AUGUST BURNS RED: In der Welt zuhause

(29.09.2010, Köln, Underground) Pünktlich zur Veröffentlichung ihrer Live-CD/DVD inklusive Tourdokumentation starteten AUGUST BURNS RED ihre Europatour im ausverkauften Underground. Eine Stunde lang wartete eine Schlange die durch den Biergarten des Undergrounds bis auf die Straße reichte auf den ersehnten Einlass.

Stammgäste des Clubs chillten und kickerten in der BAR nebenan und schauten sich – ein wenig ungläubig und belustigt – die Stehparty an. Als sie letzten Töne des Soundchecks verklungen waren, durften der Laden gestürmt werden und OF MICE & MEN ließen nicht mehr lange auf sich warten. Die nach einem Roman von John Steinbeck benannte Screamo-Kappele hatte die Menge trotz Jet-Lag von der ersten Minute an im Griff. Ihre Begeisterung für das Land des Oktoberfests war deutlich zu sehen und zu spüren. Einer der Gitarristen trug das deutsche WM-Trikot und unterhielt sich später angeregt mit zwei Blondinen an der Bar – aber das nur am Rande. Drei flauschige Tiere sprangen zur Überraschung des Sängers aus dem Publikum auf die Bühne und waren während aller drei Gigs Teil der Show. Ihrem Beispiel folgten auch viele andere, so dass die Bühne zwischendurch so voll war, dass die Monitorboxen auf die Wellenbrecher knallten und erst einmal wieder für Ordnung gesorgt werden musste.

Angeheizt vom Opener hatten BLESSTHEFALL einen sehr leichten Start. Nicht, dass sie das nötig gehabt hätten. Die fünf Jungs aus Phoenix sehen nicht nur gut aus (zugegeben kann man drei von ihnen nicht auseinanderhalten), sondern bringen auch eine solche Energie und Kraft mit auf die Bühne, dass  man schon vom Zuschauen schwitzt. Wie ein quirliger Wirbelwind rannte Sänger Beau hin und her und stürzte sich immer wieder direkt an den Rand des Wellenbrechers, um ganz nah am Publikum zu sein. Ganz zum Entzücken einiger Mädels, die sich mit Wonne an seine Beine klammerten. Der Sound war wirklich bombastisch. Dass ein solch guter Clubsound selten und schwierig hinzubekommen ist, bekam man dann leider beim Headliner zu spüren.

Bevor AUGUST BURNS RED die Bühne betraten, wurden Boxen auf die Bühne gehievt, damit die Band höher stehen konnte und von Publikum besser gesehen werden konnte. Diese eigentlich nette Idee schuf aber leider eher Distanz, so dass sich kaum jemand traute, auf die Bühne zu kommen, weil dafür auch plötzlich einfach kein Platz mehr war. Schlagzeug und Bass waren unverhältnismäßig laut abgemischt, so dass man in der Nähe der Boxen den ganzen Wumms abbekam und vom Rest des Sounds kaum noch etwas hören konnte. Die Stimmung der Band war euphorisch und es war deutlich zu spüren, welche Bedeutung kleine Clubs wie das Underground für die Band haben und wie gerne sie hier spielen. Auftritte hat es sicherlich bessere gegeben, aber die Stimmung vor und der Enthusiasmus auf der Bühne haben die eher durchschnittliche Performance entschädigt. 

FAZIT: Eine Tour, die man sich nicht entgehen lassen sollte…

Info: www.myspace.com/augustburnsred

(Lyra Nanerendij)