Tiny Moving Parts: Etwas mit Bedeutung

Dylan Mattheisen

Mit mehr als 10 Jahren Bandgeschichte gehört Tiny Moving Parts heute zu den Größen ihres Genres. Von so manchem unterschätzt und als Emo Revival Band tituliert, könnten die Klänge des aktuellen Albums Swell zwar wirklich der Emo Szene der Nullerjahre entspringen, sie bringen aber auch ihren ganz eigenen individuellen Stil mit und die schon hundert Mal durchgekauten Themen so sehr auf den Punkt, dass daraus doch wieder etwas Neues entsteht. Und noch etwas unterscheidet sie von den ewig weinenden und memmenden Kajal Jungs: ihr Frontmann Dylan hat stets ein breites Grinsen auf den Lippen, das einem das Herz aufgehen lässt. Die Shows sind intensiv, energetisch und von frequenten Stagedivern durchsetzt. Wir haben die Brüder Matt und Bill Chevalier sowie ihren Cousin Dylan Mattheisen mit leichtem Jetlag in den Knochen, aber trotzdem bester Laune im Backstage des Musik & Frieden in Berlin Kreuzberg getroffen.

(for English version please scroll)

Ihr seid in letzter Zeit auf Tour ziemlich rumgekommen. Wisst ihr überhaupt noch, wo ihr seid wenn ihr aufwacht?

Matt: Ich weiß, dass ich gerade in Berlin bin!
Dylan: Aber manchmal verschwimmen die Orte ineinander.
Bill: Manchmal ist es schwierig, sich an die einzelnen Clubs zu erinnern, in denen wir in den verschiedenen Städten gespielt haben.
Matt: Ich hab das Gefühl, dass wir in letzter Zeit so häufig in Europa waren, dass wir uns hier mehr zuhause fühlen.
Bill: Als wir in Australien und Südostasien auf Tour waren fühlte sich das sehr neu und intensiv an. Wir waren einen Monat unterwegs – um die 30 Tage. Zuerst waren wir in Australien, danach in Asien und als wir dann nach Hause kamen dachte ich: „Australien – es fühlt sich so an, als sei das bestimmt ein ganzes Jahr her.“ Dabei waren es nur zwei Wochen.
Dylan: Wir lieben es einfach, unterwegs zu sein. Das liegt auch daran, dass unser Zuhause recht langweilig ist. Wir leben in Benson, Minnesota. Eine Stadt mit rund 3.000 Einwohnern, die von noch kleineren Orten umgeben ist.

Es gibt euch ja schon ziemlich lange. Stand schon von Anfang an fest, wer welches Instrument spielt, oder habt ihr ein bisschen herum experimentiert?

Bill: Anfangs haben Dylan und Matt beide Gitarre gespielt und ein Highschool Freund war unser Bassist – auch ein Cousin zweiten Grades von uns. Wir waren also von Anfang an eine Familien Band. Als wir anfingen, die ganze Sache ein bisschen ernster zu nehmen ist Matt auf Bass umgestiegen und wir sind zum „Three-Piece“ geworden.

Ihr verbringt eine Menge Zeit miteinander. Was – mal abgesehen von der Musik – sind die Talente der anderen und was gibt es sonst so über das Touren zu erzählen?

Dylan: Matt kann richtig gut Zeichnen und hat einen Hang zu Kunst im Allgemeinen. Bill jongliert ganz gerne.
Bill: Dylan ist seit Neuestem der Jogger in der Band. Er hat auf dieser Tour erst angefangen.
Dylan: Und ich bin richtig gut darin! (lacht)
Matt: Je länger wir Zeit im Van verbringen, desto schlechter und flacher werden die Witze. Richtig trockener Insider Humor. Die schlechtesten Witze kommen von Dylan.
Bill: Zum Beispiel sind wir heute von Antwerpen nach Berlin gefahren und als wir fast da waren hatten wir für unseren Fahrer und Tourmanager John den Spitznamen „Captain Angel“ und um die sechs weiteren Insider Namen. Wir haben uns kaputt gelacht.

Was macht ihr sonst noch so, wenn ihr auf Tour seid?

Dylan: Wenn wir Zeit übrig haben, dann machen wir Sightseeing, gehen was leckeres essen und neuerdings gehe ich laufen.
Bill: Das letzte Mal als wir in Deutschland auf Tour waren haben wir einige von den coolen Indoor Wasserparks besucht, die es hier gibt. Diesmal hatten wir dafür leider keine Zeit.
Dylan: Eine Sache, die wir zuhause gerne gemeinsam machen ist Golf spielen. Aber weil das überall so teuer ist, gehen wir stattdessen Minigolf spielen. 

Anfang des Jahres (19.01.) ist euer aktuelles Album Swell erschienen. Drumherum gab es verschiedenste Artworks – jeweils eigene für das Album und die einzelnen Singles. Habt ihr Lust, ein bisschen was über das Konzept zu erzählen?

Dylan: Das gesamte Konzept von Swell dreht sich darum, in beschissenen Situationen positiv zu bleiben oder generell um eine positive Einstellung. Auf dem Album Cover ist eine Hand in „Shaka Brah“ Haltung abgebildet – eine sehr positive Geste. Aber die Finger sind teilweise abgehackt, es sind Nähte zu sehen und die Hand hält eine zerbrochene Zigarette… Es geht einfach darum, das Beste zu geben, um auch in stürmischen Zeiten den Kopf hochzuhalten. In allen zehn Songs geht es um Positivität und Optimismus als Leitmotiv.

Wessen wunderschöne weibliche Stimme ist auf dem Album zu hören?

Dylan: Ihr Name ist Kelc Galluzo – meine Freundin, die selbst in einer Band namens Jetty Bones spielt. Schon bevor wir ein Paar wurden hab ich ihre Stimme geliebt und fand, dass sie eine tolle Ergänzung zu meiner ist. Sie hat auf den letzten paar Alben mit uns zusammengearbeitet und die ganzen netten Background Stimmen eingesungen. Diese kleinen Details verhelfen den Songs erst zu richtiger Größe.

Ihr habt über die Stadt gesprochen, in der ihr aufgewachsen seid und über euer Leben dort. Was glaubt ihr, was beruflich aus euch geworden wäre, wenn ihr nicht von der Musik leben würdet?

Bill: Zum Glück machen wir das mit der Band schon so lange, dass ich jetzt gar nicht mehr wüsste, was ich ohne sie machen würde. Zu der Zeit als die Band erst gerade so im Übergang zur Vollzeitbeschäftigung war hatte ich einen Job in einem Supermarkt. Ich weiß nicht, ob das jetzt immer noch meine Berufung wäre, aber ich bin ehrlich gesagt froh, dass es die Band geworden ist!
Dylan: Mein letzter richtiger Job vor unserem Aufbruch in ein Vollzeit Tourleben war als Verkäufer von Computern und Apple Produkten bei Best-Buy. Vielleicht würde ich immer noch Computer und Telefone verkaufen oder sowas. Aber ich wäre niemals so glücklich wie jetzt. Und es ist wirklich schwer das Tourleben in einem Van als Job zu sehen, weil ich mir echt nichts besseres vorstellen könnte. Es ist so als wäre man immer auf Sommer Urlaubsreise.
Matt: Wir lieben es einfach! Aber ich kann schon verstehen, dass manche Bands es nicht so mögen. Man ist die ganze Zeit zusammen und irgendwann wird es auch etwas repetitiv ein Konzert zu geben, über Nacht zu fahren und dann wieder ein Konzert zu geben. Aber wir machen das jetzt schon – wie viele Jahre?
Dylan: Ungefähr 2010 war unsere erste Tour.
Bill: Die ersten drei Jahre waren wir nur im Sommer auf Tour und dann haben wir immer mehr gemacht!
Matt: Also ungefähr acht Jahre sind es jetzt und wir lieben es immer noch sehr! Wir wollen damit immer weiter machen. Es macht einfach Spaß!

Es mag von Vorteil sein, dass ihr euch gut leiden könnt!

Dylan: Ja, oh ja!
Matt: Bestimmt! Definitiv!
Bill: Wenn wir nicht auf Tour sind, dann hängen wir sowieso jeden Tag zusammen ab. Haben jeden Tag Bandprobe und im Sommer golfen wir auch fast jeden Tag. Wir haben die gleichen Hobbys und können eine Menge Zeit miteinander verbringen.

Wo wir gerade von Bandproben sprechen. Wie schreibt ihr eigentlich eure Songs? Plant ihr schon ein neues Album?

Dylan: Wir versuchen, uns immer etwas vor dem Zeitplan zu bewegen. Wann auch immer wir zuhause sind jammen und schreiben wir Songs so viel wir können. Wir möchten einfach nicht an den Punkt kommen, an dem wir denken „jetzt müssen wir innerhalb eines Monats ein Album mit zehn Songs schreiben“ und uns dann damit komplett stressen. Also versuchen wir, den Ball konstant am Rollen zu halten. Sogar während der Soundchecks wenn wir einfach nur ein bisschen herumklimpern nehme ich manchmal ein Riff oder eine Melodie mit meinem Smartphone auf und sammle Ideen. Wir machen also immer weiter und hören mit Schreiben nie auf. Das hilft ganz schön!

Habt ihr schon ein Thema für die nächste Platte?

Dylan: Das ist derzeit immer noch sehr im Prozess. Man nennt uns eine emotionale Band – Emo und so ein Zeug. Ich glaube wir werden vor allem wegen der lyrischen Inhalte so genannt. Wir schreiben über Themen, die eine Verbindung zwischen Menschen schaffen und das lieben wir. Alles was wir schreiben ist für uns sehr bedeutungsvoll und wir hoffen, dass es auch für den Zuhörer bedeutungsvoll ist. Also: „etwas mit Bedeutung“ mag die Antwort auf die Frage sein!

Danke für das nette Gespräch!

Tiny Moving Parts

(English Version)

More than 10 years ago Tiny Moving Parts started their journey and can proudly call themselves today one of the most significant bands of their genre. Mocked as an Emo Revival Band by a loud minority the sound of their current album Swell could actually be an offspring of the early 2000’s Emo culture. But the style is very unique and topics that have been addressed hundreds of times before are put so much to the spot that they are still new. And another detail separates them from the guys with bleeding mascara: vocalist Dylan isn’t fully dressed without a smile that is bound to melt hearts. Their gigs are intense, energetic and filled with crowdsurfers. We had the honour to meet the brothers Matt and Bill Chevalier as well as their cousin Dylan Mattheisen slightly jetlagged but very cheerful in the backstage of the club Musik & Frieden in Berlin Kreuzberg.

You covered a lot of countries on your current tour. Do you know where you are when you wake up?

Matt: I know I’m in Berlin right now.
Dylan: But sometimes the places run together.
Bill: It’s kind of hard to remember which venue we played in each city sometimes.
Matt: I feel that we have been so much around Europe lately that we’ve gotten more comfortable here. 
Bill: When we did Australia and South-East Asia that was new and intense. It was about a month long – around 30 days. We did Australia first. And when we were in Asia and then came back I thought ‘well…Australia – that feels like it’s been a year, but it really was two weeks ago.
Dylan: We love being on the road, because our home is kind of boring. We live in a really small town called Benson, Minnesota. It’s a 3.000 people town and we’re surrounded by even smaller towns.

When you first started the band was it always definite who would play which instrument?

Bill: When we first started both of them (Dylan and Matt) played guitar and another highschool friend was playing bass with us. Also a second cousin of ours so it was kind of a family band even from the start. Eventually we took it more serious so we just moved Matt to bass and became a three-piece.

You spend a lot of time together so I think you know each other very well. What are their specialties, the litte things you notice?

Dylan: Matt is really good at drawing and art stuff, Bill is really good at juggling.
Bill: Dylan is the jogger in the band now. He started jogging on this tour.
Dylan: I’m really good at jogging (chuckles).
Matt: We always notice that the longer we’re in the van on a tour, the worse the jokes get in the van. We get kind of go crazy! Dylan tends to make the worst jokes towards the end of the tour. They’re getting really dry and inside humor jokes.
Bill: For example today’s drive was from Antwerp and about the time we got here and we called our tour manager and driver John „Captain Angel“ and another six bad inside joke names. We were laughing like crazy.

What else do you do when you’re on tour?

Dylan: When we have time to kill we just go sightseeing, eat cool places and recently I go for a run.
Bill: Last time we were in Germany we visited a lot of cool indoor waterparks you have here, but sadly we don’t have time this time.
Dylan: One thing we like to do when were home is golf. But as it is kind of expensive anywhere you go we just got mini golfing.

In the beginning of the year (Jan 19) your current record “Swell” hit the stores. And it came out with all these nice artworks for the album cover and for every single that was released. Do you like to share something about the whole concept?

Dylan: The whole record “Swell” is about trying to be positive in shitty situations or just about being positive in life in general. The album cover is the hand gesture of ‘Shaka Brah’ (hang loose) – a positive message. But the pinkies   are cut off, there are stitches on the hand, a broken cigarette… It’s just about doing the best to stay positive and power through the bumps in the road in life. In the ten songs it’s kind of a theme of just trying to be optimistic and positive.

Whose beautiful female voice is on the record?

Dylan: Her name is Kelc Galluzo – she’s my girlfriend and plays in a band called Jetty Bones. Even before we started dating I always loved her voice and it complements our music well. She’s done the last couple records with us. Some nice background stuff and these little things add up a lot and it helps to make it big. 

You talked about the small town where you grew up and your lives there. What do you think would you doing for a living if it wouldn’t be music?

Bill: Luckily we’ve been doing the band for so long that now I wouldn’t know what I’d be doing without it. But when we switched to doing the band full time I was working in a grocery store. I don’t know if that would still be my calling or what, but I’m glad it’s the band and not that!
Matt: I went to school for craft design after highschool so probably some of that. It’s kind of my plan after the band eventually down the road.
Dylan: My last real job before leaving for tour full time was working at Best-Buy selling computers and Apple products. Probably I’d still be selling computers, telephones or something. But I’d never be near as happy as I am right now. And is hard to see touring in a van as a job, because I can’t think of any better thing to do. It’s like being on summer vacation all the time.
Matt: Yeah! We love it. I mean I definitely get why some bands don’t like it. Because you are with each other all the time. It gets kind of repetitive to play a show, driver overnight, play another show, but we’re on tour like – how many years now?
Dylan: About 2010 was our first tour.
Bill: The first three years were summer tours and we started doing as much as we could. 
Matt: So roughly 8 years and we still absolutely love it! We just wanna keep doing it. It’s fun!

It might be an advantage that you like each other!

Dylan: Yeah, oh yeah. 
Matt: Certainly! Definitely!
Bill: When we’re not on tour we kind of hang out every day anyway. Band practice most days and in summer we golf almost every day. We have the same hobbies and can hang around each other.

Talking about band practice. How’s your songwriting process like? Are you already planning another record?

Dylan: We always try to be a little ahead of schedule. Whenever we’re home we’re always jamming and writing as much as we can. We just don’t want to get to the point where we think that ‘now we need to write a record! We need to write ten songs in a month’ and get all stressed out. So we just try to keep the ball rolling constantly. Even during soundcheck we’re just playing and I record a riff or a melody on my phone and collect some ideas. We always keep going and never really stop. I think that helps a lot!

Do you have a topic in mind for the next piece?

Dylan: Well that’s still a lot under the words. I mean we’re called an emotional band, emo and all that stuff. And I think why we get called that a lot is because of the lyrical content. We like writing about things through which we can connect with people and we love that. So everything we write is super meaningful to us and we hope it’s meaningful to the listener. Just something that means something I guess it’s the answer!

Thank you for the nice conversation!