Heaven Shall Burn: „Es geht darum, sich im täglichen Schwachsinn nicht abzunutzen“

hsb

Im Rahmen der Veröffentlichung ihres neuen Albums „Wanderer“ hatten Heaven Shall Burn einige kleine Clubshows angekündigt. Genau am Tag des Releases (19.09.2016) stand das vierte Konzert dieser Mini-Tour im Kölner Gebäude 9 auf dem Programm.
Kurzfristig bekamen wir die Möglichkeit im Vorfeld mit Gitarrist Maik Weichert zu sprechen. Dazu lud er mich in den HSB-Nightliner ein und wir machten es uns in der oberen Etage im Sofa-Bereich gemütlich. Aus den vereinbarten 20 Minuten wurde dann schnell eine halbe Stunde, was auch kein Problem darstellte. An dieser Stelle besten Dank für die entspannte Art des Interviews.

 

Hallo Maik und Herzlichen Willkommen in Köln. Beginnen wir etwas untypisch mit einem Fußballthema. Da ihr bekanntermaßen mit dem FC Carl Zeiss Jena eng verbunden seid (als Trikotsponsor etc.): Glückwunsch zum 7. Sieg im 7. Spiel in der Regionalliga Nordost am Wochenende gegen den Berliner AK. Geht ihr regelmäßig in Jena ins Ernst-Abbe-Sportfeld?

Also aktuell können wir nicht ins Stadion gehen, da wir ja auf Tour sind. Aber sympathisch ist Jena allen in der Band. Der Alex ist sogar in Jena geboren, insoweit sind wir alle schon auch FC Carl Zeiss Fans. Unser Drummer kommt aus dem Ruhrpott und ist eher so Rot Weiss Oberhausen Fan. Und als Anhänger eines kleinen Vereins wie RWO ist ihm dann so ein Fußballverein wie Jena ebenfalls sympathisch.

Ihr habt den Verein durch verschiedene Aktionen unterstützt. Wart z.B. Trikotsponsor, die Einlaufmusik kommt von Heaven Shall Burn und aktuell seid ihr auch noch mit einem Logo auf dem Ärmel des Trikots sowie den Eckfahnen vertreten. Darüber hinaus unterstützt ihr die Fanszene und habt sogar ein HSB-Shirt mit dem Titel „Reconquer the football“ mit der Crowdfanding-Initiative zum Erhalt der Südkurve in Jena herausgebracht. Woher kommt dieser Einsatz?

Genau, wir waren Trikotsponsor und haben durch unsere Aktion auch den neuen Hauptsponsor herangeholt. Seashepherd war durch uns ebenfalls für eine Saison Sponsor und jetzt sind wir noch mit einem Totenkopf auf dem Ärmel vertreten. Bei der ganzen Sache wie dem Sponsoring und der Aufmerksamkeit für den Verein ging es für uns um das Motto: Unterstütze deinen kleinen lokalen Verein, egal wer das ist und wo der spielt. Hier in Köln muss ja auch nicht jeder nur zum FC rennen, sondern kann auch zu Viktoria oder Fortuna gehen.

Das Crowdfanding zum Erhalt der Südkurve für die Jena Fans fand ich auch echt beeindruckend. Vor allem, weil die Südkurve und die Ultras da so um ihre Heimat im Stadion kämpfen, sich dabei aber nicht darauf beschränkt haben nur zu meckern oder gegen etwas Neues zu sein. Sondern ganz im Gegenteil, sie haben die Sache einfach selber in die Hand genommen und jeden, der sie ausgelacht hat und meinte „das ist doch viel zu viel Geld, wie wollt ihr das machen“ eines Besseren belehrt. Als nach vier Wochen dann schon unglaubliche 150.000 Euro zusammengekommen sind, waren alle Kritiker still.

Ich fand das auch einen super Ansatz. Als Bremen-Fan, den in der durchkommerzialisierten Bundesliga etwas andere Thematiken beschäftigen, hat mich das auch echt gefreut.

Oh Werder. Keine schöne Zeit im Moment, was? Und, wird nun Breitenreiter neuer Trainer?

Gute Frage, der Werder-Weg mit internen Lösungen ist an sich schon sehr cool aber ganz ohne externe Impulse ist es auch schwierig denke ich.

So mit Wiesenhof haben die Bremer natürlich einige Pluspunkte bei mir eingebüßt, aber sonst waren die mir auch immer schon sympathisch. Obwohl ich den HSV eigentlich auch mag, ich bin da ja nicht so in der Fehde mit drin (lacht).

Letzter Punkt zum Thema Fußball. Gib doch, als regional etwas näher Stehender, bitte mal ein Statement zu Red Bull Leipzig ab.

Ich kann da im Prinzip nicht so viel Negatives dran finden. Die Leute die es hassen, die vereint das jetzt natürlich und so etwas setzt dann ja auch irgendwie Kräfte frei um etwas zu bewegen und sich zu organisieren. Und die Leute in Leipzig und Umkreis, die so einen Idiotenverein cool finden, die können dann jetzt halt 1. Liga Fußball gucken. Für mich ist das auch nichts groß anderes als z.B. Bayer Leverkusen oder VW Wolfsburg. Das interessiert mich dann auch alles nicht mehr so sehr in der Bundesliga. Wenn da Mönchengladbach gegen den HSV spielt, ist das ein cooles Spiel für mich. Aber wenn Wolfsburg gegen Hoffenheim oder Ingolstadt gegen Red Bull antritt, das braucht doch kein Schwein!

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Weiter zum Thema Musik. Ich werde versuchen mal etwas anders heranzugehen und nicht die typischen Fragen zu stellen, sondern als Wanderer versuchen neue Interviewwege zu gehen, die hoffentlich noch nicht so ausgetrampelt sind.

Das ist schön. Ich bin gespannt.

Wie verlief denn euer Tourstart mit den Clubshows in Berlin, Chemnitz und Essen bisher?

Jena hatten wir da am Anfang auch noch mit reingeschoben, da sich viele beschwert haben, dass wir nicht direkt in der Heimat auch eine Show machen. Insbesondere bei diesem Ansatz mit den kleinen und intimen Clubshows. Das war erst gar nicht so geplant, aber dann auch in 6 Stunden ausverkauft.

Das war ja für uns auch so der Ansporn, einfach mal loszufahren ohne lange vorher eine große Produktion zu planen, 1000 Dinge mitzubringen und sich um alles kümmern zu müssen wie wenn wir z.B. hier im Palladium spielen würden. Heute parken wir hier den Bus, gehen rein und spielen. Von daher gibt es auch nicht so viel, was bei den Gigs schiefgehen kann. Von daher ist bisher alles sehr cool gelaufen und es macht super viel Spaß.

Wie sah es bisher mit den neuen Songs aus? Wart ihr etwas nervös die in so einem kleinen Rahmen zu testen und habt ihr bereits ein Gespür davor, welche zünden und welche nicht?

Ja gut das war schon etwas spannend zu sehen, wie wir das neue Material auf die Bühne bringen können und wie die Reaktionen dann ausfallen. Wir spielen auf der Tour so 3 – 4 neue Songs live. Da war aber bisher keiner dabei, bei dem wir dachten: Öhm der kommt jetzt aber nicht so gut an. Die neuen Sachen haben wir vom Start an gut hinbekommen. Früher hatten wir das aber auch schon mal, dass neue Songs live nicht so gebrannt haben und die sind dann später auch nie mehr in der Setlist bei den Konzerten aufgetaucht, das gab es also schon.

Wie war euer Tag in Köln bisher? Habt ihr was von der Stadt gesehen?

Also ich will ja nix gegen Köln sagen, aber das war so eine der Städte, als ich das erste Mal hier war, war ich schon echt enttäuscht, wenn du das gestattest.

Kein Problem. Ich finde Köln architektonisch etc. auch nicht cool. Aber halt die Leute, Locations und das „kölsche jeföhl“ machen es super lebenswert.

Genau. Ich hatte mir Köln insgesamt immer gloriöser vorgestellt so. Dann kommst du hier her aber außer dem Rhein und dem Dom beeindruckt dich erstmal nichts. Aber nichts desto trotz sind die Menschen hier natürlich echt cool. Wenn man da nochmal jemanden mit dem Kölner Platt reden hört, das finde ich schon megamegacool. Weil es hier ja auch so ein besonderer Menschenschlag ist. Wir selber haben auch viele Freunde in Köln, die sich aber heute tagsüber hierhin zu uns aufgemacht haben und wir nicht in der Stadt unterwegs waren. Ein paar von uns waren tagsüber in einer Therme in der Nähe, da war ich zwar nicht mit, aber da hingen die so ab.

Ah okay, die kenne ich. Die ist hier an der Zoobrücke um die Ecke. Fun Fact: Von der Gondelbahn über den Rhein kann man in die Sauna reinschauen.
Und womit vertreibst du dir dann so die Zeit auf Tour?

Wäre heute nicht Montag, wäre ich bestimmt in ein Museum oder eine Kunsthalle gegangen. Das ist montags natürlich blöd und Fußball gab es tagsüber auch nicht. Gestern in Essen bin ich zum Fußball gegangen. Aber nicht zum RWE oder so. Den Verein wollte ich unbedingt mal sehen, ich hab da so eine Macke, dass ich die ganz alten traditionellen Ruhrpott Clubs die keiner mehr kennt, besuchen will, wie Westfalia Herne beispielsweise. Gestern ging es dann in Essen für mich zu den Sportfreunden Katernberg, da hat damals „aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen“ gespielt. Das war bis zu den 50er Jahren ne große Nummer und jetzt spielen die Kreisoberliga oder so was. Aber so ein paar ganz Alte sind da am Spielfeldrand, wenn man mit denen ins Gespräch kommt ist das schon megageil. Wenn dir ein 80jähriger Ruhrpott Typ Geschichten von früher erzählt, so etwas kannst du einfach nicht in Gold aufwiegen. Für 2 Euro Eintritt war das echt der Hammer gestern. Und so habe ich in jeder Stadt etwas Besonderes was man so machen kann. In Hamburg und Frankfurt wird es auch eher wieder ein Museum werden. Ansonsten liege ich in meiner Koje im Bus und lese was oder mache Interviews.

Wie viele Interviews stehen heute denn an? Und hast du aktuelle Leseempfehlungen?

Och nicht so viele, 3 Stück heute. Na gut, momentan lese ich materielles Verwaltungsrecht im Assesorexamen. Das lese ich mir nochmal durch für eine Verbesserungsprüfung im Examen. Daneben habe ich aktuell dabei, aber noch nicht gelesen: LobbyPlanet Berlin von Lobbycontrol. Ein Reiseführer durch Berlin in Sachen Lobbyismus. Ich habe die zugehörige Stadtführung von Lobbycontrol auch schon mitgemacht. Voll interessant. Wenn du mal einen Leopard 2 Panzer kaufen willst, dann ist da quasi direkt am Brandenburger Tor das Autohaus dafür. Echt verrückt. Des Weiteren von Landolf Scherzer – Der Erste. Das hat mir unser Fotograph mitgebracht.

Fliegender Wechsel zum Thema Festivals. Ihr kommt ja direkt aus der Nähe vom PartySanOpenAir, da Saalfeld bei Schlotheim bzw. Obermehler liegt. Ich habe euch 2013 als Headliner am Donnerstag dort gesehen. Im Vorfeld gab es von einigen Leuten die Diskussion und Kritik am Veranstalter, dass ihr nicht auf dieses (Extreme-, Death-, Black-, Thrash) Festival passen würdet. Wie war das damals dann im Endeffekt?

Na gut, der Auftritt war insgesamt schon harte Arbeit. Ich sage immer so ein bisschen arrogant, dass es natürlich die höchste Spitze ist die du erreichen kannst, wenn du für Leute so wichtig bist, dass sie ihre eigene Position durch den Hass auf dich definieren. Die hören dann das „Unwort“ Metalcore und es gehen sofort alle Alarmglocken an und die Fensterläden runter. Die meisten die aus diesem Umfeld nur unsere Musik hören ohne zu wissen wer das ist, würden nie auf die Idee kommen, dass das HSB sind, weil sie es sich ganz anders vorstellen. Aber gerade beim PSOA waren wir ja auch bei den ersten Ausgaben mit dabei und das ganze sowohl vor, auf wie hinter der Bühne.

Guter Punkt, für euch war es nach 1996, 1999 und 2004 bereits der vierte Auftritt dort.

Das stimmt, aber 1996 waren wir noch nicht als HSB unterwegs und das PSOA hieß damals sogar auch noch nicht so. Wir haben da dann z.B. auch schon mit Edge of Sanity zusammengespielt. Oder mit so einer jungen Death Metal Band aus Schweden: Amon Amarth. Da kannten die noch nicht ganz viele. Und dann regen sich über uns da Leute auf, die ein nachgedrucktes „Left Hand Path“-Shirt von Entombed tragen, welches sie seit zwei Jahren besitzen, dass wir da spielen. Hinterher waren aber viele da, die gesagt haben: „Ich wollte es echt scheiße finden, aber es war nicht scheiße“ und teilweise auch ok oder sogar cool. Das hatten wir dann viel mehr als die Kritik im Vorfeld.

Die gleiche Erfahrung habe ich bei Leuten die euch nicht kannten teilweise auch gemacht.

Den meisten geht es ja dabei auch gar nicht um uns als Band, sondern um zu zeigen wie cool und true sie selber sind und dazu gehört es dann eben auch HSB zu hassen, weil die gefühlt jeder irgendwie cool findet. Die tragen dann lieber zehn schwarz-weiße Aufnäher von Black-Metal Bands die irgendwann mal ein Demo in die Mülltonne geworfen haben und deshalb Underground und cooler sind. Das habe ich total oft, dass Leute glauben, wenn ich da mit meinem original Sodomy and Lust Shirt von Sodom rumlaufe, welches ich früher mal für 9,99 Mark in der Grabbelkiste beim EMP gekauft habe, dass ich das für 300,- Euro bei eBay gekauft hab oder so. Aber das muss ich dann auch keinem mehr beweisen.

Wo du gerade Sodom ansprichst, dieses Jahr beim PartySan auch wieder echt gut.

Ja ich habe die da auch gesehen, hat wieder fett geknallt. Ist rein musikalisch glaub ich auch das fitteste Line Up was der Tom Angelripper je hatte. Also da der Drummer und der Klampfer, das ist schon richtig Hammer. Wir haben letztens auch beim Metal Hammer Award mit Sodom zusammengespielt. Das war schon cool.

Gespielt habt ihr dieses Jahr auch wieder einige Open Air, u.a. Rock am Ring, Highfield, Deichbrand, Hellfest und Graspop. Was waren die Highlights und der Reinfall der Festivalsaison2016?

Also kein Reinfall im eigentlich Sinn aber super schade war es natürlich beim Rock am Ring, weil da so viele Bands absagen mussten bzw. auf Grund der Witterungsverhältnisse nicht spielen konnten. Da hingen wir den ganzen Tag mit Trivium und Killswitch Engange rum und sollten irgendwann nacheinander spielen. Trivium haben in der Zeit zwei Mal alles auf- und wieder abgebaut, weil es erst hieß ihr spielt jetzt, spielt doch nicht usw. und die mussten dann im Endeffekt komplett unverrichteter Dinge wieder abreisen. Das war natürlich scheiße, wenn eine so eng befreundete Band nicht spielen kann. Da hatten wir mit Killswitch erst noch überlegt, dass wir beide jeweils 20 Minuten weniger spielen und dann die Zeit an Trivium abgeben, aber das ging dann auch irgendwie nicht. Das war blöd. Aber unser Gig war cool, weil die Leute natürlich ausgehungert und froh waren, dass da endlich mal wieder ein paar Bands auf der Bühne spielen.

Vom Flair her nicht zu überbieten war dieses Jahr mal wieder das Hellfest. Das ist echt der Überhammer, was die den Leuten da bieten, wie der Festivalground aussieht und so. Das ist schon echt krass und nur zu empfehlen, wenn jemand mal ein richtig geiles Festival erleben will. Das Lineup ist unfassbar. Ansonsten macht Deichbrand immer Spaß, coole Atmosphäre dort. Das Highfield bei uns zu Hause um die Ecke u.a. mit Rammstein war auch super.

Euer Video zum Song Endzeit von der Iconoclast hat über 10 Millionen Views bei Youtube. Was ist das für ein Gefühl so eine Zahl zu sehen, das ist ja schon ziemlich abgefahren.

Das ist natürlich schwer, das in Deutschland auch überhaupt mitzubekommen, weil es wegen Gema-Youtube-Beef da lange gesperrt ist oder war. Trotzdem hat es 10 Millionen Plays, das ist einfach eine surreale Zahl. Bei irgendwelchen Veranstaltern kommt das aber immer gut an, weil das zählt ja heutzutage mehr als die Chartpositionen. Generell sind wir da schon stolz drauf.

 


Als nächstes komme ich endlich mal zum neuen Album Wanderer. Ihr habt dort einige illustre Gäste am Start. Bei „Prey to God“ den allmächtigen Corpsegrinder von Cannibal Corpse, dann den ehemaligen Gitarristen Frank Blackfire von Sodom beim Cover von deren „Agent Orange“. Außerdem beim von My Dying Bride gecoverten „The Cry Of Mankind“ von Sólstafir den, ähm… ja…

… Adi. Aber den kompletten Namen [Aðalbjörn Tryggvason] kannste nicht aussprechen, wenn du kein Isländer bist…

Danke! Fehlt noch der Nick Hipa von Wovenwar und früher As I Lay Dying bei „Save me“. Schon sehr cool diverse Persönlichkeiten dabei zu haben. Wie kam da so jeweils der Kontakt zustande? Waren das Freunde bei denen Ihr gedacht habt, lasst mal was zusammen machen oder eher Musiker mit denen ihr unbedingt etwas machen wolltet und ihr die dann dementsprechend angefragt habt?

Bei George Fisher war es letzteres. Unser Sänger hat den Song gehört und uns gesagt, wenn ihr da schon so viele Cannibal Corpse Riffs klaut, dann will ich hier auch ein Duett mit dem Corpsegrinder singen, weil er ein großer Fan von ihm ist. Und passenderweise sind in unserer Crew ein paar Leute die auch für Cannibal Corpse arbeiten und dann haben wir den Kontakt halt so hergestellt. Vom Guten Tag sagen kannten wir die Jungs vorher natürlich, aber mehr auch nicht. Das war dann eher so ein Fan-Boy Ding wie bei Frank Blackfire auch.

Der Adi von Sólstafir, das ist ein ganz alter Kumpel von mir. Wir treffen uns auch immer, wenn ich in Island bin. Mit dem wollte ich schon immer mal was machen. Und als dann der MDB Song noch einen Farbtupfer brauchte, bin ich auf ihn gekommen.

Mit dem Hipa war es auch einfach, das ist ein ganz alter Kumpel. Was weiß ich, in welchen Löchern wir zusammen mit AILD schon zusammen in Südamerika gespielt haben und so. Mit den Jungs waren wir schon ganz viel zusammen in der Welt unterwegs. Und als wir dann noch ein besonderes Gitarrensolo draufhaben wollten, da haben wir ihn eben angerufen.

Wenn ich es richtig verstanden haben, seht ihr hinter dem Titel des Albums „Wanderer“ das Konzept, sich erst einmal zurückziehen, Kräfte zu sammeln und sich nicht von der schnelllebigen Zeit aufreiben zu lassen. Stattdessen sich zu fokussieren um dann gestärkt wieder loszuschlagen zu können. Den Ansatz finde ich gerade in der momentanen hektischen und reizüberfluteten Welt gut, sehe aber gleichzeitig die Gefahr, dass es in Richtung eines Eskapismus kippen kann, wenn man sich zu sehr zurückzieht.

Ja da hast du Recht, das stimmt schon so, genau in die Richtung ist es gemeint mit dem Wanderer. Trotzdem ist es eine total politische Platte mit politischen Texten. Genau darum geht es ja. Es sind alles Themen und Texte auf die ich gekommen bin, als ich mich in der Ruhe befand und mich mal zurückgezogen habe. Das wollten wir damit auch aufzeigen.

Es geht auf jeden Fall nicht darum, sich komplett zurückzuziehen und zu isolieren. Sondern sich nicht im täglichen Schwachsinn abzunutzen, da eine vernünftige Stimme gerade eh nicht gehört wird. Sondern um den Schritt zurück aus der ersten Reihe und um das richtige Timing, wann man dann wieder einsteigt um etwas zu verändern.

Musikalisch und textlich für mich eines der Höhepunkte ist das Lied „They shall not pass“. Das war mir vorher gar nicht bekannt, dass sich 1936 in der sogenannten „Schlacht in der Cable Street“ bis zu 300.000 Gegendemonstranten den 3.000 Anhängern der British Union of Facists um Oswald Mosley und ca. 14.000 Polizisten entgegenstellten und den Aufmarsch schließlich erfolgreich zum Abbruch brachten.

Das wissen die meisten Leute nicht, dass in den 30er Jahren auch in England Faschisten marschiert sind. Diesen Fakt hatten wir so auch nicht auf dem Schirm und es war mir nicht bewusst, bevor ich das gelesen hatte und beeindruckt war. Wir fanden das auch ein gutes Statement in Richtung Pegida-Aufmärsche und co. Wir kommentieren in unseren Texten aktuelle Sachen eher mit historischen Fakten und Verweisen, von daher fanden wir das Thema super.

Vom Wanderer gibt es verschiedene Editionen bzw. Packages. Zum Beispiel das Artbook oder Mediabook, nur die normale CD, Vinyl, limitierte Bundles mit Trinkbeutel oder inklusive T-Shirts in verschiedenen Farben. Kommt so etwas alles von euch oder sagt die Plattenfirma wir wollen beim Release etwas Besonderes für die Fans machen?

Das hat echt ein bisschen überhandgenommen, kommt aber auch etwas von den Händlern und so. Im Prinzip gibt es ja dieses 3-CD-Book, 2-CD-Book, Jewel-Case-CD und Vinyl in ein paar verschiedenen Farben. Mehr gibt es ja nicht. Und dann halt noch die Bundles mit weißem Shirt, schwarzen Shirt, Trinkbeutel bzw. noch eine Impericon-Box drumherum. Das einzige was wir uns davon selber ausgedacht haben ist diese Version mit der SIGG-Flasche und dem Salomon-Rucksack die es im Vorfeld bei Impericon gab. Das fanden wir richtig cool und wollten das unbedingt machen.

Ansonsten sind das von der Musik her ja keine unterschiedlichen Editionen, sondern die großen Verkäufer schnüren da noch was für die Fans um mehr Value for Money zu haben bzw. dass sie mehr Umsatz machen können. Da können wir nicht unbedingt immer was dazu, aber sieht dann in der geballten Menge schon ein bissel blöd aus, das gebe ich zu.

So, dann ist die Zeit leider auch schon wieder um. Besten Dank für das sehr interessante und abwechslungreiche Interview, hat mir echt Spaß gemacht. Viel Erfolg bei der Show heute Abend und noch eine gute Tour!

Danke dir auch und schick mal rum, wenn’s fertig ist.

 

 

 

Info: www.facebook.com/officialheavenshallburn

Fotos vom Gig in Köln: www.christianthiele.de/heaven-shall-burn-koeln-gebaeude-9