The Get Up Kids & Longing for Tomorrow live@Köln

(15.06.2010, Köln, Luxor) Re-Union ist pfui! Warum löst sich eine Band erst auf, um dann doch wieder zusammen auf der Bühne zu stehen? Im Falle von den  THE GET UP KIDS ist diese Frage durchaus berechtigt. Letztes Jahr spielten sie nach 4 Jahren Pause ihre ersten gemeinsamen Shows. Die neue EP Simple Science ist seit Ende Mai draußen und wurde nicht gerade mit Lob überschüttet, jedoch als solides Werk in die Plattenkiste gesteckt. Auf das Album, das kommenden Winter seinen Weg in die Läden finden soll, kann man mehr als gespannt sein. Doch heute Abend geht es um mehr. Man findet viele Fans der ersten Stunde. Teilweise bereits ergraut, behäbig, gemütlich. So wie man sich  Enddreißiger nunmal vorstellt. Das Luxor ist ausverkauft. Viele bekommen auch in letzter Minute keine Karte und müssen traurig von Dannen ziehen.

Der Support heute in Köln und einen Tag zuvor in Berlin sind die Aachener von LONGING FOR TOMORROW. Die drei Jungs sind absolute Vollprofis. Ihr Auftritt besitzt die nötige Lockerheit und Jugendlichkeit, die man später ein wenig vermisst. Auch Wunderkerzen für’s Publikum und Konfetti-Regen ist mit dabei. Die Songs gehen ans Herz und ins Ohr. Man hört gerne zu. Zum Schluss gibt es noch einen Song mit einem vierten Mann und einen Hinweis auf eine neiderweckende Brasilientour letzten Winter und die Bühne ist frei.

THE GET UP KIDS werden mit großem Jubel empfangen. Ein kurzes Raunen geht durch die Menge bevor die erste Melodie ertönt und der Zauber vergeht auch noch nicht über die nächsten Stücke. Es fällt auf, dass sich vor allem Material der legendären „Something to Write Home About“ bedient wird. Es ist schön, es ist toll. Aber etwas fehlt. Alles ist zu glatt, zu locker, zu routiniert. Es ist, als wären die Songs nicht mehr so gemeint. Als könnten die fünf gestandenen Männer nicht mehr nachvollziehen, was die Jungs mal bei den Songs gefühlt haben. Es ist trotzdem ein schönes Konzert. Man kann in der ersten Reihe stehen und tanzen, ohne umgeschubst zu werden. Die Menschen um einen herum lächeln, singen und sind fröhlich. Aber es wirkt synthetisch. Keine Wut, keine Kritik. Schöne heile Welt. Kann man da wirklich was gegen haben? Vielleicht ist das so, wenn man erwachsen wird..

Info: www.thegetupkids.com

(Lyra Nanerendij)