FJØRT: „Live spielen ist das, was am meisten Spaß macht“

Obwohl erst im Februar 2012 in Aachen zusammengefunden, veröffentlichen FJØRT im März 2014 ihr zweites Album “D’accord”. An der Schnittmenge zwischen modernem Hardcore, klanggewaltigem Postrock und Emo im Sinne der 90er Jahre, stampfen und kämpfen sich die düsteren Songs ins Bewusstsein des Hörers. Gerade erst beendete das Trio die Support Tour mit Funeral For A Friend. Grund genug bei Sänger und Gitarrist Chris zu fragen, wie es war und was dieses Jahr noch passieren wird.

FJØRT

Ihr habt gerade die Tour mit Funeral For A Friend beendet. Wie ist euer Resümee?

Diese Tour war etwas ganz Besonderes für uns, da wir schon zu Jugendzeiten selber große FFAF-Fans waren. Es ist echt eine großartige Sache, wenn man bei solchen Sachen dabei sein darf. Wir hatten in der letzten Zeit auch schon das Glück, mit Turbostaat und Boysetsfire die Bühnen zu teilen, die auch Bands sind, die wir schon seit langem persönlich abfeiern. Als dann die Mail von Funeral For A Friend reinkam, war das wieder so ein „Was, jetzt wirklich?“-Moment, über den wir uns riesig gefreut haben. Die Jungs waren auch sehr entspannt und freundlich, so dass die ganze Reise sehr angenehm war. Außerdem hatten wir die Gelegenheit, vor ner Menge neuen Leuten zu spielen, was natürlich auch klasse ist. Insgesamt wirklich eine tolle Sache, für die wir äußerst dankbar sind!

Kanntet ihr den anderen Support No Bragging Rights? Lernt man sich in den wenigen Tagen einigermaßen gut kennen?

Wir kannten No Bragging Rights vorher nicht, aber haben sie als eine sehr bescheidene und auch mega gute Liveband erlebt. Bei so ganz fremden Leuten braucht es natürlich erstmal ein paar Tage, bevor man einen lockeren Umgang miteinander hat. Aber sobald das erste Beschnuppern vorbei ist, ist da schnell ein Zusammenhalt und „Gang“-Gefühl, und man hat sich auch mal ein paar Sachen erzählt, die man sonst so abseits des Bandlebens macht. Ihr Sänger erklärt beispielsweise auf der Bühne vor fast jedem Song, wovon er handelt, und spricht ein paar sehr wahre Dinge an, die einem ziemlich nahe gehen können. Allein schon wegen diesen krassen Ansagen lohnt es sich, diese Band mal live anzuschauen. Es war dann sehr inspirierend, nach der Show mal mit ihm über diese ganzen Themen zu quatschen.

Sind eigentlich alle Bands, die man auf Tour trifft umgänglich oder trifft man auch manchmal welche, wo man froh ist, dass man wieder getrennte Wege geht?

In den allermeisten Fällen kommen Bands jeglicher Sparten wunderbar miteinander aus. Man ist ja letztlich für den gleichen Zweck dort, und will einfach einen netten Abend zusammen haben. Wir hatten, wenn ich mich richtig erinnere, eigentlich noch nie in irgendeiner Form Zwist mit einer anderen Band. Wir selbst gehen aber auch immer sehr aufgeschlossen und freundlich an die Sache ran, weil das einfach so in uns steckt. Wir haben halt Spaß an dem, was wir tun. Es gibt natürlich Bands, die nicht ganz so kommunikativ sind, oder die mit unserem komischen Humor nichts anfangen können, haha. Das ist aber dann auch völlig ok. Bevor man sich aber so richtig in die Haare kriegt, muss schon eine Menge passieren.

Mit welcher Band würdet ihr in Zukunft gerne mal zusammen ein Konzert spielen oder touren?

Wenn du mich vor nem halben Jahr gefragt hättest, hätte ich wohl gesagt: Turbostaat. Das war für mich persönlich eine der tollsten Sachen in unserer bisherigen Bandgeschichte. Würde ich jetzt mal in unrealistischen Sphären denken, würde ich wahrscheinlich sagen: Incubus. Auch wenns überhaupt nicht passt – diese Band war durch meine ganze Jungspund-Zeit ein großes Vorbild. Auch leider unrealistisch: Wenn sich die Aachener Band Eaves irgendwann mal zu einer Reunion zusammentun, würden wir liebend gerne da mitspielen. Auch diese Band hat uns im positiven Sinne komplett überfahren und uns eigentlich erst dazu bewogen, FJØRT zu gründen.

Wenn jede Band mit seinem eigenen Sprinter unterwegs ist, wie handhabt man das? Fährt jeder für sich oder tuckert man gemeinsam im Konvoi über die Autobahn? Wohnt der Headliner im Hotel und muss der Rest schauen wo er schläft?

Das ist ganz unterschiedlich, normalerweise entscheidet jede Band selbst, wann und wie sie fahren. Die Headliner-Band muss ja auch früher am Venue sein, wegen des Soundchecks. Als Support haben wir uns selbst drum gekümmert, wo wir nächtigen können, und je nachdem fährt man dann mal früher, mal später los zur nächsten Show.

Welches Konzert war für euch das Highlight der Tour?

Die Funeral-Tour schloß sich ja nahtlos an eine Reihe kleiner Headliner-Shows von uns an, bei diesen Shows hat eigentlich jeder Abend sehr viel Spaß gemacht, weil es glücklicherweise immer gut gefüllt war, und wir auch in einigen Städten zum ersten Mal spielen durften. Wenn ich mir bei der Funeral-Tour eine Show aussuchen müsste, wäre es wohl die Show im Kölner Gebäude 9. Da war ich selbst schon etliche Male als Besucher, und es ist schon toll, dann auf einmal selbst dort auf der Bühne zu stehen und vor ausverkauftem Haus zu spielen. Man rechnet einfach überhaupt nicht damit, dass sowas mal passiert.

Euer Debütalbum „D’Accord“ erschein letztes Jahr im März. Wie schaut ihr selber auf die Zeit seit dem das Album veröffentlicht ist zurück und auf die Zeit, die ihr in dieses Album investiert habt?

Die Phase, in der wir das Album geschrieben haben, schloß sich im Prinzip direkt an die Veröffentlichung von „Demontage“ an. Wir hatten also viel mehr Zeit, um für uns das beste rauszuholen. Das Album selbst haben wir dann innerhalb von 6 Tagen im Studio eingespielt, wobei ich jeden Abend noch stundenlang an den Texten saß und Wörter hin- und hergedreht habe. Wir wollten uns dafür zerlegen und einfach das beste auf Platte bannen, was uns zu der Zeit möglich war. Das Jahr war dann ziemlich intensiv, da wir glaube ich rund 80 Konzerte gespielt haben, viele neue Länder und Bands kennengelernt haben und zum ersten Mal auch ein paar Sommerfestivals spielen durften. Ich glaube, das war auch das einzig Richtige, zu touren so viel es geht. Ein Livekonzert ist eine völlig andere Sache, mit einer ganz anderen Wertigkeit als ein paar Mp3s auf einem Silberling. Live spielen ist das, was am meisten Spaß macht an der ganzen Band-Sache, und ich denke und hoffe, dass die Livekultur auch wieder den Zuspruch bekommt, den sie verdient, und Leute rausgehen, um Bands live zu erleben.

Wie entsteht bei euch die melodisch-krachige Musik? Entwickelt sich das ganz langsam oder gibt es eine Eingebung und dann macht ihr einen Song fertig?

Sowohl als auch. Der normale Werdegang eines Songs ist wohl eher länglich, wir schrauben mitunter tagelang im Proberaum an einzelnen Parts, um sie dann doch wieder zu verwerfen, weil sie uns nicht 110% kicken. Texte sind nochmal ein ganz anderes Ding, die werden erst drübergelegt, wenn der Song steht und ein gewisses Feeling hat, an dem man ausloten kann, wohin es thematisch gehen soll. Das ist eigentlich sogar der längste Prozess. Tatsächlich gibt’s aber auch spontane Einfälle im Proberaum, aus der wir dann in 2 Stunden eine Nummer stricken, die dann plötzlich alles hat was sie braucht. Manchmal sind das sogar die besten Songs. Das mag vielleicht kitschig klingen, aber es gehört schon ein gewisser Funke dazu, „gute“ Songs, wie auch immer man das definiert, hinzukriegen. Das funktioniert in den seltensten Fällen auf Knopfdruck.

Das Jahr ist noch jung, welche Act wird aus eurer Sicht durchstarten bzw. sollte man unbedingt mal anchecken?

Gute Kumpels von uns, und großartige Menschen, von denen man sicherlich noch ganz viel hören wird, sind die Jungs von Heisskalt. Die „Vom Stehen und Fallen“ ist eine unserer Lieblingsplatten des letzten Jahres. Ich würde mal sagen, an Bilderbuch kommt man im nächsten Jahr auch nicht vorbei. Auschecken sollte man auch The Tidal Sleep, wie wir beheimatet bei This Charming Man Records, richtig gute Typen die bald wieder neue Musik rausbringen und auf ausgedehnte Tour mit Landscapes gehen. Ansonsten gibt es so viele gute Bands da draußen, von denen man vielleicht noch nicht so viel gehört hat. Ich empfehle jedem, einfach die Augen offen zu halten, und sich mal hier und da reinzuklicken, wenn der beste Kumpel einem eine Band zeigt. Und mal auf ein Konzert mitzukommen. Und sich auch nicht vor Sachen zu verschließen, die man sonst vielleicht nicht hört. Denn es gibt wirklich eine Menge guter Musik zu entdecken.

Viele Fragen sich sicherlich, wann der Nachfolger von Euch kommen mag. Wie sieht es mit neuem Material aus?

Wir haben gerade angefangen, uns im Proberaum einzuschließen und neue Sachen zu schreiben. Es macht auch wieder unheimlich Spaß, und wir finden das, was bisher steht, sehr spannend und freuen uns drauf, was noch so dabei rauskommt. Ein Album ist in Planung, und ich schätze, Anfang 2016 darf man was Neues von uns erwarten.

Ihr spielt jetzt noch auf der getaddicted Party am 28.02. in Köln Was kommt danach?

Wir werden dieses Jahr definitiv weniger spielen als 2014. Hauptsächlich liegt das daran, dass wir uns aufs Album konzentrieren wollen, und letztes Jahr haben wir es ja sowieso etwas übertrieben, haha. Wir freuen uns unglaublich auf die Köln-Show, aber ich denke auch, dass es die letzte vor dem neuen Album sein wird. Ansonsten spielen wir noch ein paar vereinzelte Konzerte, unter anderem in Dresden, und eine handvoll Festivals im Sommer.

Die berühmten letzten Worte gehören euch…

Vielen Dank für das Interesse an unserer Kapelle. Wir freuen uns über jeden, der Lust hat, sich mal was von uns anzuhören, und zu schauen, obs gefällt. Vielleicht sieht man sich auch mal auf ner Show auf ne Cola!

Info: www.facebook.com/fjort