EMPIRE ESCAPE „Kontinuierlich arbeiten und weiter voran kommen“

Empire Escape

Am 11.09. erschien mit „You Are Not Alone“ der heiß ersehnte Nachfolger zum Debütalbum “Colours” von Empire Escape. Gute zwei Jahre ist es her, dass die Berliner ihr gefeiertes Debütalbum “Colours” veröffentlichten. Die Zeit nutzte die Band aber nicht, um sich auf dem Erfolg auszuruhen. Gleichermaßen produktiv im Studio und auf der Bühne spielte die Band über 60 Konzerte in dieser Zeit und war sogar als Support für die schwedischen SHOUT OUT LOUD unterwegs. Nach einem Bandinternen Rückschlag steht das Album für einen Neuanfang. Die Melancholie und das Subtile, das den Vorgänger noch beherrschten, sind einer Direktheit und den klaren Statements gewichen. Im Interview Sänger und Gitarrist Hendrik Schäfer.

Als ich zum ersten Mal euer neues Album „You Are Not Alone“ gehört habe, hatte ich Eindrücke von frühen The Killers/Editors über New-Wave und Indie-Rock im Kopf. Also, ein illustrer Mix. Wie kommt man auf die Idee, solche Musik zu spielen? Und vor allem, wie schafft man es, die ganzen Stile/Ideen/Vorstellungen zu einer Einheit zusammenzufügen?

Zunächst einmal „vielen Dank“. Das klingt nach dem, was wir mit dem Album auch triggern wollen. Oder zumindest verstehen wir das mal so, dass wir es bei dir tun. Für eine Band ist es immer schwierig zu ergründen, wie wohl die eigenen Songs bei den Leuten letztendlich ankommen werden und was sie auslösen. Ich persönlich verbinde mit den genannten Bands eine sehr emotionale Ansprache. Ich liebe das etwas Theatralische, was z.B. bei Editors oder Killers mitschwingt. Wenn es dir beim Hören unserer Songs ähnlich ergangen ist, dann ist das gut zu hören; da wir somit schon mal einem eigenen Anspruch gerecht werden.

Eine konkrete Idee einen „derartigen Mix“ zu machen, gab es allerdings nicht. Wir versuchen nicht irgendwas zu reproduzieren. Vielmehr ist dieses Album aus den verschiedenen Songideen und Einflüssen entstanden. Es war auch die Intention jeden Song für sich selbst zu entwickeln. Aus diesem Grund haben sowohl Torsten Otto als auch Mathias Olden die Songs gemischt. Und insbesondere der „The Killers“-Vergleich, der auch bei anderen Rezensionen angebracht wurde, überrascht uns eher. Um ehrlich zu sein, finden mindestens 50 Prozent von uns The Killers im Gesamten auch gar nicht so interessant. Natürlich ist ein Song wie „Mr. Brightside“ ein Überhit, aber das Gesamtwerk von The Killers hat uns mit Sicherheit nicht allzu stark beeinflusst. Dafür haben wir es zu selten gehört. Da wären Editors schon eher ein Einfluss.

Die Scheibe ist jetzt frisch veröffentlicht. Wie lange habt ihr an der neuen Platte gearbeitet und seit ihr froh oder eher erleichtert, jetzt da sie draußen ist? Was war euer Anspruch an das neue Material?

Wir sind definitiv glücklich und gleichzeitig erleichtert. Unterm Strich hatten wir nicht allzu viel Zeit, um am Album zu arbeiten, da wir im Jahr 2015 ein Album veröffentlichen wollten. Das liegt in der Tatsache begründet, dass unser ehemaliger Gitarrist, der seinerzeit einen starken Einfluss auf’s Songwriting hatte, 2014 die Band verlassen hat. Da mussten wir uns zunächst erst einmal sammeln und überlegen, welche der knapp 10 Songs, die schon geschrieben waren, wir wirklich noch machen möchten. Insbesondere bei den Songs, die er sehr persönlich geprägt hat, wäre es irgendwie befremdlich gewesen, diese dann auf die Platte zu packen und sich damit irgendwie „zu kleiden“. Somit haben wir nur zwei von den zehn Songs weiterverfolgt. Insgesamt haben wir knapp ein Jahr am Album gearbeitet.

Was der Anspruch an die neuen Songs war? Ich denke jede Band versucht sich immer mehr an das Ziel des perfekten Songs heranzutasten. Ein perfekter Songs heißt aber nicht, dass es ein Hit sein muss, sondern vielmehr, dass man dem, was man ausdrücken möchte sowohl textlich als auch musikalisch immer gerechter wird. Die Musik spricht viele Sprachen und die Kunst liegt darin, die richtige zu finden. Wenn man das erreicht – ob durch Zufall oder was auch immer – dann hat man viel erreicht. Ich denke, uns ist das auf der neuen Platte sehr gut gelungen. Jeder Song steht ein wenig für sich selbst. Das Material ist insgesamt breiter gefächert als auf ‚Colours‘. Das war definitiv auch ein Anspruch.

Eine Frage, die mich schon bei eurem ersten Album interessierte und die ihr wahrscheinlich schon oft gehört habt: Euer Bandname bietet ja bereits Material für Interpretationen, aber was bedeutet er für euch wirklich und vor allem wie seit ihr darauf gekommen?

Wie wir auf den Namen gekommen sind? Wir haben mit unserer alten Band Ikaria in Liverpool ein Festival gespielt. Diesen Auftritt haben wir nach allen Regeln der Kunst verhauen und saßen danach in einer Bar Namens „The Empire“. (Ich musste gleich mal google konsultieren, wo die genau war; es war einiges an Bier im Spiel 🙂 – http://bit.ly/1FRlzFB) Wir sind schon mit den Gedanken nach Liverpool geflogen, dass wir die Band evtl. noch einmal völlig neu aufstellen möchten. Dieser Schießauftritt war dann wohl das letzte Zeichen. So gesehen eine Flucht nach vorne. Ein neues Empire aufbauen; eines,in dem wir uns wohl fühlen. Somit wurden wir Empire Escape.

Seit vier Jahren gibt es nun euch. Was war der bisheriger Höhe- und Tiefpunkt in eurer Bandgeschichte? Gab es in den Jahren gar einen Zeitpunkt , an dem ihr mal an allem gezweifelt habt, das Handtuch schmeißen wolltet?

Den EINEN Höhepunkt gibt es nicht. Auf der Supporttour mit Shout Out Louds 2013 gab es so gesehen 9 Höhepunkte. Oder auch der Studioaufenthalt an sich ist immer ein Höhepunkt. Die Platte in den Händen halten. Das sind Höhepunkte, warum wir das machen.

Der Tiefpunkt der Band war gleichzeitig auch der Moment, wo wir ernsthaft darüber nachgedacht haben, aufzuhören. Als Julius die Band verlassen hat. Da ist erst einmal einiges ins Wanken geraten. Aber letztlich wäre es irgendwie töricht gewesen deswegen aufzuhören. Schließlich haben wir bis dato schon viel gerissen und es wäre auch gegenüber den Leuten, die an uns glauben – sei es das Label, Booking oder auch jene Menschen, die uns bei Konzerten Ihre Freude zeigen – irgendwie seltsam einfach das Handtuch zu werfen. Es ist wie immer im Leben. Es gibt es viel Licht und genau so viel Schatten.

Ihr geht im Oktober auf Tour. Haben sich eure Erwartungen an Tour und Shows über die Jahre bisher erfüllt? Die beste Show? Und die schlechteste?

Erwartungen. Das ist schwierig zu beantworten. Unsere Erwartungen an das Touren sind sehr realistisch. Wir haben vor 3 Leuten gespielt und als Support vor knapp 1.000. Wir sehen das Touren genauso wie die Band an sich. Wir möchten kontinuierlich arbeiten und weiter voran kommen. Wir erwarten von uns selbst, dass wir auf Tour amtlich abliefern. Dass wir unsere Vision von Musik und Songs auf die Bühne kriegen und damit auch die Leute, die bei den Konzerten sind. Wir wollen die Leute mit dem Gefühl nach Hause schicken, dass sie eine Band gesehen haben, die Feuer hat und für das was sie tut, glüht.

Was ist in Zukunft – kurz- und langfristig – noch von Empire Escape zu erwarten?

Guter Songtitel. ‚A glance in the crystal ball‘. Schwer zu sagen. Wir werden weiter arbeiten, Songs schreiben, touren und hoffentlich in 2 Jahren wieder ein Album veröffentlichen. Solange wie Spaß an dem haben, was wir machen, werden wir es weiter verfolgen. Vielleicht erfinden wir uns noch einmal neu, wer weiß?

Zum Schluss noch eine offene Frage. Das Album ist draußen, ihr geht auf Tour, seid am Durchstarten. Gibt es noch etwas, dass ihr bezüglich euch oder eurer Platte unbedingt loswerden wollt? Dann schießt mal los!

Wir sagen ungern was zur Platte selbst. Die Leute sollen sich beim Hören ihr eigenes Empire zurechtlegen und ihre eigene Welt in die Songs packen. Was wir schön finden, ist, wenn es den Leuten gefällt und sie dadurch ein paar schöne Momente mehr im Leben haben.

 

Live sind Empire Escape im Oktober unterwegs:
14.10.2015 – Ost-Pol – Dresden
15.10.2015 – naTO – Leipzig
16.10.2015 – Magnet Club – Berlin
17.10.2015 – Molotow Karate Keller – Hamburg
20.10.2015 – Schon Schön – Mainz
21.10.2015 – Gotthard Bar – Zürich
22.10.2015 – Museumskeller – Erfurt
23.10.2015 – Tsunami Club – Köln
29.10.2015 – Glockenbachwerkstatt – München
30.10.2015 – Bebel – Cottbus

Info: www.facebook.com/empireescape