ALEXISONFIRE live@Köln

(30.10.2010, Köln, Essigfabrik) Bereits im Sommer konnten Alexisonfire hierzulande, auf einigen wenigen Clubshows und Festivals, mit ihrem aktuellen Album „Old Crows / Young Cardinals“ für Begeisterung sorgen. Das der Fünfer die letzten Wochen sich Zeit nahm, um eine neue EP „Dog’s Blood“ aufzunehmen, erfreut umso mehr. Neues Material, neue Tour – keine Frage, dass man dahin musste.

In Köln war der Ansturm so groß, dass man schon vor Wochen das Konzert aus dem kleinen Luxor in die größere Essigfabrik verlegte, um so allen die Möglichkeit zu geben, sich von den Lifequalitäten von Alexisonfire zu überzeugen. Traurig nur, dass die beiden Vorgruppen The Computers und Chickenhawk nicht das Niveau und die Klasse hatten und eher durch Langeweile auffielen, anstatt mit mitreißenden Songs. Mehr als Höflichkeitsapplaus gab es nicht. Dementsprechend war man froh, als der Umbau für Alexisonfire beginnen könnte.

Wie auf Knopfdruck lässt sich die Masse in der Essigfabrik von Alexisonfire in ihren Bann ziehen. Der Auftakt der Show ist typisch für Alexisonfire, die gleich mit „Young Cardinals“, „Boiled Frogs“ und „Sons of Privilege“ von 0 auf 100 los legen.  Die Begeisterung schwappte gleich aufs Publikum über und Bassist Chris Steele (mit gezwirbelten Schnauzer) und Shouter George Pettit ließen sich so richtig gehen und verloren dabei jeden Speichel, der an ihren Mundwinkeln sich selbstständig machte. Es schien, als wären die beiden Eins mit ihrer Musik und vergaßen dabei alles Drumherum. Ekstase pur, da wirkte Sänger Dalles Green als ruhender Pol und Gitarist Wade McNeil sowie Drummer Jordan Hastings als der Fels in der Brandung. Die Sicherheitsleute vor der Bühne hatten alle Hände voll zu tun die Crowdsurfer aus der Masse raus zu fischen bevor mit „Drunks, Lovers, Sinners and Saints” und “Old Crows” die Stimmung weiter nach oben gepusht wurde. „Grey“ war der erste Song der neuen EP und es war spürbar, dass hier verständlicherweise die Stimmung etwas zurückschraubte. Quasi Zeit um Luft zu holen, um anschließend mit „Rough Hands“ und „Accept Crime“ die Band und auch sich selbst noch einmal zu feiern. Mit dem leicht ruhigeren Song „This Could Be Anywhere in The World” verabschieden sich Alexisonfire erstmalig von der Bühne kommen aber nach unüberhörbaren “Zugabe”-Rufe wieder zurück. Dabei zerriss George Pettit während „The Northerns“ sein schwarzes T-Shirt, missbrauchte es als Henkersmaske bevor er das durchschwitzte Objekt ins Publikum warf. Man mag es nicht für möglich halten, doch einige Hände ragten nach diesem Stofffetzen. Sicherlich ein nettes, aber auch stinkendes Souvenir. Alexisonfire zeigten an diesem Abend erneut ihre Klasse und zählen diesen Auftritt zu den Besten, die sie hierzulande bisher gespielt haben. Es stimmte einfach alles. So sehr, dass sich George Pettit es sich nicht nehmen ließ am Ende einige Male noch als Stagesurfer in Szene zu treten. Mit „44. Caliber Love Letter”, “Accidents” und „Happiness By The Kilowatt” sollte es an diesem Abend gut sein und nach über 90 Minuten Spielzeit und 18 Tracks hatte Köln nichts zu meckern.
Setliste:
Young Cardinals
Boiled Frogs
Sons Of Privilege
Pulmonary Archery
Drunks, Lovers, Sinners and Saints
We Are The Sound
Old Crows
Grey
„Hey, It’s Your Funeral Mama“
Rough Hands
Midnight Regulations
Accept Crime
Dog’s Blood
This Could Be Anywhere in The World 

Zugabe:
The Northern
44. Caliber Love Letter
Accidents
Happiness By The Kilowatt

Info: http://www.theonlybandever.com/

(Markus Tils)