Mach1 Festival vs. Vainstream

(25. – 26.06.2010) Was für ein Wochenende! Sonne satt und Deutschland schlägt England mit 4:1. Was will man mehr!  Aber nicht nur Fußball war an diesem Wochenende angesagt. In Montabaur fand die vierte Auflage des Mach1-Festivals statt und in Münster die fünfte Auflage des Vainstream Rockfest.  Mach1 Festival vs. Vainstream – wenn man so mag. Hier die Bestandsaufnahme:

25.06.2010

Freitag nach der Arbeit geht es direkt auf die A3 Richtung Frankfurt nach Montabaur,  irgendwo im Nowhere. Hier arbeitet Marcell Davis, Deutschlands bekanntester Kundenzufriedenheitsmanager und auch die ICE Station ist allen Reisenden zwischen Köln und Frankfurt ein Begriff.  Oberhalb der Stadt, auf einer Anhöhe liegt der Flugplatz, wo seit 2007 das Festival stattfindet und sich Jahr um Jahr steigender Beliebtheit erfreut.  Vom Parkplatz hört man Dioramic auf der Bühne, die aber gerade ihr Set beenden, als man auf dem Festivalgelände ist. Auf der kleineren Bühne legen Ritual sofort los. Man hört mit einem halben Ohr zu und schaut sich das wirklich schöne und weitläufige Gelände an.

Ein erfrischender Wind weht dabei über die Anhöhe oberhalb der Stadt. Klarer Fall, im Westerwald, weht der Wind immer kalt. Ein Spruch, der sich hier und jetzt bewahrheitet. Sick Of It All, die zum zweiten Mal nach 2008 auf dem Mach1 spielen erklimmen die Bühne und schmettern ihre Setlist runter, die alle Hits und aktuellen Kracher der Band bietet. Sick Of It All wissen was das Publikum möchte und bekommt dies auch geboten. Kurzweilig ist es, so wie es auch sein muss. Egal wie oft Sick Of It All hierzulande auch tourten, sie sind es wert, dass man sie sich anschaut. Neaera, die auf der kleinen Bühne loslegen, wollen viel, werden aber von der Security hingewiesen, dass Crowd Surfen „verboten“ sei. Also muss wie schon vorher bei SOIA eine Circle Pit um den Misch-Tower her, den Sänger Benny Hilleke eine Runde mitläuft.

Max Caverlera samt Soulfly haben leichtes Spiel beim Mach1. Trash-Metal vom feinsten. Neben den älteren Soulfly Klassikern wie „Back to the Primitive“ und „Seek N Strike“, spielen sie „Refuse/Resist“ und „Roots Bloody Roots“ aus dem Sepultura Repertoire. Death By Stereo sind die Band des Abends. WOW – die liefern eine gute Show ab, haben eine gute Show gemacht, obwohl Bassist Jeff Clark der aufgrund gesundheitlichen Problemen wieder in die Staaten flog, nicht dabei sein konnte.

Zum Abschluss betreten WIZO die Bühne. 5 Jahre nach ihrem eigentlichen Ende feiern die Punks ihren ersten Festivalauftritt. Die Chemie stimmt zwischen dem Publikum und der Band, die sogar „Kein Gerede“ spielen, welcher damals auf dem Album „Für’n Arsch“ drauf war und durch die Staatsanwaltschaft wegen Anstiftung zum Terrorismus auf den Index landete. Ja, das waren noch Zeiten. Von den Skandalauftritten frührer Tage war heute nichts zu sehen, was aber auch niemand von ihnen heute erwartet hätte. Mit einem Mix aus ihrem Schaffen begeistern WIZO und es ist einfach nur cool, die alten Tracks aus „UUAARRGH“ und „Herrenhandtasche“ Zeiten noch einmal live zu erleben.
26.06.2010

5:30Uhr! Der Wecker klingelt *gähn*. Man kann sich definitiv schöneres vorstellen, als jetzt aufzustehen, gerade dann, wenn man erst um 2Uhr ins Bett gegangen ist. Aber was soll man machen? Sachen packen, frühstücken, mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof und um 7:21 in den Regionalexpress Richtung Münster steigen. Eine gute Idee, dass das Vainstream Ticket auch als Fahrausweis im Öffentlichen Personennahverkehr gilt. Dementsprechend stehen nicht wenige am Bahnsteig, die das gleiche Ziel verfolgen. Auf nach Münster!

Zwei Stunden später ist man in Münster und tingelt zum Hawerkamp, holt sein Bändchen und muss feststellen, dass Raised Fist abgesagt haben. Naja, bei dem Line-Up ist es verkraftbar. Es geht fortan Schlag auf Schlag. The Faceless, Bleeding Through, Job For A Cowboy, die Lokalmatadore von Nearea und Unearth Solche Bands am Morgen, dass ist schon komisch anzusehen. Vor allem, wenn auch der Sound so einiges zu Wünschen lässt und es ziemlich breiig klingt, was da aus den Boxen kommt. Die Uhr zeigt gerade 12.30Uhr und die Sonne knallt und man wundert sich schon, warum schon so viele Leute auf dem Gelände sind. Es wird von Band zu Band immer voller. Zu voll!

Nach dem Hin und Her im Vorfeld, wo das Festival nun stattfindet soll, muss man erwähnen, dass die Location am Hawerkamp definitiv ihre Grenze an diesem Tag gut überschritten hat. Man fühlte sich wie eine Ölsardine, so voll war es. Es gab keine Möglichkeit sich mal hinzupflanzen und zu chillen. Schatten? Absolute Fehlanzeige.
Dazu ein VIP Bereich, der blöder nicht platziert hätte sein können und viel zu viel Platz für sich in Anspruch nimmt.

Skindred Frontmann Benji Webbe ist albern angezogen und es scheint, dass ihm kalt ist, soviel hat er an. Auch sonst ist deren Mucke aus Reggea, Metal und sonstigem Core-Style nicht so toll, dass man sich das bewusst geben sollte. ENDLICH! Alexisonfire setzen an diesem Nachmittag das erste Ausrufezeichen. Die Kanadier sind die erste Band, die ordentlich Gas gibt und mit ihrer Mucke auch für ordentlich Stimmung, auch außerhalb, des allzeit kreisenden Mosh-Pit macht. Schade, dass sie nur 30 Minuten spielen und nicht zu den Bands gehören, die 40 oder 45 spielen dürfen. Warum dürfen Bands wie Broilers oder Ska-P eigentlich länger spielen als Alexisonfire, Atreyu oder Bleeding Through?

Atreyu sind ebenfalls gut aufgelegt und punkten. Es scheint, dass nach dem lahmen Beginn, dass Festival seinen Lauf nimmt. Aber mit 36Crazyfist kommt der Typ, der so klingt, wie eine jammernde Ziege. Brock Lindow macht Määäähhh-tel Core. Die Band war schon zu Zeiten von „Bitterness The Star“ langweilig und bis heute hat sich daran nichts geändert.

Müdigkeit macht sich breit und eine Pause ist von Nöten, um kurzerhand diese Ölsardine an Location zu verlassen. Dabei verpasst dummerweise Danko Jones, und Madball. Na gut, wo bei Madball laut einigen Aussagen „wie immer“ waren. Erst bei K.I.Z. trifft man wieder ein und die Hip-Hopper  aus Berlin amüsieren wie letztes Jahr die Massen. Sexismus gegen Rechts, so lautet das Credo und alles wird dafür getan. Mit einem Geldregen aus nostalgisch gefakten D-Mark Scheinen beenden sie ihren Auftritt unter tosendem Jubel. Den Hype den gerade A Day To Remember erfahren kann man nach den ersten beiden Tracks nachvollziehen, ab dann wird es aber relativ monoton und langweilig.

Als Hot Water Music auf der Bühne stehen, scheint die Welt wieder in Ordnung zu sein. Auf der Bühne stehen fast so viele Leute, wie vor der Bühne. Sämtliche Bandmitglieder anderer Bands wollen den grandiosen Auftritt der Gainesville-Legende nicht verpassen. Waren die Jungs bei ihrem letzten Auftritt in Dortmund eher routiniert, so fackelt hier ein echtes Feuerwerk ab. Die Masse ist und kann nur begeistert sein. Am Ende noch „True Believers“, damit sind alle Herzenswünsche erfüllt.

Manchmal muss man einfach unpopuläre Entscheidungen treffen. Und nachdem HWM gespielt hatte, trifft die Entscheidung gegen 20Uhr wieder nach Köln zu fahren. Genug gesehen! Broilers, Ska-P sind nicht gerade Lieblingsbands und As I Lay Dying und NoFx hat man auch schon etliche Male in der Vergangenheit gesehen. Die Sonne tat ihr übrigens an diesem Tag dazu. Der Kopf brennt. 10 Stunden in der prallen Sonne zahlen ihren Tribut…

Fazit: Sonnenbrand ist scheiße!

In diesem Sinne

(Markus Tils)