DONOTS: „Es gibt unfassbar viel Scheiße in deutscher Sprache“

Donots - Credit: Patrick Runte

Im 21. Jahr ihres Bestehens veröffentlichen die Donots mit „Karacho“ ihr zehntes Album. Neu ist, dass die Herrschaften aus Ibbenbüren zum ersten Mal in ihrer Karriere ein komplettes Album auf deutsch aufgenommen haben. Im Ramones Museum in Berlin sitzt Sänger Ingo, während wir auf der anderen Seite der Strippe unsere Fragen stellen.

Warum veröffentlichen die Donots im 21. Jahr ihres Bestehens ihr erstes deutschsprachige Album?

Diese Frage stellen wir uns auch immer noch. Wenn du 20 Jahre aufeinander rumhängst, dann muss auch mal ein frischer Wind durch den Proberaum wehen. Wir haben unser 20-jähriges Jubiläum zum Anlass genommen und uns gefragt, was wir als „Special“ rausbringen können. Einfach nur einen Song heraus bringen, war uns zu platt.  Es kam die spaßige Idee, einen Song auf deutsch auf zunehmen. Wir fragten Tim McIlrath von Rise Against, ob er nicht Lust hätte mit zu machen. So ähnlich wie damals der Punk Rock Song von Bad Religion und Campino. Das hat so gut funktioniert, dass wir uns selbst die Aufgabe auferlegten, weitere Songs auf deutsch zu texten, um zu schauen was passiert.

Siehe da, ein halbes Jahr später hatten wir so viele Demos auf deutsch fertig, bis Jan-Dirk – glaub ich – zaghaft in den Proberaum kam und fragte: „Machen wir gerade hier ein deutsches Album?“  Eigentlich war es gut, dass Jan-Dirk fragte. Jeder wusste um die Thematik, traute sich aber nicht zu fragen.  Die Entscheidung fiel, dass wir es ausprobieren wollen. Es ist ganz geil, klingt frisch und neu für uns. Wir sind dann dabei geblieben.

Somit war dieser Special Song mit Tim McIlrath „Das Neue bleibt beim Alten“ ausschlaggebend?

Ja. Es hat einfach viel Bock gemacht. Wir sind ja schon öfters von der Plattenfirma gefragt und bekniet worden etwas auf deutsch zu veröffentlichen und haben es aus Anti-Haltung immer abgelehnt. Jetzt war aber der Zeitpunkt gekommen und wir haben die Plattenfirma vor vollenden Tatsachen gestellt. Die haben sich gefreut, aber geplant war das – wie so oft  – nicht.

Warum har es „Das Neue bleibt beim Alten“  eigentlich nicht aufs Album geschafft?

Wir hatten ihn ja schon veröffentlicht, auch wenn wir mit „Hier Also Weg“ die B-Side dieser 7 Inch aufs Album gepackt haben. Die 7 Inch hatte halt nur eine Auflage von 500 und wir wollten „Hier also weg“ doch noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Im Nachhinein pflichte ich dir bei, „Das Neue bleibt beim Alten“ hätte ich auf „Karacho“ auch gut gefunden.

War es schwer deutsche Texte zu schreiben ohne ins Klischee bzw. ins Kitschige abzudriften?

So schwer, wie ich es mir gemacht habe. Was Texte angeht, bin ich ein Höllen-Perfektionist und das muss am Ende vor allem mir gefallen. Es gibt unfassbar viel Scheiße in deutscher Sprache. Ich hab extra Abende verbracht, wo ich mir deutschsprachige Bands angehört habe, die ich nicht mag. Dann wiederum, habe ich mir meine Lieblings Deutsch-Punk Bands angehört wie Slime, …But Alive, Dackelblut oder auch Muff Potter. Ich wollte herausfinden, was ich bei den einen Songs so scheiße finde und bei den anderen so mag. Für mein eigenes Textgefloddere wollte ich meine Nische finden. Irgendwann war ich auch soweit zufrieden. Aber ich kann dir sagen, das hat mir einige schlaflose Nächte bereitet.

Meint ihr, dass durch eure Popularität, die deutschsprachige Punkrock Szene einen neuen Schub verleiht bekommt?

Mal gucken. Schön wär es natürlich. Momentan gibt es eine ganze Menge super deutscher Punkrock Bands. Eine neue Garde, die einfach viel Spaß macht und etablierte Bands, die einen guten Run haben. Ich denke auch, dass Adam Angst ordentlich durchstarten wird. Es ist ein super Debütalbum, das ich wirklich rauf und runter höre.

Für unsere Verhältnisse ist „Karacho“ ein sehr hartes Album. Ich glaub auch nicht, dass wir mit den Songs massig Airplay bei den Radiosendern bekommen. Das würde die Sache ja wirklich in die Breite bringen. Andererseits schau dir Bands wie Broilers an, die sehr gute Freunde von uns sind, wie unfassbar groß die von jetzt auf gleich geworden sind und das ohne den großen Radio-Airplay. Das geht also auch.

Ich würde mich total freuen und sicherlich freut sich jede Band darüber, wenn man neue Leute erreicht. Sollte das für uns jetzt nicht zutreffen, können wir trotzdem sagen, dass dieser Ausflug für uns mächtig viel Spaß macht. Wir waren aber auch nie eine Band, die in fünf Jahren die und die Anzahl an Platten verkauft haben muss.  Wenn man sich anguckt, dass wir mit der letzten Platte eine Reiseflughöhe erreicht haben, die wir vorher nicht hatten, wäre es viel einfacher gewesen konsequent diesen Weg der „Wake The Dog“ zu gehen. Aber wir sind halt dumme Westfalen, die im Proberaum auch mal gern ein Bier zu viel trinken und dann den Moment walten lassen.

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Auf deinem Facebook Profil habe ich gelesen, dass sich jemand darüber beschwert hat, dass ihr mit der neuen Platte zu hart seid. Er hätte lieber den Sound der Anfangsjahre wieder. Dass jemand einer Band vorwirft „zu hart“ zu werden, liest man selten…

Ich kann das sehr gut nachvollziehen, wenn Leute die neue Platte ihrer Lieblingsband auf einmal nicht so gut findet. Das ergeht mir ja auch nicht anders. Ich bin auch Fan von unfassbar vielen Bands und mag auch nicht jedes Album von denen. Bestes Beispiel:  Arcade Fire. Ich vergöttere deren Debütalbum „Funeral“. Ihr letztes Album „Reflektor“  find ich nicht schlecht, aber an einigen Stellen ist es mir zu elektronisch und deshalb höre ich es nicht.

Natürlich lese ich solche Kommentare, nehme mir diese auch zu Herzen. Aber wenn du auf all das hören würdest, was jeder einzelne zu deiner Musik sagt, dann wirst du niemals in deinem Leben einen Song fertig kriegen. Letztendlich musst du deinem eigenen Credo folgen und dein Ding durchziehen.

Mit „Dann Ohne mich“ habt ihr einen Song, der aktueller nicht sein kann.

Dieser Song ist in den letzten Wochen und Monaten wirklich sehr aktuell geworden. Ich glaub, dass das Thema leider immer aktuell ist. Das wird sich in diesem Leben leider auch nicht ändern. Idioten, Rassisten, Faschisten und Aggros wird es immer geben und leider haben sie mit Pegida, Kögida oder der AfD eine Anlaufstelle gefunden. Das ist traurig, dass der Song so aktuell ist. Dabei ist er entstanden, bevor diese Pegida-Thematik aufgekommen ist.

Ich habe heute schon bereits in einigen Interviews gesagt, wie sehr ich erschrocken darüber bin, wie aktuell das Slime Album „Schweineherbst“ ist.  Das Album ist 20 Jahre alt und du kannst alle Songs auf das aktuelle Weltgeschehen anwenden. Super und traurig zugleich, weil die Platte zeitlos ist.

Daher der Song „Das Ende Der Welt Ist Schon Vorbei“?

Genau. Ich mag es dem ganzen Trubel auf der Welt mit einem Augenzwinkern entgegen zu treten. Wenn man zu sehr über die dampfende Kacke nachdenkt, wird man ja wahnsinnig. Dann darfst du auch keine Kinder mehr in die Welt setzen. „Das Ende Der Welt Ist Schon Vorbei“ ist halt ein  Apokalypse – Party-Szenario, was zeigt, überall ist es scheiße und den Leuten ist es auch scheißegal. Es ändert sich nix und alle feiern eh, als wäre es der letzte Tag auf Erden. Das ist halt meine Titanic-Sozialisation als alter Titanic-Abonnent.

In der Single „Ich Mach Nicht Mehr Mit“ besingst du deine Abneigung gegenüber Kalendersprüchen. Welcher ist der schlimmste…

Gruselig. Der Song ist eigentlich ein Atheismus –Statement. Ich bin überzeugter Atheist. Ich glaube auch daran, dass die Welt längst nicht so viele Probleme hätte, wenn es Religionen nicht gäbe. Kalendersprüche sind halt Ablenkungsmanöver für Hausfrauen. Opium fürs Volk – wenn man so will.

Ich bin in Ibbenbüren in einer Siedlung aufgewachsen, ich weiß nicht wie viele Menschen sich am Abend hinsetzen und sagen: „Der liebe Gott, wird schon wissen was er vor hat“. Das ist mir zu einfach. Da muss man doch auch mal realistisch sein und sagen: „Nee, du bist für dein Handeln verantwortlich!“. Ich bin großer Fan von Leuten, die Realist genug sind, sich das einzugestehen. Aber wem Religion hilft, soll er ein spiritueller Mensch sein. Meins ist es nicht.

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Welcher ist deiner Meinung nach der wichtigste Song auf „Karacho“?

Gute Frage. Für uns ist es wirklich die Single „Ich Mach Nicht Mehr Mit“. Einfach aus dem Grund, weil in der Demo-Session zu diesem Song bei uns der Knoten platzte. Es ist der Song, den wir als erstes mit deutschem Text versehen haben. Wir haben sogar Gesangsteile vom Demo in die finale Version rüber gerettet, weil der Spirit doch ein ganz anderer war und mir besser gefiel. „Ich Mach Nicht Mehr Mit“ hat viele Weichen gestellt wie das Album letztendlich geworden ist. Ein Album mit Haltung und ziemlich breiten Schultern.

Mit „Hansaring, 2:10 Uhr“ gibt es eine Hommage ans Partyviertel in Münster, wo ihr gerne gefeiert habt. Klingt aber auch so, als ob man der guten alten Partyzeit ein bisschen hinterher trauert.

Ohne jetzt den Berufsjugendlichen zu mimen. Natürlich wird man älter. Auch wenn ich jetzt meine 38 Lenze auf dem Buckel habe, halte ich es getreu dem Descendents Credo „I Don’t Want To Grow Up“. Diese jugendliche Naivität muss man sich bewahren. Heißt nicht, dass man jetzt auf Teufel komm raus ein Fass aufmacht, um sich und der Welt zu beweisen, dass man noch feiern an. Der Hansaring ist in Münster ein Ort, wo wir viele Abende – fast schon Jahre – verbracht haben.  Es gibt viele tolle Kneipen und viele Freunde von uns wohnen da.  Es ist die beste Möglichkeit in Münster abends rauszugehen.

Es gibt halt von unseren Kumpels KMPFSPRT den Song „Aachener Straße, Sechs Uhr Morgens“, der handelt von den schlechten Orten, wo man nachts halt betrunken sein kann. Deshalb ist „Hansaring, 2:10 Uhr“ ein kleiner Hutzieher in Richtung KMPFSPRT  – mit einem Augenzwinkern.

Info: www.donots.de