GIRLS IN HAWAII: Fashionably late

(05.12.08, Hannover, Café Glocksee) Für gewöhnlich impliziert „Einlass 21 Uhr“ ja durchaus, dass um 20.45 spätestens die Türen geöffnet werden oder zumindest eine Menschenschlange vor der Tür des jeweiligen Clubs steht. In Hannover ticken die Uhren anders. Selbst um Punkt 21 Uhr öffnet sich keine Tür und Menschen sind auch sehr rar gesät. „Nicht, dass der Gig verlegt oder abgesagt wurde!“ Wurde er nicht – zum Glück – aber das Warten am Eingang sollte nicht die letzte Verzögerung des Abends bleiben.

The Band On The Edge Of Forever aus Berlin war als Support angekündigt worden. Und die vier Hauptstädter kamen auch. Allerdings sehr spät. Wahrscheinlich war es den Indie-Rockern einfach zu leer vor der Bühne. Nach gut 90 Minuten Wartezeit ließ sich der Auftritt dann aber wohl nicht länger hinauszögern und die Band startete in ihr gut dreißigminütiges Set. Das wiederum war so überzeugend, dass das Publikum sehr schnell, ausnahmslos alle Verzögerungen vergessen hatte und zu den poppigen Rocksongs mit Keane-Einschlag wippte und klatschte.

Dann endlich kamen die „Girls“. In jede Ecke der Bühne standen große  Bildschirme, auf denen später zu den Songs der Alben „From Here To There“ und „Plan Your Escape“ eindrucksvolle Bilder und Videos flimmerten, die der Musik zusätzlich Wirkung verliehen. Zwischen Songs wie „Road To Luna“, „Birthday Call“ oder dem großartigen „Organeum“ tauschten die Girls In Hawaii ihre Musikinstrumente, wie andere Menschen Briefmarken. Es machte fast den Eindruck, als ob jedes Bandmitglied mindestens drei Instrumente beherrscht. Wie gewohnt bot die Band bittersüße, teilweise ausufernde Popsongs, die entfernt an Nada Surf erinnern, aber durch die markanten Stimmen der Sänger Antoine Wielemans und Lionel Vancauwenberghe eigentlich doch das Prädikat „unverwechselbar“ verdient haben. Gitarrist Brice Vancauwenberghe hämmerte derweil den ganzen Abend exzessiv und ekstatisch auf seine Gitarre, während Bassist Daniel Offerman die Stimmung mit charmanten Anekdoten in sehr klarem deutsch auflockerte: „Jetzt dachtet ihr alle, dass die da auf der Bühne kein deutsch sprechen! Falsch gedacht!“ Nach zwei Zugaben und unglaublich vielen tollen Eindrücken war um kurz nach Mitternacht – doch noch „just in time“ – Feierabend. Wer so gut ist, der darf auch mal zu spät kommen.

Info: www.planyourescape.be

(Felix Neumann)