SET YOUR GOALS: I hope that I’m gonna stay young ‚til I die

(05.12.2009, Köln, Underground) Surfpunk und spätherbstliches Regenwetter? Ein ungleiches Paar, das wunderbar funktioniert! Denken sich auch die knapp 500 Leute, die sich an diesem Abend im Kölner Underground dicht an dicht drängeln, um die derzeit erfolreichste Bayside Area Band zu sehen: SET YOUR GOALS. Doch zunächst ist der Support an der Reihe.

Die fünf Wirbelwinde von FIREWORKS erklimmen pünktlich die Bühne und gewinnen gleich beim ersten Riff die Herzen der Zuschauer. Vergessen das nasskalte Schmuddelwetter, Gesichter voller Sonnenschein. „I hope that I’m gonna stay young ‚til I die…“, schreit der Sänger ins Mikro und proklamiert dann „Springbreak“. Bis zum bitteren Ende und bis sie einfach nicht mehr weiterspielen dürfen, prozessieren die Fünf aus Detroit Freude, Fröhlichkeit und schier unendliche Energie.

Dieses Niveau können BROADWAY CALLS dann leider nicht halten. Den Dreien aus Oregon will es einfach nicht gelingen, ihre Songs, die auf Platte durchaus das „gewisse Etwas“ und genügend Drive haben, live rüberzubringen. Eventuell sind es die schlechten Erinnerungen an diesen Club, in dem die Band letzten August vor nur 25 Gästen spielte. Oder es liegt am fehlenden Druck, bedingt durch die vergleichsweise Unterzähligkeit der Bandmitglieder. Was es auch sein mag – viele nutzen die zweite Spielzeit als Verschnaufpause und verziehen sich in den Barbereich des Clubs. So bleibt der Moshpit zumindest frei für die richtigen Fans, die herzzerreißend jede Zeile mitsingen und sich später mit der Band zum Whiskey trinken treffen werden (wie ich zufällig beobachten konnte).  Die Ungerechtigkeit des Kritikers ist unerbitterlich. Kaum sind die  Töne des letzten Songs verklungen, füllt sich der Raum wieder mit Zuschauern, die voller Spannung die Umbauarbeiten des Headliners verfolgen.

Dann ist es endlich soweit: SET YOUR GOALS ergreifen Mikros, Sticks und Instrumente. Ein Sturm bricht los. Die Fotografen werden sogleich auf den Bühnenrand gedrängt, weil sie davor einfach nicht mehr stehen können. Stagedives von vorne, Crowdsurfs von hinten – eine einzige Welle von Menschen, die hüpfen, springen, die Arme hochreißen und den beiden Sängern ihre Lyrics aus vollem Hals entgegenbrüllen.  Die sechs Kalifornier spielen viele Stücke vom neuen Album, aber auch Klassiker wie „Work in Progress“. Das Energieniveau steigt mit jedem Song, bis die Halle schier explodiert. Vor allem Matt Wilson sieht wirklich gerührt aus. Mit strahlenden Augen sagt er voller Inbrunst „you guys are really amazing“ und wird nicht müde es zu wiederholen. Kurz vor Ende lässt er sogar verlauten, es sei die beste von allen Deutschland-Shows gewesen. Wahrheit oder Lüge – wir werden es nie erfahren. Als routinierter Konzertbesucher bekommt man manchmal den Eindruck, dieser Satz sei fester Bestandteil des Skripts jeder erfolgreichen Band. Vielleicht ist aber auch einfach jedes gute Publikum das beste und keine Show mit der anderen zu vergleichen. Bleiben wir idealistisch und vielleicht bleiben wir auch jung bis zum Tode, oder zumindest solange, wie wir uns auf Punkrock-Konzerten eigenständig auf den Beinen halten können. Für Abende wie diesen, würde es sich lohnen.

Info: www.myspace.com/setyourgoals

(Lyra Nanerendij)