THE MISERABLE RICH: Frühlingserwachen

(25.04.2010, Köln, Gebäude9) Es war ein wundervoller Tag mit viel Sonne, der sich an diesem Abend des 25. April entspannt dem Ende zuneigt. Die milde Abendsonne taucht das ehemalige Industrieszenario rund ums Gebäude9 in ein wohlig mildes Licht, eine Atmosphäre zum Füße baumeln lassen.

Das scheinen heute Abend auch viele Menschen in Köln machen zu wollen, nur leider nicht im Gebäude9 zum Kammerpop der britischen Edelleute von The Miserable Rich. Schätzungsweise 70 Zuschauer lassen in der Location unangenehm viel Freiraum. Dieser wird zunächst von den gewöhnlichen, dennoch einnehmenden Indiekompositionen von Solander gefüllt. Ein schöner Auftakt. Aber glücklicherweise kein Vergleich zu der musikalischen Feinkostvorstellung, die The Miserable Rich im Anschluss auftischen. Den Auftakt macht „Pegasus“, welches  übrigens auch auf dem famosen „of Flight and Fury“ als Opener dient.  Obwohl hier kein Mehr an Instrumenten im Vergleich zum Album aufgefahren wird, entwickelt dieser Song allmählich schon wagnerisch pompöse Ausmaße, je weiter er fortschreitet. Die Stimme von James De Malplaquet ist noch klarer, fast schon schmerzhaft klar, als auf dem Album und jedes einzelne Instrument entfaltet eine selbst behauptende Präsenz, die dennoch zu einem geschlossenen Zusammenspiel mit den anderen Mitstreitern führt. Jedes einzelne Element bleibt für den Zuhörer zu jeder Zeit ablesbar. Und so wird dieses Konzert von Anfang an zu einem Eintauchen in den Zauber der feinen Klänge und Stimmungen. Das dies jedoch nicht zu einer stocksteifen Veranstaltung gerät, liegt an den humoristischen Einsprengseln von De Malplaquet, die er auch noch in charmantem Deutsch vorzutragen versucht, funny indeed. Es ist faszinierend, wie es die Briten schaffen, die einzelnen Nuancen ihrer zarten Musik auf der Bühne in tragende Klangformen um zu setzen, das Schmachten in „Sommerhill“ bekommt so zum Beispiel eine unwiderstehlich übertriebene Prägnanz. Überhaupt knistert es an allen Ecken und Enden. Speerspitze in dieser Hinsicht ist „the Mouth of  the Wolf“, welches das Gruselige Element im Text schaurig schön wiedergibt. Ein besonders markanter Punkt in der Setlist ist „Let me Fade“, welches mit einem fast schon südamerikanisch beschwingten Rhythmus daherkommt, der einem an diesem Abend zum ersten Mal in Form von Mitwippen die eigene Körperlichkeit bewusst macht. Ansonsten ist das nämlich heute etwas für Geist und Herz, fürs gebannte Lauschen.  In dieser Hinsicht wird einem dieses Konzert in intensiver Erinnerung bleiben, ein Eintauchen in die Kraft des Behutsamen.

Info: www.myspace.com/themiserablerich

(Martin Makolies)