POLAR BEAR CLUB live@Hamburg

(22.02.2010, Hamburg, Hafenklang) Knapp ein Jahr ist es nun her, dass Polar Bear Club in Deutschland auf Tour war. Damals noch als Support von The Gaslight Anthem, dieses mal jedoch eine eigene Headliner Tour. Wohlwollend verdient! Angesichts des Publikums sind Polar Bear Club immer noch ein kleiner Geheimtipp, wie es The Gaslight Anthem schon lange nicht mehr sind. Aber ganz ehrlich: Gut so!

Supportet wurden die Amerikaner von ihren Landesmännern Title Fight und Shook Ones. Eigentlich darf man die beiden Bands im Nachhinein nicht mal Support nennen, denn sie haben die Hütte mindestens genauso zum Beben gebracht wie Polar Bear Club selbst. Wer nach Title Fight sucht, wird im Internet außer einer Myspace Seite und einem Blog kaum was finden. Warum? Das habe ich noch nicht rausgefunden, aber ich finde das brauchen die jungen Knaben aus Pennsylvania auch nicht. Denn ihre Musik ist ausreichend für das was sie dem hamburger Publikum geboten haben. Mitreißender Hardcore, mit richtigen Emotionen und ohne Bollo Gehabe! Kein Wort von Straight Edge, kein Wort von Vegetarismus und kein Wort von Alkohol oder Drogen. Hier geht es um die Musik. Auch wenn sie über sich selbst sagen: „No One Stays at the Top Forever“ für das Publikum waren sie an diesem Abend ganz weit oben, denn schon nach dem zweiten Lied konnte sich das Publikum nicht mehr halten. Das führte dazu, dass sämtliche Bierflaschen sich überraschender Weise selbstständig gemacht haben. Title Fight sehen aus wie 18 jährige Teenager (sind sie vermutlich auch) aber mit ziemlich viel Energie auf der Bühne. Absolut sehenswert!

Shook Ones aus mitten der Hardcore Szene Seattle lieferten ebenfalls eine Show ab, die sich gewaschen hat. Sänger Scott hat eine unverkennbare Stimme, die live einfach super ankommt. Zusammen mit den schnellen Punkrock und Hardcore Melodien gibt es einfach kein halten mehr. Bier trinken ist nicht, denn hier wird die Musik gelebt. Problematisch wird’s leider immer nur, wenn die Technik nicht mit macht. Leider gab es hier ein paar Mikro Aussetzer. Für Verwunderung sorgte  sicherlich die ominöse Pferdemaske, die des öfteren im Publikum auftauchte und ‚tierisch‘ zur Musik abging. Lacher des Abends war sicherlich Scotts kleine Deutsch Lektion, er zückte sein Deutschbuch und las uns etwas vor. Was er uns genau mit seinen gebrochenen Worten sagen wollte, ist mir noch unschlüssig. Aber ich denke er wollte uns Deutschen verbunden sein. Das hat er sicherlich geschafft.

Ab jetzt waren alle gespannt auf das, was noch kommen würde. Man war sich sicher, es wird großartig. Polar Bear Club legten einen grandiosen Auftakt hin. Gleich zu Anfang gab es ordentlich einen auf die Mütze und alle noch so tanzbaren Lieder wurden zum Besten gegeben. Geheimtipp hin oder her, das interessierte heute Abend nun wirklich keinen mehr. Wer nicht angerempelt werden will möge bitte nach hinten in die letzte Reihe gehen. Leider war in der letzten Reihe ziemlich viel Platz, sodass das Hafenklang bei weitem nicht ganz gefüllt war. Gut fürs Publikum, welches dort war, aber ich habe mit mehr gerechnet. Die Band gab eine gute Mischung aus ihrem aktuellen Album „Chasing Hamburg“ (2009) und ihrem Debütalbum „Sometimes Things Just Disappear“ (2007). Die erste halbe Stunde lieferten sie durchweg gute Leistung trotz mehrmaligen Mikroproblemen und konnten mit toller Live Präsenz überzeugen. Was dann folgte waren leider mehrere Lieder mit etwas weniger Elan. Warum ist mir letztendlich ein Rätsel, denn die Energie in ihren Liedern ist auch auf der Platte vorhanden, warum sie diese nicht durchweg auf der Bühne zeigen konnten wirft Fragen auf. Vorläufiger Abschluss sollte das letzte Lied und Namensgeber des letzten Albums „Chasing Hamburg“ sein.  Eigentlich ein schöner Abschluss für diesen Abend, denn  Hamburg hat bei dieser Tour sicherlich eine besondere Rolle gespielt. Nicht umsonst finden sich die Hamburger Landungsbrücken auf dem Titelcover wieder. Umso schöner, dass das Konzert diesmal direkt am Hafen stattgefunden hat. Mehr Hamburg geht wohl nicht.

Info:
www.myspace.com/polarbearclub
www.myspace.com/titlefight
www.myspace.com/shookones