c/o pop: Nächte der Popkultur

(13.08-15.08.2009) Klonen musste man sich, um bei der diesjährigen c/o pop überall dabei sein zu können. Die Qual der Wahl kannte an den fünf Festivaltagen keine Gnade und nach der Absage der PopKomm war das Interesse an der c/o pop eh höher und die Bedeutung noch viel wichtiger als je zuvor. 50 Einzelshows und weit über 200 internationalen Künstlern waren über die Tage aktiv und durften die bisher erfolgreichste c/o pop mitgestalten.

Los ging es für uns am Donnerstagabend. Das Konzert von Patrick Wolf wurde gespannt erwartet, da der androgyne  Künstler nach zweijähriger Pause sein neues Album „The Bachelor“ präsentierte. Der Underground-Künstler scheint aus dem Underground herauszuwachsen und heimste hierzulande  eine Chartposition ein. Dementsprechend war die Nachfrage hoch. Im extra- und fragwürdigen Outfit, samt Pferde-Zaumzeug übern Kopf- legte der Brite eine ordentliche Visitenkarte ab und sorgte für einen kleinen Eklat. Wolf wollte nicht pünktlich um 22 Uhr Schluss machen und als man ihm einfach den Saft abdrehte, tickte der Brite etwas aus, bewarf den Tontechniker mit dem Mikroständer, dem Keyboardhocker und bespuckte den Armen obendrein. Zu sehen gibt es das hier auf youtube.

Am Freitag wurden The Whitest Boy Alive auf dem „ausverkauften“ Offenbachplatz gefeiert. Ihre Musik passte zum herrlichen Sommerabend. Mit leichtfüßiger Popmusik und dem feinen Gespür für Melancholie machten sich die Berliner an diesem Abend viele neue Freunde. Vom Offenbachplatz ging es dann in die Hornstrasse. Dort, nebst „Das Bordell“ und „Pascha“ ging es im Odenion weiter. Im alternativen Open-Air Kino lief „Die Ludolfs – Dankeschön für Italien!“ und bis zum Auftritt von Amanda Blank war eh noch etwas Zeit. Entspannt schaute man den vier Brüdern beim Italien-Trip zu. Abstrus aber passend.

Gegen 1.00 Uhr stand Amanda Blank auf der Bühne. Die aus Pennsylvania stammende Künstlerin wird gerade von der Presse gefeiert wie keine andere und die auflodernde Dance Rap Szene kriegt neben Santigold, Diplo und Spank Rock weitere Impulse. Ihr Rap, ihr Flow und das Drumherum passten und kamen bei ihren Fans gut an. Doch Neutralisten empfanden ihren Auftritt doch recht unspecktakulär. Geteilte Meinung im Publikum, welches je nach dem verweilte oder wieder an die frische Luft ging.

Ein anders Bild bot sich wenig später bei Frittenbude aus München. Hier war sich das Publikum einig. Das oft als „Deichkind für Arme“ verunglimpfe Trio überzeugte und sorgte für richtig gute Stimmung. Eine „Wall Of Love“ anstelle einer „Wall Of Death“ im Schatten des größten Puffs der Welt wurde zelebriert und lockerte die Atmosphäre. Auch sonst wussten Frittenbude gut zu unterhalten und hatten alles Vorherige mühelos übertrumpft.

Der Samstag versprach mit der Fancy Footwork Party ein kleines Highlight der diesjährigen c/o pop. Als Live-Act konnten die Macher The Bloody Beetroots gewinnen. Doch zuvor wurde der Auftritt von Black Lips, I Am Austin und The Chapman Family genossen, die zum großen Finale der Open Air-Trilogie auf dem Offenbachplatz einluden und jede Menge Indie, Art & Dance Rock präsentierten.

Die Nachfrage nach der Fancy Footwork Party war enorm und so ging es in den Opernterrassen unglaublich heiß her. Kein Wunder zählen The Bloody Beetroots zu dem wohl heißesten Electro-Duo, was die Szene momentan zu bieten hat. Vor allem erklang jede Menge Material von ihrem Debüt Album, welches jetzt erst erscheinen wird.

Info:  www.c-o-pop.de

(Markus Tils)