DREDG: Bemerkenswerte Live-Präsenz

(07.11.2009, Hamburg, Große Freiheit 36) Bereits im Juni tourten Dredg mit ihrem neuen Album „The pariah, the parrot, the delusion“ durch Deutschland. Bekannt wurden Dredg vor allem durch ihre Songs „Bug eyes“ oder „Catch without arms“ aus dem gleichnamigen Album aus dem Jahre 2005. Auch in den vergangenen Jahren zeigten sie, dass ihnen ihre deutsche Fanbase sehr am Herzen liegt. In sechs Städten stellten sie ihr Können diesmal nochmals unter Beweis.

Supportet wurden Dredg von der string metal Band„The Judgement Day“ und der Band „The Parlor Mob“. Die Kalifornier aus Oakland sind ein Trio bestehend aus Schlagzeug, Cello und Geige. Eine E-Gitarre oder einen Bass sucht man vergebens. Wer meint, eine Band braucht eine menschliche Stimme, der täuscht sich. Denn „The Judgement Day“ bringen mit wenigen, aber sehr ausdruckstarken Mitteln das Publikum zum feiern, auch ohne Gesang und E-Gitarre. Es ist sehr beeindruckend, was man mit Cello und Geige alles anstellen kann, keinesfalls nur Klassik, sondern wie in diesem Fall, ausdruckstarken string metal. „The Parlor Mob“ kann man in kein eindeutiges Genre schieben. Denn sie performten Elemente aus Hardcore, Jazz, Blues und Indie, gekoppelt mit Mundharmonika Einsätzen. Die Stimme von Sänger Mark Melicia erinnerte manchmal stark an die von AC/DC, allerdings nahm sie weitaus höhere Dimensionen an, als die von Brian Johnson. Dennoch konnten auch sie das Publikum, zumindest etwas, anheizen.

In der Umbauphase wurde es dann auch schon sehr viel voller. Als es dann dunkel wurde, ertönten die Kinderstimmen aus dem Lied „Pariah“, welches ebenfalls das Album beginnen lässt. Die nächsten drei Lieder u.A. ‚Information’ und ‚Saviour’ waren ebenfalls von der neuen Platte und gingen nahtlos ineinander über. Das Publikum war gut gelaunt: von regungslosen Zuschauern, über Kopfnickern, bis hin zu Ausdruckstänzern war alles dabei. Beim fünften Lied „Long Days And Vague Clues“ kamen dann Cello und Geige von „The Judgement Day“ ins Spiel. Es war faszinierend, wie sich diese Klänge integrieren lassen konnten, denn es gehörte in diesem Moment einfach dazu. Für sechs weitere Lieder war dieser Klang Bestandteil von Dredg. Sie performten u.A. „Gathering Pebbles“, „Light Switch“ und „Mourning this Morning“ zusammen. Nach zehn Liedern mit Cello und Geige, und relativ ruhigem Publikum gaben Dredg ihre älteren Songs zum Besten. Mit „Ode to the sun“ wurde das Publikum angeheizt, und auch die Zuschauer auf den Rängen begannen einmählich sich zu bewegen. Stille gab es nun nicht mehr, denn mit „Catch without arms“ und „Tankbank“ gab es allen Grund nicht still zu bleiben. Vor allem, als Basser Drew, sich im Shouten versucht hat. Ruhiger wurde es dann wieder mit Songs wie „Jamais Vu“ und dem wohl Lieblingssong aller Dredg Fans „Bug Eyes“. Man hatte das Gefühl, als wären die Fans nur wegen diesem Song auf das Konzert gegangen. Aber auch Songs wie „Same ol’ Road“ vom Album „El Cielo“ (2003) wurden nicht vergessen. Nach 20 Liedern sollte das Konzert dann zu Ende sein. Aber nicht wie üblich mit Zugabe sondern mit einer ernst gemeinten Ansage „This gonna be our last song“. Woran man erkennen konnte, dass es Sänger Gavin ernst gemeint hat? Er hat das Schlagzeug von Drummer Dino eigenhändig abgebaut, während er dran gespielt hat. Zum Schluss spielte er nur noch auf dem Keyboard, denn er spielt Keyboard und Schlagzeug gleichzeitig. Das letzte Lied, welches auch ohne Schlagzeug beeindruckt, „Cartoon Showroom“, war ein krönender Abschluss für ein grandioses Dredg Konzert.

Dredg ist eine Band die eine bemerkenswerte live Präsenz haben und es nahe zu perfekt hinbekommen, sich live genauso anzuhören wie auf ihren Platten. Allen in Allem sind Dredg ein großartiges Quintett, welches ihr Handwerk des Musik Machens von Grund auf verstehen und gekonnt einsetzen können. Nur so lässt sich der Erfolg von Dredg erklären, denn jedes Album hat bisher einen anderen Charakter und ist nicht mit seinem Vorgänger zu vergleichen.
Dredg spielten in Hamburg ihr letztes Deutschlandkonzert in diesem Jahr und beenden dieses mit einer beeindruckenden live Performance.

Info: www.dredg.com

(Marina Micic)