BAND OF SKULLS live@Köln

(03.06.2010, Köln, Gebäude9) Lass uns kurz über Potenzial reden. Also, in der netten Kneipe des Gebäude9 ist ein Laptop hingestellt worden, damit man so sehen kann, was die deutsche Nationalelf im letzten WM-Vorbereitungsspiel so gebacken bekommt, erste Halbzeit: nicht viel, Deutschlands Kicker rufen ihr Potential nicht ab, zweite Halbzeit: schon besser, das Spiel wird gedreht, Jogis Team spielt seinem Potential entsprechend. Nebenan werden Band of Skulls heute ihr Album „BabyDarlingDollFaceHoney“ auf der Bühne zum Besten geben.

Diese britische Band ist der Inbegriff von großem Potential, gerade mal ein Jahr zusammen und schon ein äußerst respektables Album draußen. Was aber nach anfänglicher Euphorie bei besagtem Album spürbar wurde, war ein recht großes Gefälle innerhalb der einzelnen Songs. So sollte es dann Kenner dieser Platte auch nicht verwundern, dass der heutige Gig ähnliches aufzeigen wird. Ganz großartig in live sind dann auch die Songs, die einem Band of Skulls auf Album als gnadenlos gute Popband mit drang zur Tanzfläche vorgestellt haben. „I know what I am“, „Bombs“ und Patterns“ sind über alle Maßen wuchtig, mitreißend und  sexuell aufgeladen, dass es einem die Freudenschweißperlen auf die Stirn treibt, das Zusammenspiel von Sänger/Gitarrist  Russell Marsden und Sängerin/Bassistin Emma Richardson  hat hier bereits eine intuitive Perfektion erreicht, wie man sie einer solch jungen Band beileibe nicht zutrauen würde. Noch viel besser: „Fires“ die hemmungslose Überballade, Pathos in Perfektion, Bombast in Bestform. Hier erlaubt sich die Band alles und es funktioniert noch um einiges besser als auf Konserve. Dass sich diese Qualität nicht durch das ganze Konzert zieht, liegt nicht etwa an mangelnden Fähigkeiten der Band (ihr wisst schon, das Potential), sondern daran, dass Band of Skulls noch Suchende sind, die vieles ausprobieren, fast schon sympathisch, dass  nicht alles stilsicher daherkommt. „Light of the Morning“ und „Dead by Diamonds and Pearls“ sind zwar kurzzeitig  unterhaltend, können in ihrer schnoddrigen Rockerpose aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie musikalisch eher dünn ausgebildet sind. Auch der häufige Drang von Marsden, sich in Gitarrensoli Exzessen zu ergehen, führt nicht unbedingt zu einer Hebung der Gesamtgüte. Aber irgendwie sollte man hier auch mal die Kirche im Dorf lassen, ist gar nicht schlimm, wenn noch nicht alles passt, dieser Band muss man einfach das Recht einräumen, nicht alles auf Anhieb richtig zu machen, denn wie gesagt: dieses Potential!

Info: www.bandofskulls.com

(Martin Makolies)