muss nicht immer mit viel Kohle verbunden sein. Das kann auch einfach mal ein Nachmittag mit der Familie oder den Freunden bedeuten. Politisch sind wir weit entfernt von diesem Begriff. Da hat sich in den letzten Jahren rasant etwas zum negativen verändert. Die Politik rennt nur noch der öffentlichen Meinung hinterher anstatt selbst eine Richtung vorzugeben. Das hat natürlich schon Sinn aus deren Sicht, so können die sich sicher sein, das hier nie ein großer Aufstand kommt. Sie sind ja immer auf der Seite der Massen…

Mit „Geschichte“ gibt es erstmals einen politischen Song von euch. Was hat euch letztendlich dazu bewegt, diesen Song zu schreiben?

Das ist mit Sicherheit nicht das erste Mal, nur haben wir es auf den letzten Alben vermieden und wie auf der ersten Scheibe von „braunen Ratten“ zu singen, ist zwar ok, aber das können wir heutzutage besser ausdrücken. Darum ging es uns, keinen platten „Nazis raus“ Song zu schreiben, da hier leider schon viel zu viele Menschen abgestumpft sind, sondern einen Text, bei dem man auch sehr deutlich sagt, das man gegen Nazis ist, aber halt nicht so platt. Was nicht heißen soll, das auch die platten gegen Rechts Nummern ihre Berechtigung haben.

Gibt es Songs auf „Traum von Freiheit“, die ihr euch vor fünf Jahren noch nicht hättet vorstellen können?

Ja, fast alle wären vor fünf Jahren nicht so entstanden. Das hat etwas mit ständiger Entwicklung dieser Band zu tun. Da kotzen zwar einige Fans ab, weil sie ständig alte Sachen hören wollen, aber das ist halt unser Anspruch und entweder gehen die Fans da mit oder nicht. Wir werden diesen Weg weiter verfolgen. Das tun wir seit einer langen Zeit. Bis jetzt konnten wir halt sehr viele Leute mitnehmen.

Ihr steckt bestimmt mitten in den Tourvorbereitungen. Freut ihr euch schon darauf, wieder on the road sein zu können?

Das ist es worauf man hinarbeitet. Auf der Bühne in die Gesichter der Fans zu schauen und dort alles wieder zu bekommen, was man investiert hat. Und natürlich nach dem Gig am Merchstand die Gespräche mit den Fans sind unbezahlbar.

Was kann man auf der Tour für eine Setlist erwarten? Habt ihr irgendwelche Überraschungen geplant?

Viele neue Songs natürlich und wie es immer so war, einen kompletten Querschnitt unserer Alben.

Die letzte Frage: Ihr seid eine Band, die seit 2009 immer noch in derselben Besetzung spielt. Wie vermeidet ihr es, euch nicht zu sehr gegenseitig auf den Geist zu gehen?

Bis auf Maik spielen wir sogar fast seit 20 Jahren in der gleichen Formation. Das hat etwas damit zu tun, dass es einen harten Kern in uns gibt, an den wir nicht rankommen lassen. Es geht für eine Band (gerade mit diesem Namen) nicht immer nur nach oben. Da kommen immer wieder Rückschläge und die lassen wir nicht an uns rankommen. Da sind wir uns alle einig, das nichts und niemand es schaffen kann, diesen Kern zu sprengen. Was halt echt krass ist, das immer mehr Leute versuchen uns in einem Licht darzustellen, in dem wir definitiv nicht stehen und auch nie standen. Welche Intention diese Leute treibt, ist uns ein Rätsel. Wir sind noch immer die Leute, die sich damals auf dem Schulhof in der Raucherecke getroffen haben und die ersten Punk-LPs getauscht haben… Einige habe ich davon immer noch nicht zurück…

Info: www.betontod.de