EASTPAK ANTIDOTE TOUR 2009

(13.11.2009, Köln, E-Werk) Die Eastpak Antidote Tour machte auch dieses Jahr wieder in Köln halt und bot mit den Polit-Punk-Heroen Anti-Flag, Alexisonfire, Four Year Strong und den britischen Hardcore Newcomern The Ghost of A Thousand ein Packet der besonderen Art. Ein buntes Potporie an Menschen zog es dementsprechend in die Schanzenstrasse nach Köln-Mülheim, wo vor dem Eingang bereits die Mitglieder von Alexisonfire mit einem Gummiball eine Art „Squash“ mit der Hauswand zelebrierten.

Einige – gerade weibliche – Fans konnten es sich nicht nehmen lassen ein gemeinsames Foto mit ihrem Schwarm George Pettit und Dallas Green knipsen zu lassen. Drinnen wurde ein Blick auf den Merchstand geworfen. Interessant, da die Shirt von Alexisonfire bei 20 Tacken lagen, die von Anti-Flag bei 15 € und die von den beiden anderen Bands zwischen 10 € und 15 €.  Die Nachfrage reguliert den Preis. Somit konnte man schon erahnen, warum und für wen die meisten Leute an diesem Abend da waren. Kein Wunder, denn es ist bereits über drei Jahre her, dass Alexisonfire für Billy Talent in Düsseldorf eröffneten und ganze vier Jahre, dass sie im Kölner Underground ihre letzte Headliner Show mit Cancer Bats und Johnny Truant spielten. Wenn man den diesjährigen Rock Am Ring Auftritt mal außen vor lässt, die Leute waren einfach heiß und gespannt auf Alexisonfire. Das 4-Gänge-Menü der Antidote Tour konnte aufgetischt werden.

Der erste Gang bot die Briten von The Ghost Of A Thousand. Die in ihrer Heimat groß gehandelten Jungs präsentierten eine ordentliche Portion Rotz-Hardcore und wussten zu überzeugen. Dabei erinnerten TGOAT doch stark an ihre Landsleute Gallows, was dem Publikum ganz gut gefiel. Four Year Strong gab es als zweiten Gang. Die einzelnen Bandmitglieder aus Worcester, Massachusetts hatten wohl ihren Rasierapparat Zuhause vergessen, nicht aber die Spielfreude und Dynamik ihrer melodischen Hardcore Tracks.Auch wenn die Band mit argen Soundproblemen zu kämpfen hatte, machten Four Year Strong einen guten Eindruck stimmten das Publikum auf Alexisonfire und Anti-Flag ein.

Genug Vorspeisen, dass Hauptgericht musste her! Es wurde Zeit für die Mannen um George Pettit und Dallas Green. Ladies And Gentlemen: Das Filetstück des Abends: Alexisonfire. Mit „Drunks, Lovers, Sinner & Saints“ und „No Transitory“ ging die Post ab. Beim Publikum gab es kein Halt, Crowdsurfer geleiteten über die vordersten Reihen und George Pettit zeigte Mut zur Natürlichkeit. Mit freien Oberkörper und kleiner Plautze tobte er über die Bühne und genoss die Anteilnahme des Publikums, welches tatkräftig  zu „Boiled Frogs“,  „We Are The Sound“ oder „Rough Hands“ sang. Bassist Chris Steel scheint wohl auf der Bühne in seiner eigenen Welt zu schweben. Es ist auf jeden Fall immer sehr lustig ihm beim zappeln und beim zupfen des Bass zuzusehen. Kein anderer Bassist geht so dermaßen abstrus ab, wie er. Bei „This Could Be Anywhere In The World“ tauchte Chris#2 von Anti-Flag auf und gab ein kleines umjubeltes Feature bevor mit der Gänsehautnummer „Happiness By The Kilowatt“ das einstündige Set beendet wurde. Ein geiler Auftritt! Mensch, wann kommen die Jungs endlich mal wieder auf eine alleinige Headliner Show?

Es fehlte noch das Dessert, worauf aber viele keine Lust mehr hatten. Schlagartig wurde es nach Alexisonfire leerer. Trotzdem, Anti-Flag gaben von Beginn ordentlich Gas und punkteten mit „The Press Corpse“ und „Sodom, Gomorrah, Washington D.C.“ Die Anti-Flag Gemeinde feierte ihre Helden ab und getreu dem Motto „War Sucks, Let’s Party!“ musste ein großer Circle Pit her. Aber der Euphorie folgte eine gewisse Gleichgültigkeit. Chris#2 Megafon entpuppte sich als nicht funktionstauglich und auch sonst, fehlte dem Auftritt der Biss. Die üblichen Phrasen gegen Kapitalismus und Weltwirtschaftskrise taten ihr übriges an diesen Abend. Anti-Flag spielten ihr Ding runter. Sprachen davon, dass es die beste Antidote Show sei und zeigten, wie einstudiert alles ist. Naja, so naiv war Köln nun auch wieder nicht, dass man Chris#2 den Glauben schenkte. Wo ist die Spontaneität geblieben? Nach „This Is The End (For You My Friend) war noch lange nicht Schluss und „Power To The Peaceful“ beendete nach drei vorherigen Zugaben den Abend. Anti-Flag hatte man definitiv besser in Erinnerung gehabt. Aber es war auch nicht so einfach an diesem Abend, wenn eine Band wie Alexisonfire bereits vorher alles in Grund und Boden spielte.

(Markus Tils)