EIGHT LEGS: Acht Beine und zwei dünne Arme

Ein paar Minuten später ist dann auch Anpfiff auf der Bühne. Vor eben jener stehen geschätzte 50 Indie-Jungs und -Mädels – hauptsächlich Mädels. (Habe ich da tatsächlich hysterisches Kreischen vernommen?) Nur schwer kommt die Menge in Schwung, als die vier Briten in die Saiten greifen. Vier Jungs, acht Beine, Eight Legs – klar! Doch im Dunkel der Bühne versteckt sich ein dünnarmiger fünfter im Bunde. Live-Verstärkung aus dem engsten Kreis der Band. Unglaublich mit welcher Präzision der Lulatsch das Tamburin im Viervierteltakt schwingt. Heute also Ten Legs. „Searching For The Simple Life“, das Debüt der (eigentlich) vier Musiker, war mir damals ein treuer Begleiter. Voll mit tollen Melodien, interessanten Texten und ungezwungenen Gitarren. Heute sieht das irgendwie anders aus. Ich beginne mich zu fragen, warum ich diese Band mal gut gefunden habe. Der Grund sind die mir bis dato unbekannten Lieder der kürzlich erschienen neuen Platte „The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest“. Die scheint nämlich voll von punkigen Mitgröhl-Tracks zu sein. Alte Schule, Marke Ramones. Das hatte ich nicht erwartet. Und gut die Hälfte des Publikums wohl auch nicht. Denn das feierte hauptsächlich bei den alten Liedern ausgelassen mit. Allen voran „Blood, Sweat, Tears“, „Pass The Bucket“ und „These Grey Days“. Mittlerweile hatte Barcelona das Endspiel für sich entschieden. Von der Band nur ein ironischer Kommentar dazu: „Go Barca!“ Fußball ist ihnen also scheinbar vollkommen egal. Gut so, denn sie sind ja zum Musizieren da. Das findet nach einer knappen Stunde sein vorzeitiges Ende. Der übliche Applaus brandet auf, der Roadie stimmt die Instrumente und dann kommen Eight Legs (dieses Mal wirklich nur mit acht Beinen) für die Zugabe zurück. Die ist dann auch sehr großzügig und umfasst drei weitere Songs, gipfelnd im alten Hit „Freaking Out The Neighbours“. Das war nicht schlecht, aber auch nicht gut.

Wichtigste Erkenntnis des Abends: Nicht alle Engländer mögen Fußball.

Info: www.myspace.com/eightlegs

(Felix Neumann)