HARMFUL live@Köln

(26.05.2010, Köln, Luxor) Die Enttäuschung der drei Mitglieder ist in ihren Gesichtern abzulesen, als sie nach drei Zugaben die Bühne verlassen. Diesen Abend haben sie sich sicherlich ganz anders vorgestellt. Vor allem, weil ihr achtes und neues Album „Cause“ momentan die ganze Musikpresse erfreut und überhäuft wird mit Lobeshymnen.

VISIONS berichtet in der Mai Ausgabe drei Seiten über die Band und hat „Cause“ als Schönheit des Monats gekürt. Westzeit setzte die Band aus Rodgau sogar aufs Titelbild. Besser kann es eigentlich für eine Band nicht laufen. Aber was nutzt das alles, wenn bei einem Konzert gerade Mal 50 Leute am Start sind?

Als Faith No More Gitarrist Billy Gould bei der letzten Tour als viertes Mitglied das Trio begleitete, war der Zuspruch um einiges größer. An diesem Abend fühlt und leidet man sogar mit der Band. Verärgert ist man, dass nicht mehr gekommen sind! Gerade heute! Was für Alternativen hat denn Köln heute zu bieten? Alleine die Tatsache, dass jemand wie Produzent Dave Sardy (Bush, Oasis, Slayer, Johnny Cash, Nine Inch Nails, Red Hot Chili Peppers) sich die Mühe macht mit dieser Band zusammen zu arbeiten, liegt bestimmt nicht am Geld. Nein, dass ist überzeugter Idealismus.

Dennoch, die die da waren erlebten einen musikalischen Leckerbissen. Noise-Rock, mal melancholisch und mal mit nachdenklichen Parts. Kompromisslose Wutausbrüche bei denen die Gitarren ordentlich wummern. Das neue Album steht natürlich im Mittelpunkt und für die Band war es nach eigener Aussage nicht so einfach eine passende Setliste zu erstellen. Schließlich besteht ihr Repertoire aus mittlerweile acht grandiosen Alben. Es geht zurück bis zur „Counterbalance“, welches laut Aren, dass grundlegendste Harmful Album ist. Ohne Counterbalance wären Harmful nicht so, wie sie sind. Vergleicht man den Auftritt mit dem vorjährigen Auftritt bei den VISIONS ANNIVERSARY Festivitäten Ende November, merkt man es Sänger Aren an, dass es ihn schon wurmt, dass so wenig los ist. Er ist nicht so gesprächig, macht nicht allzu viele Späße und reduziert sein Erscheinungsbild aufs Wesentliche. Aber wenn kommuniziert wurde, dann stimmte die Chemie zwischen Band und Publikum. Man war eins mit der Band und litt gemeinsam. Klassiker wie „Elaine“ oder „Tenderly“ stehen den neuen Tracks wie „Ordinary People“ oder „Circles of Lies“ entgegen. Die Mischung an Tracks ist super und der Sound brachial wie immer! Zufrieden über das Dargebotene waren die 50 Leute allemal. Hoffentlich gibt es noch Tage, an denen Harmful Konzerte wieder vor mehr Leuten stattfindet – schließlich ist die Musik großartig!

Info: www.harmfulweb.com

(Markus Tils)